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Familienplanung im Frühjahr
Auch das ist Herrenalb:

                    
Links Wanderfalke - mitte Turmfalke - rechts Rotmilan

Bei den Wanderfalken an unserem Falkenstein denkt jeder automatisch an Wanderung, an das Verhalten von Zugvögeln. Bei diesem schnellsten Vogel der Welt allerdings Fehlanzeige. Höchstens die Jungvögel ziehen in den Südwesten Europas, die erwachsenen verlassen ihr Revier auch im Winter nicht.

In den 60er, 70er Jahren gab es in Deutschland nur noch gut 50 Paare. Bei ihrem Jagdstossflug erreichen diese Vögel fast 200km/h und mit 15-17 Jahre können sie recht alt werden. Wie bei allen Greifvögeln ist das Weibchen deutlich grösser.


Man kann also davon ausgehen, dass die beiden da oben am Falkenstein immer die gleichen sind. Wer aufmerksam in der Nähe oder sogar auf der Schweizer Wiese spazieren geht, kann ihre Kontakt- und Balzrufe ziemlich gut hören. Das hört sich manchmal so an als wenn scharfes Glas oder Blech auf andere Gegenstände in den Container geworfen wird.

Die jedes Jahr sich wiederholende, fast schon rituale Auseinandersetzung mit den beiden Kolkraben währte diesmal kurz. So hat jedes Paar wieder...

...sein angestammtes Nest bezogen. Bei den Falken reicht normaler Unterboden wie Kies o.dgl., die Kolkraben gehen da schon etwas fürsorglicher beim Nestbau vor. Das Behüten und Umsorgen ist aber bei beiden Paaren höchste Pflicht. Nachts noch Frost, das ist derzeit aber noch nicht ideal.

Wichtig für die nächsten Wochen, am Falkenstein leise zu sein und auf keinen Fall die Felsköpfe betreten. Falken wie Kolkraben geben bei Störungen schnell ihr Nest auf. Für schon vorhandenen Nachwuchs wäre das - allein gelassen - der sichere Tod. Insofern wieder die Bitte um besondere Rücksichtnahme oben am Falkenstein.

Die Forstverwaltung war leider bis heute nicht bereit, den wilden und sinnlosen Fusspfad gleich neben dem rechten Felsenkopf undurchgängig zu machen. (Ein Mit-Grund meines damaligen Rücktritts als Naturschutzwart, als der ich mir zu schade für Feigenblatt-Getue bin.)

Immerhin leuchten mit Rücksicht auf diese Vogelpaare während der Nestzeit die Flutscheinwerfer nicht, schliesslich möchten wir selbst nachts auch kein hellerleuchtetes Schlafzimmer. Das Kletterverbot reicht bis in den Sommer, je nachdem wann die Jungvögel ausfliegen. Dieses wird von den Klettersportlern mit ganz wenigen und dann versehentlichen Ausnahmen wunderbar akzeptiert.

Wer sich die Zeit nimmt, kann tagsüber so ab Mai/Juni - je nach Entwicklung und Wetter - die Bettelflugperiode der Jungen und der Altfalken sehen. Falken fangen oder schlagen nie am Boden, sondern immer im Flug. Dies lernen die Jungen, in dem deren Eltern mit Beute vor ihnen herfliegen und diese dann trainingsweise für ihre Vogelkinder fallen lassen. Das klappt nicht immer, gerade anfangs nicht. So ist mir in unserem Garten solch eine natürlich schon tote Beute fast auf den Kopf gefallen. (Hat meiner konservativen Betrachtung des Gemeindegeschehens aber keinen Abbruch getan.)

Beliebter Siedlungsraum sind natürliche Felsen. Vorgekommen sind sie aber schon an Kirchtürmen, Kraftwerken und anderen Industriebauten. Oftmals bringen Naturkundler in diesen Höhen auch besonders gefertigte Wanderfalkenkästen an. In den Städten wird der Wanderfalke auch deswegen gerne gesehen, weil er zur Dezimierung verwilderter Haustauben beiträgt. Wenn man so will, verhilft die Natur – wie auch in unseren Wäldern – zu einem entsprechenden Ausgleich.

Mit gutem Beispiel ging 2015 die Deutsche Bahn voran. Man bemerkte bei Würzburg das ständige Anfliegen eines ICE-Brückenpfeilers. So liess die DB auf diesem Pfeiler einen Nistkasten für die Falken anbringen, um den streng geschützten Vögeln dort ein Zuhause zu bieten, wo sie es suchten und ihnen ihre Fortpflanzung zu ermöglichen. Ein Unterfangen, welches – wie hier in Herrenalb bei einigen wegen der Flutlichtabschaltung - ebenfalls Bedenkenträger nach sich zog, ob ein solcher Nistkasten die Instandhaltungsarbeiten an der Brücke beeinträchtigen könnte.

Es gab dann eine Ausnahmeregelung, die sich lohnte: Drei Monate nachdem der Brutkasten angebracht war, schlüpften die ersten Jungen. Jetzt bleibt der Nistplatz dauerhaft. Geprüft wird derzeit, ob eine Webcam angebracht werden kann. Hier in Herrenalb war solch eine Webcam ebenfalls mal im Gespräch. Wie so vieles, wie z.B. auch eine Wanderhütte.


Nichtsokundige verwechseln die Wanderfalken gerne mit den bräunlichen Turmfalken, die z.B. hier in Herrenalb um die Ev. Akademie herum ihr Revier haben. Derzeit ist in unseren Bereichen, sowohl im Gaistal wie auch öfters über der Schweizer Wiese, der Rotmilan zu sehen.

Tierheim Ettlingen