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MIT MARTIN KNIRSCH

(25.April 2017) Eine Interview-Reihe mit Bad Herrenalb im Fokus. Eine Stadt im Entwicklungsnotstand. Eine kleine Stadt mit Turbulenzen, die sie weit über die Region hinaus bekannt machten. Eine Stadt mit hohen Schulden. Eine Stadt, der ohne Vision und Konzept die Zukunft fehlt.

Aber auch eine Stadt mit der Weltmarke „Schwarzwald“. Mit reichem Natur-Potenzial und einer liebenswerten Bürgerschaft. Mit vielen jungen und älteren Menschen. Mit Zuneigung von vielen Seiten. Bleibt also die Frage, wie geht es weiter?


Wir danken Herrn Knirsch für seine Bereitschaft, dem Herrenalbforum Frage und Antwort zu stehen. Das ist nicht selbstverständlich. Es zeigt Zivilcourage und auch grosse Zuneigung zu unserer Stadt.

30 Fragen, 30 Antworten:

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1. Sie sind Einheimischer? Wo aufgewachsen?
In Bad Herrenalb, die Hälfte im Unteren Gaistal, die andere Hälfte in Bad Herrenalb. Also im Schulhaus Gaistal, weil mein Vater dort Lehrer gewesen war. Dort bin ich geboren und mit zwei Brüdern aufgewachsen. Erst viel später, 1965, habe ich das von mir erbaute Haus in Bad Herrenalb bezogen, in dem ich heute noch mit meiner Ehefrau lebe.

2. Schule, Lehre, Firmenaufbau – alles hintereinander weg?
Eingeschult wurde ich noch im „Dritten Reich“. Nach Kriegsende, mein Vater war gefallen, mussten wir, meine Mutter mit uns drei Söhnen, die Dienstwohnung räumen. Wir zogen dann in die Stadt und gingen dann auch dort in die Schule, die sog. Alte Schule. Dort setzte man eine Gepflogenheit aus der Zeit vor dem Krieg fort, die Gehobene Klasse. In der lernte man Englisch und Französisch und wurde auch vorbereitet für das Gymnasium nach Ettlingen. Diese Sprachen-Grundkenntnisse waren für mein späteres Leben sehr wertvoll. Insofern ist es heute für mich unverständlich, dass wir aufgrund der Grenznähe zu Frankreich keinen Französisch-Unterricht mehr haben können.

Gelernt habe ich Kraftfahrzeugmechaniker bei der Firma Schernitz in Ettlingen. Nach bestandener Gesellenprüfung sind wir damals zu dritt von Ettlingen weg in die Filiale von Autohaus Schernitz nach Mannheim. Dort gab es sogar noch eine Borgward-Vertretung. Herr Fiebig, deren Witwe das Herrenalber Ziegel-Museum leitet, war dort Betriebsleiter.

Danach bin ich zur Firma Krupp nach Karlsruhe, vier Monate später in das Stammhaus nach Essen als Auslandsreise-Monteur. Als solcher bereiste ich dreiundhalb Jahre hauptsächlich EFTA-Länder. EFTA war das Gegenstück zur EWG. Also die Länder Portugal, Schweiz, Österreich, England und Schweden.

1961 legte ich als 22jähriger die Meisterprüfung in Heide in Schleswig-Holstein ab. In Essen übernahm ich die Kundendienstschule von Krupp. Aus verschiedenen Gründen, einmal meine Freundin und spätere Ehefrau in Herrenalb und zum anderen das plötzliche Fehlen eines Meisters in der Krupp-Niederlassung in Karlsruhe, zog es mich dann wieder Richtung Heimat. So wurde ich 23jährig Betriebsleiter der Karlsruher Krupp-Vertretung in Sachen Service von Mannheim bis Konstanz.

Nach dem Tod des Firmeninhabers Alfred Krupp wurde die Karlsruher Niederlassung an Daimler-Benz verkauft, von denen die Produktion dann eingestellt wurde. Wir sollten übernommen werden, das wollte ich aber nicht. Die hatten früher von mir nichts gewollt, jetzt wollte ich nicht. Das war also eine recht kurzfristige Zeit zum Überlegen. Alles was ich wollte, bekam ich nicht und was mir angeboten wurde, wollte ich nicht. Also gab es nur den Weg in die Selbständigkeit.

