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mit Herrn Andreas Kubesch
und Herrn Johannes Schwarz


(8.11.2016) Eine Interview-Reihe mit Bad Herrenalb im Fokus. Eine Stadt im Entwicklungsnotstand. Eine kleine Stadt mit Turbulenzen, die sie weit über die Region hinaus bekannt machten. Eine Stadt mit hohen Schulden. Eine Stadt, der ohne Vision und Konzept der finanzielle Kollaps droht.
     Aber auch eine Stadt mit der Weltmarke „Schwarzwald“. Mit reichem Natur-Potenzial und einer liebenswerten Bürgerschaft. Mit vielen jungen und älteren Menschen. Mit Zuneigung von vielen Seiten. Bleibt also die Frage, wie geht es weiter?
    Wir danken diesmal Herrn Johannes Schwarz und Herrn Andreas Kubesch vom Bündnis90/Die Grünen für die Bereitschaft, dem Herrenalbforum Frage und Antwort zu stehen. Das ist nicht selbstverständlich. Es zeigt Zivilcourage und auch Sympathie zu unserem Herrenalb.
  
Herr Schwarz (S) ist Fraktionsvorsitzender im Calwer Kreistag und Herr Kubesch (K) Kreisvorsitzender.


30 Fragen, 30 Antworten:

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1. Sie beide sind Frontmänner der Grünen im Landkreis Calw. Sie Herr Schwarz, freiberuflicher Architekt mit Schwerpunkt Altbausanierung, sind das schon länger und der Fraktionvorsitzende. An der grünen Handschrift im Kreis Calw sind Sie nicht ganz unbeteiligt. Warum weiss man in Herrenalb dennoch so wenig von Ihnen?

Zunächst einmal ist die Kreispolitik die Politik, die am wenigsten öffentliches Interesse weckt. Da ist die Gemeinderatspolitik sogar noch ein wenig interessanter. Ich sehe es einfach an der Sitzungsbeteiligung, da ist kaum einer, es sei denn es geht um ein spezielles Thema. Deswegen ist man auch als Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag nicht so präsent. Bekannt bei Ihnen in Herrenalb also weniger, hier in Calw natürlich mehr, andererseits zum Beispiel in Altensteig wieder weniger.

Die Verbindung zu Bad Herrenalb in der Kreistagsfraktion ist aber immer sehr nah, weil wir in allen Perioden, zumindest während der letzten 15 Jahre immer einen grünen Kreisrat aus Bad Herrenalb hatten, eben den Michael Theis und jetzt den Manfred Senk. Es war immer eine gute Verbindung. Herrenalb ist eine grüne Hochburg was die Wahlergebnisse anbelangt.


2. Herr Kubesch, von Beruf eigentlich Diplom-Forstwirt, seit April Kreisvorsitzender, und jetzt sogar der nächste Bundestagskandidat. Also mit einer Agenda, die zu lesen Bewunderung und Erstaunen gleichzeitig hervorruft. Müssen wir uns da auf was gefasst machen? Wollen Sie auch ab 2030 die Benzin- und Diesel-Autos verbieten?

Erst einmal muss man das Angebot schaffen. Dabei geht es um Alternativen. Ich persönlich halte auch viel vom Wasserstoff. Das ist eine technologische Frage. Aus meiner Sicht ist nicht abschliessend geklärt, ob eher der Strom oder der Wasserstoff oder beide als Energieträger letztendlich das Rennen machen werden.

Das Ziel ist klar, wir wollen natürlich regenerative Energien voranbringen, auch im Automobilverkehr. Ich hätte es jetzt nicht so formuliert, wir verbieten die konventionellen Autos. Der Weg ist aus meiner Sicht, dahin zu kommen.

3. Landrat Riegger sagte kürzlich, ob württembergisch oder badisch oder schwäbisch, das sei so was von unwichtig geworden. Hauptsache Europa. Teilen Sie beide diese Einschätzung ?

(K) Ja.

