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CHIASAMEN

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für das Grundeinkommen!

Wer bemerkt nicht die fast schon überhandnehmende Wichtigkeits-betonung der Ehrenamtlichkeit? Wer es noch nicht ist, kann es werden. Es gibt keine Neujahrsansprache ohne Lob für Ehrenamtliche. „Hohe“ Politiker posieren neben „Tafel“-Einrichtungen, es hagelt Ehrenamtsnadeln, Ehrenamtskarten und –nachweise.

Sogar Kliniken setzen neuerdings statt auf eigenen kostenintensiven Fullservice auf „Grüne Engel“– die nichts kosten. Kommt da nicht, mindestens teilweise schon Missbrauch ins Spiel?

Richtig ist, es gibt diese gute abendländische Tradition mit einem eigenen individuellen Beitrag...

...zum allgemeinen Wohl dem sinnerfüllten Leben näher zu kommen. Der Begriff Ehrenamt steht nicht eindeutig im Raum. Zum einen wird geschrieben von dem „bürgerschaftlichen Engagement“ und zum anderen von der „Freiwilligentätigkeit“. Beiden gemeinsam ist das altruistisches Handeln mit freiwilliger und unentgeltlicher Arbeit oder Hilfe.

Was ist das aber andererseits für eine Welt, die sozial immer mehr auf das Ehren-Engagement der Einzelnen setzt? Sind wir vielleicht einfach nur glücklicherweise da angekommen wo wir immer hätten sein wollen, weil dies das Normalste der Welt zu sein scheint? Man hilft sich, man ist füreinander da?

Vielleicht wäre man nicht am schlechtesten Finden – wenn damit beispielsweise auch das allgemeine Kommunikationskonzept der Corporate-Identity-Gesellschaft einbezogen werden würde? Aber nicht als absetzungsfähiges Sponsoring, sondern als Pflichtgabe von Produkten für Ehrenamtliche? Zum Beispiel Car-Sharing für ehrenamtliche Sozialhelfer.

So aber werden doch nur immer mehr gesellschaftliche Aufgaben an Preislose ausgelagert, diese mit billigen Ehrenzeichen verabschiedet und das Arm-Reich-Gefälle wahrlich grotesk vergrössert. Grenzt das nicht schon an kalkuliertes Ausnutzen von Menschen, die sich neben ihrer eigenen beruflichen Auslastung oft noch die Zeit für andere nehmen?

Ehrenamtlichkeit im menschlichen Bereich ist nicht selten mit besonderer Nähe verbunden. Da wo es praktisch drauf ankommt, da wo immer öfters Leid in zittrigen Gesichtern oder hinter versteckten Mauern zu sehen ist. Das muss auszuhalten sein. Manchmal Tag und Nacht.

Es sind diese zwei grundverschiedenen Seiten, die nachdenklich lassen. Diese beschriebene edle menschliche Regung - und andererseits diese Metallplaketten-Anbringer, die in der Regel noch nicht einmal dies in ehrenamtlicher, sondern hochdotierter Zeit ausführen. Ehrenamtliche haben äusserst selten ein üppiges Nettogehalt. Je weniger Menschen verdienen, um so ehrenamtlicher sind diese? Ist das so? Aber warum so wenig darüber hinaus? Warum wohl? Und wenn doch, geht es es nicht selten in die Richtung wie bei einem Präsidenten einer Industrie- und Handelskammer, der sein Ehrenamt mit Dienstwagen, 30.000 Euro-Aufwandsentschädigung, zwei Sekretärinnen und einer angedachten Pensionsrückstellung von einer halben Million in echter Münze ausübte.

Echte Ehrenamtliche hingegen sind oft nur das plakative Gesicht der zum eigenen Nutzen Nutzender - mit „Apanagen“ weit über den Durchschnitt hinaus. Dazu gehört fast jeder Bürgermeister und jeder langjährig tätige Politiker. Es wird auf Deibel komm raus geehrt, auch - um wieder gewählt zu werden. So einfach.

Treten wir einen Schritt zurück, um das Ganze besser überblicken zu können. In der Schweiz wird im Juni 2016 über ein Grundeinkommen abgestimmt, in Finnland 2017 immerhin eine Testphase eingeführt. Wie auch immer die Wahl oder endgültige Entscheidung ausgeht, es wäre einfacher, ehrlicher und fairer – gerade auch den vielen Ehrenamtlichen gegenüber, die trotz Wenig obendrein noch anderen helfen. Ein solches Grundeinkommen für jeden ersparte vorneweg die höchste und grösste Bundeshaushalts-Milliardenausgabe des Arbeitsministeriums (s.Beitrag Namibia) - und viele Bürger könnten sich Betätigungsfeldern der Gesellschaft, der Gemeinschaft sehr viel unbelasteter widmen.

Auch Ehrenamtliche müssen leben. Vom Blechgehalt eines halsumringelten Messing-Sterns lässt sich schlecht abbeissen. Sogar das Umhängen wärmt nur kurz hinauf in eine scheinbare Nähe des „Königs“. Danach wird´s schnell kalt. Ein Ofen muss brennen. Jedes Stück Brot im Mund kostet.