So fing 1970 mein eigener Betrieb im Gewerbegebiet Grötzingen an, den ich bis zu 150 Mitarbeiter ausbaute. Ein paar Jahre später kam die Filiale in Baiernsbronn, noch etwas später ebenfalls der Filial-Neubau in Bühl dazu.

3. Würden Sie sich als Firmenpatriarch bezeichnen?
Absolut nicht. Patriarch geht mit der Krawatte. Aber wenn Sie an Umgänglichkeit und Vorbildfunktion denken, dann war ich bestimmt ein Patriarch. 12 Stunden im Geschäft, einschliesslich nächtlichem Telefondienst, nächtliche und sonntägliche Notreparaturen.

4. Ihre Firma bzw. die Ihrer beiden Söhne ist vertreten in Karlsruhe, Bühl, Offenburg, Freiburg und Baiersbronn – also überwiegend im Badischen. Zufall?
Mittlerweile bin ich komplett raus. Wir haben auch das Verkaufsgebiet Calw und das Verkaufsgebiet Freudenstadt. Im Grossen und Ganzen hat sich das aus Vernunftsgründen und durch den Verkehrsstrom so ergeben. Unser Betreuungsgebiet reicht aber auch bis in die Pfalz.

5. Ihre Söhne wohnen auch in Herrenalb. Darf man den Grund erfahren?
Die wohnen einfach gerne in Herrenalb.

6. Aus dem operativen Geschäft haben Sie sich zurückgezogen?
Ich habe gearbeitet bis zum Ende meines 69.Lebensjahres. Mit siebzig wollte ich nicht mehr zur Arbeit gehen.

7. Laut Zeitungsbericht sagten Sie einmal, Menschen die erst kurze Zeit hier leben, dürften „nicht so weit das Maul aufreissen!“ War das nicht in gewisser Weise die gleiche Arroganz oder auch Ignoranz, welche die BI nun in gewisser Weise seitens des Gemeinderats erfährt? So von wegen, wir sagen wo es lang geht und sonst keiner?
Das ist nicht meine Wortwahl! Wenn ich so sein sollte, wäre mir meine Reisemonteur-Zeit mit Sicherheit sehr schwer gefallen. Ich habe mich überall, wo ich auch war, in die dortigen Verhältnisse eingefügt.

Sie machen auch keinen Unterschied zwischen Einheimischen und Reingeschmeckten? Wer hier wohnt, kann auch mitreden?
Absolut! Wer vernünftige Ideen hat und mitzieht, der kann auch mitreden.

Ist da nicht die Frage, wer die Richtung bestimmt? Nicht jeder kann und möchte z.B. in die jetzige Richtung der hiesigen Orts-Politik mitziehen.
Nun mitziehen, heisst nicht unterordnen.

Wie geht`s anders?
Vormachen wie es anders geht. Also beweisen, wie es anders besser ist.

8. Therme schliessen oder nicht?
In gar keinem Fall!

9. Warum hat das mit dem REWE-Einkaufsmarkt so lange gedauert?
Da hat der Gemeinderat keinen Einfluss darauf gehabt. Die Stadt verfügt über kein Gelände, welches sie entsprechend hätte anbieten können. Man hätte vielleicht einen Teil der Schweizer Wiese dazu nutzen können – aber dennoch braucht man zu allem eine Verwaltung, die mit einem Investor sprechen kann und ihn überhaupt auch erst einmal anhört. Wenn ich einen solchen nicht anhöre und diesem auch keine Vorschläge machen will, dann geht es nicht.

Wenn eine solche Kommunikation nicht entsteht, ist dann nicht doch der Gemeinderat gefragt?
Nein, die Pflicht eines Gemeinderates kann nicht sein, einen Investor zu bringen.