(S) Ich würde es gerne ein bisschen differenzieren. Dass Europa ganz entscheidend ist und eine neue Basis aus der Bevölkerung herauskommen muss, das steht unbestritten da, deswegen darf aber trotzdem die regionale Identität bleiben. Ich bin mir meiner württembergischen Wurzeln bewusst.

Ich habe es in meiner Rede in Herrenalb
(Im Kreistag. Die Red.)
gesagt, dass Hechingen jahrhundertelang in den mittelalterlichen Besitztumsverhältnissen Teil des Klosters Herrenalbs war. Das ist ein Zeichen dafür, dass Herrenalb eben auch ein altes württembergisches Land ist. Dass dies aber in der Landkreisfrage und im gesamten politischen Zusammenhang keine Rolle mehr spielt, hier würde ich dem Landrat zustimmen.

4. Bundestagskandidat Herr Kubesch: Als Normalbürger meint man, die Grünen müssten immer noch eins draufsetzen und wollten den Bürger nicht zur Ruhe kommen lassen. Herr Untersteller liess sich kürzlich vernehmen, die Leute hingen leider an ihren Ölheizungen und die Brennstoffpreise seien zu niedrig. Hat so jemand noch Bodenhaftung?

(K) Ja. Wenn einer Bodenhaftung hat, dann ist es der Franz Untersteller, das wissen wir, den kennen wir selber sehr gut, der kommt aus der Praxis. Der weiss, was er tut als Politiker. Wir haben jetzt das Problem, dass Öl nur noch rund die Hälfte kostet wie vor zwei Jahren. Das hemmt die Energiewende, ganz klar. Es lohnt sich vielmals nicht mehr, wenn die Leute bei jeder Hausdämmung oder Sanierung verkürzt rechnen, Energiesparen lohnt sich nicht.

Das ist ein Problem, wenn der Energieträger so billig ist. Das genau erleben wir jetzt gerade. Umgekehrt wissen wir, als der Ölpreis viel höher war, ist die Wirtschaft auch nicht zusammengebrochen. Es kam ja nicht zu Erfrierungen, weil sich die Leute die Heizung nicht mehr leisten konnten. Es hatte also bei höheren Preisen trotzdem alles funktioniert. Da war der Druck zum Energiesparen deutlich höher.

Was eine Ölheizung kostet, wissen Sie? Und die zu ersetzen ist auch nicht billig?

(K) Jeder Schwabe weiss, das Leben ist schön, aber teuer.

Also Leute, schafft endlich eure Ölheizung ab, kauft euch eine neue. So kommt´s rüber.

(K) Ich bin ein Holz-Fan, aber es kann Gas sein, Therme, Brennwert, kann natürlich Wärmepumpe sein. Es sollten einfach unwirtschaftliche Heizungen durch den Stand der Technik ersetzt werden.

(S) Kurze Ergänzung: Seit rotgrüner Bundesregierung gibt es starke Zuschüsse. Rein betriebswirtschaftlich ist es unsinnig nochmals in eine Ölheizung zu investieren.

5. Ist für Sie nach einer Wahl Mehrheit gleich Mehrheit? Oder unterscheiden Sie ebenfalls wie manche in der CDU in bezug auf den Herrenalber Bürgerentscheid zwischen guter und schlechter Mehrheit?

(S) Man kann es nicht als völlig abwegig empfinden, wenn Herrenalb nach Karlsruhe will. Ich hatte in meiner Rede im Kreistag davon gesprochen, Euch im Kreis halten zu wollen.

Es gibt jetzt die Signale von der Landesregierung, dass man dem Antrag nicht zustimmt, so hat sich der Blenke zumindest als Regierungsfraktionsmitglied geäussert. Ich finde es immer noch nicht zu spät, um Herrenalb zu werben.

6. Was würde Ihrer Meinung nach dem Landkreis Calw passieren, wenn Herrenalb nach Karlsruhe wechselt? Befürchtet man damit den beginnenden Tod des Kreises?

