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Eine Kunst?
 
Die Erkenntnis

„Die Kunst, Recht behalten zu wollen!“ ist in ihrer boden-losen Form entgegen allem Von-sich-weisen nicht nur in sozialen Netzwerken verbreitet. Diese haben sogar ein Vorbild in der wirklichen Welt... Tagtäglich. Es sind die ewigen Rechte-Inhaber. Der Schreiber dieser Zeilen gibt zu, sich öfters selbst dort zu verorten und noch zur rechten Zeit immer wieder in Frage zu stellen.

Wir sind diese Neunmalklugen, die aufgrund ihrer dichten Nähe zur dementiellen Weisheit und der schon elitären Fülle an Gedanken alles besser zu wissen scheinen und voller Ingrimm auf die hernieder schauen, die es wagen, "unsere" Gedanken nochmals zu denken und möglicherweise zu einem anderen Ergebnis zu kommen – oder noch schlimmer, zum eben gleichen, nur eben selbstgedachten. Das verstört und ist mindestens gefühlt Diebstahl geistigen Eigentums.

Dafür dagegen existieren verschiedenen Formen des In-Schach-haltens. Die schlitzohrigen Sanftmütigen treten...

...als ergriffener Zuhörer mit Vorschuss-Lob in die Tür, um danach um so länger den seiner Besserwisserei wegen heimlich subversiv Überführten in das allgemeine Prangerlicht zu halten. Rauhbeine keilen und poltern eher offen und ohne Visier-  wie beim Kickboxen.

Gemein ist beiden Typ-Klassen die unbändige Sehnsucht nach Gestilltwerden, dem Angenommensein in dem wohligen Teich pubertärer Glücksmomente. Ich bin siebzig und fühle mich wie achtzehn. Das ist die Legitimation und offenbart im Alter eine immer stärker werdende Hoffnung. Damit stellt sich auch – noch unbewiesenermassen, aber erahnt - sogleich die Behauptung in den Raum, dass es sich auch bei den bekannten Auswüchsen in den Netzwerken zwangsläufig eben nicht nur um Jüngere handelt, wie allgemein angenommen wird. Es sind wohl eher die zu kurz gekommenen Alten, die hier im Vollgefühl ihres tiefergründigen Wortschatzes nochmals triumphieren wollen.

Amelie Fried, bekannte Kinderbuchautorin, schrieb vor einiger Zeit über ihre Erfahrung bei einem von ihr und ihrer Familie für junge Geflüchtete ausgerichtetem Fest. Da war am Schluss ihre Gitarre verschwunden.

Sie sei empört gewesen, fühlte sich dann erhaben, später aber noch mehr beschämt. Weil sie merkte, wie sehr sie in ihrer Einschätzung falsch gelegen hatte, Dankbarkeit, ja Akzeptanz auch von Flüchtlingen wie selbstverständlich zu erhalten. Dass am Ende da welche um sie herum stehen und selbstverständlich mit Zuwendung zahlen würden.

Sie hatte, so schreibt sie selbst, nicht erkannt, wie sehr hier verschiedene Welten, völlig unterschiedliche Alltagswahrnehmungen aufeinander prallen. Gestern noch aus Kriegsgebieten unter Aufwand verschiedener Grenzleistungen zu fliehen, auf Überleben programmiert zu sein. Und heute ein diametral anderes Umfeld zu erleben, mit in der Form unbeschädigten Menschen umzugehen, in einem fremden Milieu voller Reichtum an Selbstverständlichkeit.

So unterschiedlich die Welten, sollten wir also immer wieder versuchen zu erkennen.