Aber der Gemeinderat kontrolliert die Verwaltung, oder?
Absolut! Wenn ich aber einen Bürgermeister habe, der kundtut, dass wir in Herrenalb überhaupt kein Gewerbe brauchen und auch keine Gewerbesteuer, dann funktioniert das nicht. Wenn der Bürgermeister die Aussage macht, dass die Stadt besser aus dem Ausgleichstopf lebt als aus der Eigenständigkeit…

Denken Sie da noch an den Bürgermeister Renz?
Nein, schon an den Herrn Traub. Das war mit ausschlaggebend, dass die Kreisreform 1973 geplatzt ist, also einzig und allein auf Herrn Traub zurückzuführen.

Und auf Herrn Lörcher?
Nix, nur Traub, die anderen waren Mitläufer.

10. Wie kam jetzt die Idee des Landkreiswechsels zustande?
Das fing an mit Herrn Mohr, noch als Stadtrat, mit mir und mit Herrn Scheeder. Wir waren auch miteinander Stadtrat. Plus Willy Stockburger, auch Stadtrat, auch gleich alt. Plus Walter Holz, leider verstorben. Die Umkreisung hatte uns alle immer wieder beschäftigt.

So ist also die Idee entstanden?
Das Alte, was uns damals zwecks Mitbestimmung entzogen wurde, diese Kreisreform. Es war seinerzeit die Aufgabe von Dr. Vetter, beschäftigt im Regierungspräsidium Karlsruhe, das Hintere Albtal als Ganzes zu planen, Marxzell, Schielberg, Burbach, Herrenalb, Frauenalb, Rotensol, Neusatz, Dobel, Loffenau. Für Loffenau gab es die einzigste vernünftige Möglichkeit, sich geografisch und wirtschaftlich dem Kreis Rastatt anzuschliessen. Dies trifft natürlich auch für Moosbronn zu.

Erst unlängst fragte ich den Bürgermeister Steigerwald von Loffenau, ob er nach dem Landkreis Calw Heimweh hätte. Nein, um gotteswillen nicht, er könne heute noch nicht verstehen, warum der damalige Bürgermeister Traub unbedingt beim Kreis Calw bleiben wollte.

Nur, wissen Sie, warum der unbedingt wollte, dass Herrenalb dort bleibt? Der Herr Traub war ein Streber, auch ein Bekannter zu Lothar Späth. Tübinger Kreis, der noch lebende ehemalige Dobler Bürgermeister Westerberger gehört auch dazu, dann der damalige Landrat Pfeiffer – die zusammen wollten ihr eigenes Süpple kochen. Was vielleicht legitim war. Sie müssen wissen, dass ein badischer Bürgermeister – und das wäre ja so geworden – keine Berechtigung hatte, einen Kaufvertrag zu beurkunden und auch keinen Grundbucheintrag zu machen. Ein württembergischer Bürgermeister konnte das damals tun und sich vergüten lassen.

Die Idee kam also von Herrn Mohr und von mir. Warum hatten wir uns das gefallen lassen!

Das hatte also rumort, keine Ruhe gelassen?
Ja, natürlich. Wir waren damals jung, hatten unseren eigenen Betrieb, Verantwortung für Mitarbeiter und Familie und so naturgemäss keine Zeit, um uns um Politik zu kümmern.

In der Zwischenzeit waren wir aber als Stadtrat dennoch nicht ganz untätig Richtung Karlsruhe. Wir hatten zum Beispiel den Abwasserzweckverband mitgenehmigt, auch was alles schulisch Richtung Albtal geht. Herrenalb hängt wirtschaftlich am Tropf des Grossraums Karlsruhe.

11. Warum ist Bürgermeister Mai von der Fahne gegangen?
Herr Mai hat sich umdrehen lassen. Wenn Sie einen Landrat haben, der als Fürsprecher auftritt, ist das einfach besser. Verstehen kann ich ihn nicht, zumal er selbst 2014, einschliesslich Gemeinderat, verkündete, Herrenalb gehöre wirtschaftlich eindeutig zum Landkreis Karlsruhe.