(K) Sterben tut man nicht so leicht. Das mal vorneweg. Es wirft sehr grundsätzliche Fragen auf. Wenn man anfängt an einem Landkreis herumzubasteln, könnten natürlich Leute in Ostelsheim oder woanders auf die Idee kommen, in Böblingen sei es auch sehr schön. Das kann man dann landesweit treiben. Man könnte natürlich die ganzen Landkreise umbasteln, straffen, vergrössern. Also ist die Frage, will man das grundsätzlich angehen? Verwaltungsstrukturreform usw. Wenn man jetzt im Kleinen anfängt, irgendeinen Ort herauszulösen, sehe ich nicht, welche Probleme da gelöst werden.

Aber es ist doch Eure (grüne) Politik des Gehörtwerdens. Damals bei der Kreisreform wurde niemand gefragt…

(S) Zu Ihrer Frage, was passiert dem Landkreis Calw. Zuerst einmal nichts. Aber er wird geschwächt. Insbesondere weil er sowieso schon relativ klein ist und weil vor allem im westlichen Teil der Tourismus ein entscheidender Faktor ist. Herrenalb ist da ein Hauptakteur, die Gemeinde mit den höchstens Übernachtungszahlen, auch heute noch. Das wäre also die Schwächung. Man kann da unterschiedlicher Meinung sein.

7. Ein Pforzheimer Chefarzt sagte dem Herrenalbforum: Mit einem Ja zum Landkreis Karlsruhe würden die Herrenalber nur dokumentieren, was sie seit Jahrzehnten leben. Schule, Arbeit, Freunde, Verwandte, Kultur, Sport. Gilt Zugehörigkeitsgefühl nichts mehr?

Das ist schon nachvollziehbar. Aber knapp die Hälfte denkt offensichtlich doch anders.

8. Bürgermeister Mai startete vor 13 Jahren mit 6 Millionen Schulden, nach der Gartenschau bewegt sich Herrenalb auf 30 Millionen zu – und der herrliche Park Schweizer Wiese soll deshalb als Bauland versilbert werden. Gut so?

(S) Da habe ich mich im Detail noch nicht befasst. Ich kann mir schon vorstellen, dass es Sinn macht, einen Teil davon zu bebauen, bevor man in der Peripherie immer neue Baugebiete ausweist.

9. Calw tendiert stark nach Stuttgart. Ein Beispiel die Hesse-Bahn, die wir Herrenalber übrigens mitfinanzieren ohne je damit fahren zu werden. Was sind die Gründe für den Zug nach Stuttgart?

(K) Ja ist richtig. Es sind 35 Kilometer. Nach Weil der Stadt – dann mit der S-Bahn. Wir leben am Rande der Metropol-Region Stuttgart. Keine Frage.

(S) Ich bin in Gechingen aufgewachsen. Jeder zweite hatte da sein Geld bei Daimler oder IBM verdient. Früher hatten, Beispiel, alle in der gleichen Schicht geschafft, damit man in jeder zweiten Woche dann den gemeinsamen Freizeitaktivitäten nachgehen konnte. Das war sehr prägend. Interessanterweise gab es aber nie die Überlegung, deswegen den Kreis nach Böblingen zu wechseln.

Wir haben im Gegensatz zu Herrenalb das Problem, dass wir nicht zum Verkehrsverbund des VVS-Gebietes gehören. Die Hesse-Bahn wäre die direkte Anbindung nach Stuttgart.

10. Wieviel Bundesminister haben wir? Nennen Sie bitte jeder mindestens 5 beim Namen.

(Beide fanden mindestens fünf).

11. Warum haben wir keine echten Bündnis90/Die Grünen bei uns? Im Programm der GL Herrenalb verweist man auf Unabhängigkeit. Das Wort Bündnis90/Die Grünen findet man nirgends.

(K) Weil Sie das nicht sind. Da müsste man jetzt auch die Leute in Bad Herrenalb fragen. Ich würde mir natürlich als Kreisvorsitzender wünschen, dass die alle Mitglieder wären und auch mehr in den Kreis zu unseren Kreisveranstaltungen kommen täten. Da ist natürlich die Fläche überall ein Problem.

