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STREIT- ODER SUB-KULTUR

WIEDER NICHTS GELERNT?

Es ist nicht so sehr die Art wie wir in Herrenalb - wenn überhaupt - diskutieren. Natürlich kann – wer will – an allen möglichen Formen Anstoss nehmen. Als Veganer schon den Wortlaut in dem Lied „Fuchs, du hast die Ganz gestohlen!“ als nicht mehr zeitgemäss empfinden oder als übereifriger Weltbürger den „Negerkönig“ in Lindgrens Kinderbuch als anstössig. Versuchte Worte zum Verstehen-wollen sind jedoch immer richtig.

Am Anfang steht der Wunsch zur Sprache - um überhaupt zum Diskutant zu werden. Dazu die Neugier auf das Denken anderer im Austausch mit eigener Empfindung. Wenn beides denn gegeben ist.

Danach erst beginnt das, was man landläufig als gute und notwendige Streitkultur beschreibt. Der Weg ist weit, hin und wieder widersprüchlich, uneben und wird nicht selten von allwissenden Wegelagerern besetzt gehalten, welche anderen das Wort schon im Munde verkümmern lassen bevor es dort das Licht der Welt erblickt.

„Wer nicht streitet, will nichts vom Leben. Und wer ständig...
...Toleranz und Sachlichkeit fordert, ist in Wahrheit bloss zu faul zum Denken und vergisst, dass Toleranz oft erst aus Streit entstehen kann.“ (Polke-Majewski)

Folglich gehört Unverzagtheit zum Repertoire des Sprechens, zum „guten“ Streit allemal. Während im Nordschwarzwälderischen schon der Schwatz am Gartentor gewisse Beherztheit abverlangt, ist der Kölner oder Bayer diesem mit der schnelleren Festlegung auf Meinunghaben dafür leicht suspekt. Eine Unzufriedenheits-Skala ist mit Sicherheit hier wie dort vorhanden – auf jeden Fall dort, wo nicht oder wenig gesprochen wird.

Wie anders als durch Sprechen, durch Kundtun eigener Gefühle und Hervorheben persönlicher Impressionen ist Mitteilung möglich? „Ohne Streit gibt es keinen Fortschritt.“ (Ralf Dahrendorf)

Allerdings will dazu erst einmal etwas gesagt sein. Im Gegensatz zu Tieren haben wir die geradlinige Opposition zum Schweigen, um auf Ereignisse, Fehler und Einschränkungen hinzuweisen – uns mit-zu-teilen. Die Schweiger sind nur selten die Klügeren. An ihnen gedeihen erst die Grosskotzigen, die ewigen Alleinherscher und Besserwisser. Schweiger werden mitschuldig, wenn sie immer nur lassen und zulassen. „Der Herr ist so stark, wie es der Knecht zulässt.“

Streit lässt zu Wort kommen. Man spricht sich aus. Man hört zu. Natürlich eine Herausforderung für die, welche meinen, selbst-gefällige Monologe würden in sich schon genügend Antworten (andere Worte) und damit neues Wissen erbringen. Und wider verharrt der Schweiger  im Sumpf des Zauderns. Entwicklung unmöglich.

Was macht das Zuhören-wollen in der Auseinander-Setzung so schwer? Weniger eine Zeitfrage als eine Vertrauensleistung? Gegensätzliche Meinungen im Dialog zuzutrauen bedeutet nicht, die eigene unbedingt gleich in Frage stellen zu lassen – sondern nur, sie aufs Podest zu heben.

Umzudenken, neu zu denken, die Sichtweisen des anderen wahrzunehmen. Auch und gern vorgefertigte und nur nach aussen als Fragestellung gereichte Entscheidungen nochmals ins Fenster der Begutachtung zu stellen. Natürlich ist dazu das eigene Wissen um eine eigene Meinung, die nicht jeden Tag eine neue ist und je nach Zuhörer passend gemacht wird, unerlässliche Voraussetzung.

Finden wir hier u.a. die Hauptgründe für die vielen nichtöffentlichen Herrenalber Gemeinderatssitzungen? „Nicht-Führung“ ist nach aussen immer situativ, glatt, durchschnittlich, wenig farbig, eigenwillig, ohne deutlichen Ausdruck einer selbstgewinnenden Identität. Nach übereinstimmender Wirtschaftslehre würden solche Probanden den Herausforderungen eines Assessment-Centers (soziale und/oder ethische Kompetenz) nicht überstehen.

Trotz zunehmender sozialer Konflikte hat sich eine Mentalität des Aussitzens etabliert: „Man wartet ab, schweigt, duckt sich weg, setzt auf Zeitablauf, kungelt im Hinterzimmer, „neutralisiert“ Querdenker und reagiert erst, wenn es gar nicht mehr anders geht.“ (Wolfgang Grunwald)

Dr. Heiner Geissler, CDU: Die Kritik an der jetzigen Form der Demokratie liegt doch daran, dass die Menschen denken, alles werde hinter verschlossenen  Türen gemacht. (Die Abnicker)

Man konserviert viel lieber den eigenen Status quo als das offene Wort zu wagen. Anthropologisch gesehen ist dieses Verhalten verständlich, denn Neues, Unbekanntes führt zu schnell zu Irritationen und zu Angst vor dem anderen, dem Gegen-Satz.

Nur - nicht wenige Zeitgeister des öffentlichen Lebens und gerade Gemeinde-Interessenvertreter beklagen oft die mangelnde Teil-Habe vieler Bürger - verschärfen dagegen nachweislich mit ihrem im wahrsten Sinne des Wortes „unsäglichen“ (ungesagten) Verharren jene Konflikte, die sie beklagen oder zu lösen vorgeben.

„Keiner von uns sage, er habe die Wahrheit schon gefunden. Lasst sie uns vielmehr so suchen, als ob sie uns beiden unbekannt sei. Wenn keiner sich anmasst, sie schon gefunden und erkannt zu haben, dann werden wir sie gewissenhaft und gemeinsam suchen können.“ (Augustinus)

„Ein solches Konfliktverständnis bedeutet freilich die Abkehr von jeder Form selbstgerechter, autoritär-bürokratischer Führung. Dazu bedarf es bei den meisten Führenden fundamentale Einstellungs- und Verhaltensänderungen im Sinne einer über den Tag hinausreichenden sozialen Verantwortung für das gesellschaftliche Ganze.“ (Wolfgang Grunwald)

„Die meisten Menschen werden nur der Welt gewahr, die sie schon in sich tragen. Es braucht eine gewisse Spannweite, um dem Erhabenen die Stirn zu bieten und seine Botschaft zu empfangen.“ (Antoine de Saint-Exupéry)