12. Wer sind die politischen Verbündeten im Landkreis Karlsruhe?
Das sind die ehemaligen Landtagsabgeordneten. Bevor ich mit Herrn Mohr an diese Überlegung Bürgerinitiative ging, sicherte ich mich bei einer Anwaltskanzlei entsprechend rechtlich ab, der Schriftwechsel ist vorhanden.

Dann unterhielt ich mich mit Landtagsabgeordneten, die ich persönlich kannte, allesamt vom Landkreis Karlsruhe. Bevor ich weiterhin irgendetwas machte, sprach ich mit Herrn Dr. Schnaudigel. Dieser sagte zu mir, was anderes hätte überhaupt gar keinen Wert, Herrenalb gehöre zu Karlsruhe. Aber sollte ihn jemand fragen, hätte er das nie gesagt. Punkt.

Weiterhin befragte ich Herrn Dr. Vetter, der ebenfalls positiv reagierte.

13. Imposante Riege: Knirsch, Mohr, Bumb, Wetzel und Höppner. Nur, wo blieben die Unterstützer aus der Wirtschaft, aus der Politik?
Im Kreis Calw habe ich sehr viele grosse Kunden meiner Firma, in Nagold, in Altensteig usw. Die fragte ich alle, was sie machen, wenn z.B. der Kreis Calw aufgelöst würde. Die Nagolder antworteten, macht uns gar nichts aus, dann gehen wir nach Tübingen, da gehören wir sowieso hin. Ähnlich waren die Antworten in Altensteig, die sich nach Freudenstadt orientieren.

Das alles zusammengenommen sagte mir, die Umkreisung zu erreichen ist schwer, aber machbar.

Im Nachhinein bin ich mir natürlich sicher, dass wir zu wenig gemacht haben. Aus der Rückschau gesehen hätte man die Wahl weiter hinausschieben sollen, um noch mehr Stimmen zu bekommen.

Sehr erstaunt war ich allerdings über die Herrenalber Unternehmer, die absolut dagegen gestimmt hatten, aber alle in Richtung Karlsruhe ihren Aufträgen nachgehen.

Dafür erhielt ich nach der Wahlentscheidung nicht wenige Gratulationen von Bürgermeistern und Abgeordneten aus dem Landkreis Karlsruhe.

Nur nebenbei: Wir hatten, bevor wir loslegten, auch das Gespräch mit Herrn Blenke gesucht. Wir wurden lange vertröstet, erhielten dann die Zusage, führten dieses Gespräch und brachen es dann aber ab. Es war sinnlos.

14. Hat die BI, haben Sie nie über ein externes Gutachten eines Kommunal- oder Verfassungsrechtlers zum Öffentlichen Wohl nachgedacht?
Über diese Begriffsbestimmung hatten wir sehr wohl nachgedacht und diskutiert und keine vernünftige Antwort gefunden. Ein Gutachten nahmen wir dann aber nicht ins Visier, weil so ein Gutachten auch richtiges Geld kosten würde. Was glauben Sie, was so ein Gutachten kostet?

Wahrscheinlich so zehntausend Euro?
Wir führten diverse Gespräche und dabei kamen bis zu 100.000 Euro zustande.

Das war es Ihnen dann persönlich nicht wert?
Weil ich erstens von keinem Gutachten was halte… aber bei der nächsten Umkreisung würde ich es doch machen….

Sorry, aber lassen Sie uns bitte einmal zusammenfassen. Wir haben jetzt nichts anderes als Stellungnahmen, vom Landkreis Karlsruhe, vom Landkreis Calw und von der Stadt. Könnte nicht so ein Gutachten gerade jetzt hilfreich sein? Viele Landtagsabgeordneten wissen gar nicht genau um was es geht und sollen nun entscheiden, was das Öffentliche Wohl ist.
Wir haben alle Fraktionen des Landtages angeschrieben, mit unseren Erklärungen und was uns antreibt. Wissen Sie eigentlich wie das geht? Woher wissen Sie, dass sich da jeder Abgeordnete Gedanken machen muss? Waren Sie noch z.B. noch nie auf einer Kreisratsitzung? Gehen Sie da mal hin, dann lernen Sie es. Da gibt es einen Ausschuss, das sind fünf Mann, die sagen, das machen wir nicht – und dann wird den Mitgliedern im Landtag empfohlen abzulehnen.