12. In Herrenalb fehlt mittlerweile die grüne Handschrift. Einer der grössten Befürworter von Nichtöffentlichen Sitzungen in Herrenalb ist Michael Theis. Er war auch der eifrigste Anhänger des Betonwerks Badeparadies auf der Schweizer Wiese.   Jetzt haben wir nur noch zwei von dreien. Michael Theis selbst kam nur durch ein Ausgleichsmandat (Teilortswahl) wieder hinein. Eigentlich hätten wir nur noch einen „grünen“ Gemeinderat. Erklärung?

(K) Es steht uns nicht zu, irgendwelchen Abgeordneten in Herrenalb zu sagen, wie die ihre Entscheidungen zu treffen haben. Dass die Grünen auf dem Vormarsch sind, ist insgesamt richtig, aber das ist ja nie einfach nur eine gerade Linie. Wir sind bei der letzten Bundestagswahl insgesamt verprügelt worden, nachdem wir im Landtag davor das beste Ergebnis aller Zeiten hatten. Da wird es immer ein Auf und Ab geben.

(S) Bei der Landtagswahl gewannen wir auch in Herrenalb dazu. Für mich gilt also immer noch, Herrenalb ist eine grüne Hochburg. Ich habe Michael Theis in 10 Jahren als kompetent und sachlich erlebt oder in 5 Jahren, jetzt muss ich gerade aufpassen…, ich glaube, er ist 2009 dazu gekommen.

Die Gemeinderatswahl 2014 stand bestimmt ganz besonders unter dem „Stern“ Schweizer Wiese.

13. Haben Sie, Herr Schwarz, als Kreisrat ebenso wie unsere Herrenalber zwei Kreisräte auch gerade dafür gestimmt, dass die Schülermonatskarten-Mehrkosten die Eltern neuerdings allein tragen? Wie ist Ihre Einstellung?

(S) Der Halbteilungsgrundsatz, den wir in den letzten Jahren auch praktiziert haben. Es ist meistens so, dass SPD und Grünen hierbei auf einer Seite kämpfen. Ich bin von Eltern bislang nicht gross angesprochen worden. Wir haben jedes Jahr diese Steigerung und mildern diese eben ab durch den Halbteilungsgrundsatz.

Man müsste grundsätzlich überlegen, ob die Entfernungsdifferenzierung noch Sinn macht, nachdem wir im vergangenen Jahr beschlossen haben, dass jede Schülermonatskarte ab 12 Uhr und am Wochenende und in den Ferien zur netzweiten Fahrkarte wird. Das wäre ja ein grösseres Angebot. Man sollte vielleicht auch überdenken, ob man nicht eine einkommensabhängige Differenzierung macht. In dieser speziellen Frage war Rot-Grün gegen den Beschluss, aber eben in der Minderheit.


14. Jede Reform ist, das haben wir mit der Gesundheitsreform, mit Hartz IV etc. festzustellen, irgendwann nachbesserungsbedürftig. Das ist normal und richtig so, warum aber solch ein Widerstand, wenn es um die Kreisreform von 1973 geht? Bald 50 Jahre her.

(S) Bei der Gebietsreform ist es so, ja, es wird irgendwann mal wieder eine geben. Das ist ein Riesenkraftaufwand. Dass die Landesregierung drin stehen hat, es gäbe keine Gebietsveränderungen, ist ja nicht wegen Herrenalb. Der Satz stand 5 Jahre vorher, bei Grün-Rot nicht drin, weil es keinen Anlass dazu gab. Der jetzige Anlass ist die Stadt Reutlingen gewesen, die das beantragt haben.

(S) Eine entsprechende Veränderung wäre ein Riesenschritt, administrativ auf allen Ebenen. Ich kann nachvollziehen, dass man auf Landesebene sagt, diese Einzelaktionen unterstützen wir nicht. Aber vielleicht ist es ein Anlass in der nächsten Wahlperiode das Thema Kreisreform anzupacken. Rot-Grün, Grün-Rot hatte da ja schon ein Konzept gehabt. Die CDU wollte uns immer wahlkampfmässig aufdrängen, wir würden alle Kreise auflösen wollen. Also ganz abwegig sind die Gedanken ja nicht, man müsste es nur am Stück machen.

15. Was verstehen Sie unter Koalitionsvertrag. Ein Festzurren von Zielen um jeden Preis oder eine Absichtserklärung zu Rahmenbedingungen zwischen Partnern?

(S) Die Herrenalber brauchen jetzt eben Geduld mit ihrem Antrag.

(K) Ich bin froh, dass wir diesen Koalitionsvertrag überhaupt hingekriegt haben. Es ging ja Wochen und Monate, es war nicht lustig. Es wurde bis zum letzten Tag, bis zur letzten Stunde noch verhandelt. Knackpunkt war das Landwirtschaftsministerium, wo es wirklich nochmals darum ging, gibt es diese Koalition oder nicht. Das hat sich am letzten Tag, morgens um 10 entschieden. Gut, weil alle völlig erschöpft waren, kriegt also die CDU das Landwirtschaftsministerium. Damit haben wir den Hauk wieder bekommen. Ja, das hat sich von uns keiner gewünscht. Aber das gilt jetzt mal für die nächsten 5 Jahre. Ich bin jedenfalls froh, dass es überhaupt so weit gekommen ist.

16. Existieren momentan zwei grüne Parteien in Deutschland? Pragmatiker wie Kretschmann und Träumer wie Göring-Eckardt? Beispiel: Das Zurückbringen von geretteten Mittelmeer-Flüchtlingen, Thema Maghreb-Flüchtlinge. Die grüne Bundes-Frontfrau ist jedesmal empört. Sollen wir alle aufnehmen? Egal woher?

(K) Die Frage nach den zwei Parteien, das gab´s schon immer, seit es die Grünen gibt. Es sind nun mal die Fundis und die Realos. Das hat sich so entwickelt und in der Praxis rauft man sich dann doch meistens wieder zusammen. Es wird in der Diskussion überstilisiert, was sollen die Presseleute sonst auch schreiben.

Es ist nicht einfach. Wir haben Flügel in der Partei. Aber nicht nur streng links oder rechts, Fundis oder Realos, sondern bei jeder einzelnen Sachfrage. Wie bei anderen Parteien aber auch.

(S) ich bin sicherlich der bürgerliche Typ, bin aber trotzdem froh über diese Flügel, weil die Diskussion immer wieder wichtig ist. Wir dürfen auch keine Partei werden, die nur noch pragmatisch handelt. Es ist schon wichtig, dass immer wieder welche da sind, die sagen, Leute, wir haben eine grosse Linie. Wir haben einen Klimawandel und da ist die Zeit eher zu spät. Wir haben ein grosses Problem zwischen arm und reich. Wenn die Grünen in Berlin überhaupt bemerkbar werden sollen, müssen sie natürlich auch Kritikpunkte bei der Bundesregierung suchen. Der Kretschmann hat eine ganz andere Rolle, der muss regieren.

17. Wenn Herrenalb nicht der vergessene Zipfel der Calwer Politik ist, warum hat man seitens der Calwer Kommunalaufsicht und des Kreisrates so lange dem Schuldenturm „Siebentäler Therme“ mit jährlich 1 Million Abmangel zugesehen?

(S) Das ist ausdrücklich nicht die Kompetenz des Kreistages. In dem Fall handelt der Landrat als Kommunalaufsicht, als Untere Verwaltungsbehörde. Ich kann mich erinnern, dass Bad Wildbad mal vor 10, 15 Jahren an die Kandare genommen wurde. Dass es in Herrenalb so schlecht steht, ist mir nicht bekannt.

(K) Will die Stadt Kurstadt sein, dann muss sie auch bereit sein, den Abmangel zu tragen oder muss die Hütte zumachen.

(S) Da gibt es klare Kriterien, wann die Kommunalaufsicht eingreifen muss. Aber das hat nicht der Kreistag zu entscheiden.

18. Die jetzige Herrenalber BI (Ex-Gemeinderäte, Hotelier, Touristik-Chef u.a.) begann 2014 mit der Wechsel-Zusage vom Bürgermeister und Gemeinderat einschliesslich dem Grüne Liste-Gemeinderat Michael Theis. Im Verlauf der jetzigen Auseinandersetzung warf dieser den Männern von der BI öffentlich vor, 95 Prozent ihrer Aussagen für einen Wechsel stimmten nicht. Geht man so miteinander um?