Ja sicher, aber doch nur weil im Prinzip keiner genau weiss, wie das Öffentliche Wohl zu fassen ist, also verlässt man sich auf die Empfehlung, ohne es besser oder richtig zu wissen. Es ist bis dato in diesem Zusammenhang nicht festgelegt, was dieses Öffentliche Wohl ausmacht.
Da haben Sie recht. Doch verstehen Sie bitte auch meine Situation. Oder von Herrn Mohr oder Herrn Bumb. Wir sind alle drei Geschäftsleute und haben von der Politik wenig Ahnung. Kenne auch niemand im Verwandten- oder Freundeskreis, der mir das erklären kann.

Aber das ist doch genau der Punkt. Sie und einige andere gehören nicht gerade zu den Ärmsten, könnte man nicht eben gerade deswegen „ein Stück Geld in die Hand nehmen“, um solch ein Gutachten in Auftrag zu geben? Wenn es jetzt einen Kommunalrechtler gäbe, der das Öffentliche Wohl genau definierte, dann könnte keiner, auch kein Abgeordneter, einfach sagen, das sei Unsinn, oder?

Absolut nicht. Dieser Gedanke plagt uns jetzt doch auch schon eine ganze Zeit. Wie kommen wir aber an so ein Gutachten heran?

15. Wäre es insofern nicht zusätzlich denkenswert, dass der Landtag von selbst auf die Idee kommt, ein solches Gutachten in Auftrag zu geben? Schliesslich, wie schon festgestellt, sind die Abgeordneten dahingehend auch alle Laien.
Ja richtig. Wir waren bei Prof. Vogt von der KIT vom Institut für Regionalwissenschaft, der uns gut beraten hat und auch hinter uns steht – und schon lange für eine Umkreisung wirbt.

16. Von aussen gewann man den Eindruck, die BI sucht immer wieder den Schulterschluss mit dem Bürgermeister. Aus Fairness?
Ist einzig und allein auf unsere Fairness zurückzuführen. Vier von uns sind Ex-Stadträte und wir hatten uns vorgenommen, nicht die Axt im Walde zu sein.

17. Was halten Sie von der Haltung des Bürgermeisters in Sachen Stellungnahme? War dieser fair zu Ihnen.
Absolut nicht.

18. Hatte man die Macht der regionalen CDU-Granden in Sachen Landkreiswechsel unterschätzt?
Ehrlich, dass es so „schlimm“ kommt, damit hatte ich nicht gerechnet. Ja, die haben sich weit aus dem Fenster gelehnt.

19. Wie ist Ihr Kontakt zu den Freien Wählern in Herrenalb? Sie selbst waren 25 Jahre lang Freier Wähler.
Null! Minus!

20. Wen von den jetzigen Gemeinderäten schätzen Sie? Sie können auch alle nennen… und sogar mit Namen.
Oder auch keinen. Mit Bestimmtheit nenne ich keinen Namen.

21. Auf den Punkt gebracht. Wie schätzen Sie die Lage zum Kreiswechsel derzeit ein?
Nach wie vor optimistisch!

22. Erleben wir nicht gerade eine Wiederholung von 1973? Nur mit anderen Vorzeichen?
Die Anzeichen dazu sind da, dass ausschliesslich persönliche Gedanken Priorität haben.

23. 2019 sind Kommunalwahlen, also Gemeinderatswahl? Hoffnung auf Neubeginn?
Wenig.

24. Die zweite Amtszeit von Bürgermeister Mai geht zu Ende? Hoffnung auf Neubeginn?
Genauso wenig. Wenn es jetzt mit der Umkreisung nicht klappt, können aber wenigstens unsere Nachfolger sagen, hallo, da war schon mal was, wir fangen das noch einmal an und so leicht geht es dann ggf. mit einer Ablehnung nicht mehr…

25. Die Kurpromenadensanierung sollte schon vor 8 Jahren durchgeführt sein, wurde regelrecht verschlafen und läuft jetzt nur zufällig mit der Gartenschau einher. Wussten Sie das?
Natürlich wusste ich das. Wir hätten die Stadtsanierung auch ohne Gartenschau gekriegt.