(K) Weiss nicht, war nicht dabei. Habe nur von der Dehoga gelesen, dass es eine Katastrophe wäre, wenn Herrenalb aus dem Kreis weggehen täte. Also die Gastronomie, wie ich es hier lesen konnte, ist gegen den Wechsel. Aber es liegt nicht bei uns, welcher Gastronom oder welcher Herr Theis hier was sagen muss.

19. Zählen Sie bitte drei Argumente auf, die eindeutig dafür sprechen, weswegen Herrenalb im Landkreis Calw verbleiben sollte.

(K) Mir fällt eines ein: Ich kann nicht erkennen, was durch einen Wechsel besser werden sollte.

(S) Aber wir haben doch jetzt zu dem Landkreiswechsel genug gesagt und ich sage nochmals, wenn Sie bei der Kreistagssitzung in Herrenalb dabei gewesen wären, hätten Sie gehört, was ich gesagt habe. Einwurf HF: ich sehe, es wird  jetzt bei Ihnen in Sachen Herrenalb etwas ungemütlich.

Wir haben doch zum Thema Wechsel jetzt wirklich genug gesagt. Wir können den Herrenalbern nicht vorschreiben was sie machen. Wir können nur sagen, wir wollen sie halten, was ich auch im Kreistag gesagt habe. Wieviel Fragen haben Sie denn noch? Wir sollten jetzt langsam Mittag essen.

(K) Nun, wir sprechen ja auch immer zu zweit und diskutieren noch nebenher.

20. Der Vorsitzende der Grünen Liste e.V. in Herrenalb war vor knapp drei Jahren der glühendste Verfechter des Badeparadies-Fiasko. Der gefälschte Millionen-Scheck ist auch ihm nicht aufgefallen. Die vorgestellten Pläne hätten mit einer riesigen Kuppel das offene Haupt-Tal, das Albtal, regelrecht abgeriegelt. Haben Sie das bemerkt?

(S) Haben wir nur am Rande bemerkt.



21. Das Wort „Kur“ ist mit der Gesundheitsreform 2000 gestrichen bzw. durch Reha ersetzt worden. Eine kürzliche Umfrage, wieviel Eier ein Huhn am Tag lege, ergab die erstaunliche Antwort von sogar 12 Stück. An einem Tag. Das heisst, das Alltagswissen ändert sich. Nicht so mit dem Wörtchen „Kur“ in Kurort, Kurstadt, Kurtaxe, Kurpromenade und Kurhaus. Wo leben wir?

(S) Ich bitte zurükz kommen auf politische Probleme.

22. Wer wird die Doppelspitze der Bundes-Grünen? Hat man übrigens sowohl mit Fischer wie auch mit Kretschmann nicht klar und deutlich erlebt, wie sehr sich der Wähler am liebsten auf eine Person fokussiert?

(K) Bei den Männern ist das noch völlig offen. Ich persönlich halte sehr viel von dem Robert Habeck. Der ist stellvertretender Ministerpräsident, fachlich sehr gut, im SPIEGEL wird er auch immer wieder zitiert und mit Artikeln bedacht. Ich würde es ihm jederzeit zutrauen. Aber ich wage keine Prognose. Bei Toni Hofreiter sehe ich ähnlich wie bei Kretschmann, dass der auf Bundesebene mit seiner Sprache und seinem Gestus nicht so funktioniert. Aber wir wissen im Januar mehr.

23. Landkreis Karlsruhe und Bad Herrenalb. Wüchse da nicht doch zusammen, was zusammen gehört? Sind Gefühlslagen der Bürger unwichtig? Ich erwarte hier „vorsichtshalber“ keine Antwort mehr und komme zur nächsten Frage.

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24. Was wird in Ihrer grünen Südwest-Politik zukünftig die Mitte einnehmen? Immer mehr Windkraft und immer teureren Strom?