26. Wie sehen Sie heute den Nationalpark im Schwarzwald?
Unnötig. Doch wenn ich jetzt unnötig sagte, ist das ein bisschen falsch. Wir haben so viele Naturschutzgebiete im Albtal und hier generell im Raum, die Sie sicherlich nicht alle kennen. Wenn man die mit dem vielen Geld, was dort kaputt gemacht wird, entsprechend pflegen würde, wäre das viel vernünftiger.

27. Fast jeder durchläuft im Leben verschiedene Stationen. Tiefs und Hochs. Möchten Sie uns jeweils eine solche Erfahrung erzählen?
Wenn Sie das so fragen, dann war für mich das Tief die Produktions-Einstellung von Krupp. Mich selbständig zu machen, war vorher nie die Überlegung. Da gehört sehr viel Geld und auch Mut dazu. Und Familienrückhalt.

Ich habe als junger Mensch auch gelernt, wer Nein sagt, muss es begründen. Wer Nein sagt und das nicht begründen kann, da gilt ein Nein nicht.

Und Hoch? Das ist meine ständige Freude am eigenen Betrieb.

28. Ich nenne Ihnen jetzt drei Namen und Sie benennen zu diesen bitte eine Eigenschaft, die Ihnen gerade einfällt.
Thomas Blenke?
Politiker ohne Stil.
Erwin Vetter?

Politiker mit Stil.
Christian Romoser?

Ein Handwerker mit Wasserschlauch-Charakter. Sie können auch den „Wasserschlauch“ weglassen und dafür Schlangen-Charakter schreiben.

29. Noch nicht ganz der Endspurt, aber fast: Die Gartenschau, das Grünprojekt. Wie ist Ihre Sicht auf die Zeit danach. Ende dieses Jahres, Blick auf 2018?
Ich war bei der Genehmigung im Gemeinderat dabei.

Bevor ich zugestimmt habe, fuhr ich mit meiner Frau nach Essen, um mir im Grugapark anzuschauen, was aus der Zeit, der dortigen Buga 1965, noch erkennbar ist. Ich stellte fest, dass noch viel erkennbar ist. Mir wurde klar, es wird anschliessend eine Frage der Pflege und eine Frage der Mitwirkung der Bürger sein.

Aber hier wurde doch aus einem alten Kurpark nur ein neuer Kurpark. Die Renaturierung der Alb hätte da vollauf gereicht, oder nicht?
Renaturierung, war das notwendig? Sie kennen die Hochwässer nicht, die ich in der Stadt schon erlebt habe. Die Milchhandung Kessler-Kull, da hatte der Vater davor Milchkannen stehen – die fand er alle zwei Jahre auf der Försterwiese wieder.

Wer es nicht weiss, die Försterwiese, das ist die Wiese unterhalb der Polizei im jetzigen Kurpark vor dem Kanal. Den Kreisel gab es noch nicht, nur eine einfache Brücke, aber da war das Wasser immer oben drüber…

30. Zum Schluss dieses Interviews hat man immer drei Wünsche frei. Was sind Ihre Wünsche?
Der Hauptwunsch ist natürlich, dass die Umkreisung zustande kommt. Und auch Dobel ginge idealerweise mit nach Karlsruhe – was aber nicht sein muss!

Unmögliches Unterfangen!
Wunsch ist Wunsch! Förderlich wäre es, wenn der Bürgermeister von Dobel als Nachfolger dieser Grossgemeinde aus Herrenalb und Dobel schon in die Startlöcher gehen würde.
Wunsch Nummer Zwei wäre, die Gartenschau entwickle irgendwie Nachhaltigkeit, also - es würde was „übrig“ bleiben.
Der dritte Wunsch wäre eine Gemeinschaftsschule in Herrenalb.

Sehr geehrter Herr Knirsch, wir danken Ihnen für das Gespräch.