(K) Da wurde in den letzten Monaten sehr vieles schlecht geredet. Tatsächlich ist Windstrom einer der günstigsten Ströme. Unter 10ct Kilowattstunde Entstehungskosten. Durch technische Fortentwicklung wird das eher noch günstiger werden. Es ist so Mode geworden, die Energiewende als gescheitert und als zu teuer darzustellen. Wind wird auch bei uns im Südwesten einen wichtigen Anteil haben.

Ich persönlich halte sehr viel vom Solarstrom, von der Photovoltaik. Ist im Moment aber ziemlich unter die Räder gekommen. Alles zusammen wird das Problem lösen müssen, aber bei den Kosten wird sehr viel Schindluder getrieben.
HF: Aber die Kilowattstunde wird immer teurer.
Das ist so, aber die würde auch teurer werden, wenn man neue Kohlekraftwerke bauen täte.

25. Wird der Strom irgendwann mal bezahlbarer, billiger?

(K) Mittelfristig wird es viel billiger werden. In fünf Jahren gehen die ersten grossen Solarstrom-Anlagen schon aus der Vergütung raus und stellen ihren Strom dann mit ihrem Kostenpreis zur Verfügung. In 10, 15 Jahren rechnen wir mit sehr stark rückläufigen Strompreisen, wenn nennenswerte Kraftwerkparks aus der Vergütung rausgehen.

Wir schieben im Moment diesen EEG-Berg vor uns her für das, was eben vor 10, 15 Jahren gebaut worden war. Die Idee ist ja, dass die variablen Kosten sehr, sehr stark sinken werden, denn die Sonne schickt ja bekanntlich keine Rechnung.

26. Haben Sie die Hoffnung, dass sich der Nationalpark noch vergrössert. Inzwischen hätte man sogar in Herrenalb gerne ein Eingangsportal.

(K) Das sagen jetzt manche. Hinter vorgehaltener Hand auch Wildbader. Aber das läge jetzt hier beim Landkreis, initiativ zu werden. Die Grünen waren immer dafür gewesen. Man wird jetzt beobachten müssen wie das Besucherzentrum angenommen wird. Es dauert ja viele Jahre, bis man wirklich ein Bewertung vornehmen kann. Wir gehen davon aus, dass die Zustimmung in der Bevölkerung weiter steigt.

(S) Strukturell wäre es gut, wenn der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord sich mit dem Nationalpark zusammenführen liesse.

27. Anton Hofreiter fordert gerade in Sachen Autos radikalen Kurswechsel. Kretschmann gefährde die Industrie, wenn man sie nicht zwänge auf Elektro umzusteigen.

(K) Da muss natürlich die Industrie auch selbst drauf kommen. Es ist nicht Aufgabe eines Ministerpräsidenten, dem Daimler zu erklären, wie er seine Autos zu bauen hat.

28. Wie wäre es mal mit einen bisschen Friedenspolitik im Innnern, in Sachen Gerechtigkeit, Abschaffen der Armut etc.?

(K) Gerechtigkeit ist das Leitthema unseres Bundestagswahlkampfes, sowohl nach innen wie nach aussen. Das berührt sich alles gegenseitig, und da sind wir schon treibende Kraft.

29. Gibt es bei den Bündnis90/Die Grünen auch arme Leute, so wie immer noch bei der SPD, auch bei den Linken oder bei der AfD jetzt?

(K) Ja.

30. Zum Ende des Interviews sind immer drei Wünsche frei. Was wünschen Sie dem anderen von Ihnen beiden privat? Was wünschen Sie sich für sich selbst? Und was wünschen Sie dem Zipfel?

(S) Ich wünsche Andreas Kubesch den Einzug in den Bundestag.

(K) Ich wünsche ihm mit der Familie das was man sich nur wünschen kann. Und mir den Einzug in den Bundestag.

(S) Ich wünsche Herrenalb, dass man eine gemeinsame Linie findet. Eine ehrliche Diskussion mit dem Hintergrund, die Landkreiszugehörigkeit sei nicht so von Bedeutung wie angenommen. All diese Fragen, die wir jetzt diskutierten, die sind auch so zu beantworten.


Wir danken Ihnen beiden für das Gespräch.