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mit Frau Dr. Reinwald
und Herrn Prof. Heinrich


(29.9.2016) Eine Interview-Reihe mit Bad Herrenalb im Fokus. Eine Stadt im Entwicklungsnotstand. Eine kleine Stadt mit Turbulenzen, die sie weit über die Region hinaus bekannt machten. Eine Stadt mit hohen Schulden. Eine Stadt, der ohne Vision und Konzept der finanzielle Kollaps droht.

Aber auch eine Stadt mit der Weltmarke „Schwarzwald“. Mit reichem Natur-Potenzial und einer liebenswerten Bürgerschaft. Mit vielen jungen und älteren Menschen. Mit Zuneigung von vielen Seiten. Bleibt also die Frage, wie geht es weiter?

Wir danken diesmal Frau Dr. Reinwald und Herrn Prof. Dr. Heinrich für die Bereitschaft, dem Herrenalbforum Frage und Antwort zu stehen. Das ist nicht selbstverständlich. Es zeigt Zivilcourage und auch grosse Sympathie zu unserem Herrenalb.

Frau Dr. Reinwald (R) war Lehrerin an Realschulen in Heidelberg, Bruchsal und Ettlingen, Herr Prof. Heinrich (H) u.a. Chefarzt am Klinikum Pforzheim.

30 Fragen, 30 Antworten:

........................................

Wir möchten Sie beide gerne vorweg den Lesern des Herrenalbforums vorstellen. Sie wohnen in Marxzell-Schielberg, sind Geschwister und haben zu Bad Herrenalb aus unterschiedlichen Gründen eine gewisse Beziehung.

Fünf erste Fragen der Reihe nach an jeden von Ihnen:

1. Frau Dr. Reinwald, Sie studierten Geographie und Anglistik in Freiburg, Heidelberg und Köln. Wie muss man sich Ihr Zuhause vorstellen, bis dann zum Studium?

Ich stamme aus dem Ruhrgebiet. Wir waren drei Geschwister und alle drei haben das Abitur gemacht und sind ins Studium gegangen.

2. Dann kamen die vielen Jahre als Lehrerin an Gymnasien in Heidelberg, Bruchsal und Ettlingen. Mit welcher Schule, welcher Stadt verknüpfen Sie die eindrucksvollsten Erinnerungen?

Ich war in Baden-Württemberg nicht an Gymnasien sondern an Realschulen beschäftigt. Am eindrucksvollsten war wohl die Zeit in Bruchsal, wo ich 20 Jahre tätig war.

3. Sie heirateten Hans Reinwald. Warum gerade einen Forstmann? Wo die Liebe hinfällt?

Wir haben uns im Studium in Freiburg kennen- und lieben gelernt und haben dann auch in Freiburg geheiratet.

4. Ihr Mann war 20 Jahre in leitender Forststellung in Bruchsal und dann 10 Jahre Forstdirektor in Bad Herrenalb. Gewohnt hatten Sie beide aber nie in Bad Herrenalb, warum nicht?

ln Bruchsal haben wir in der Dienstwohnung im Schloss gewohnt. ln Herrenalb hätten wir auch in die Dienstwohnung ins Forstamt ziehen können. Auf Bitten der Forstdirektion Karlsruhe haben wir sie jedoch einem Angehörigen der Forstdirektion, der dringend eine Wohnung brauchte, zur Verfügung gestellt. Wir suchten später in der Nähe einen Wohnsitz und fanden in Schielberg ein schönes Grundstück, wo wir dann gebaut haben. Mein Bruder hatte bereits einen Wohnsitz in Schielberg.

5. Ihr Sohn heisst wie der Vater auch Hans und ist inzwischen Oberbürgermeister in Leimen?

Mein Sohn ist Jurist. Er hat nach dem grossen Staatsexamen mit einem Freund eine Kanzlei in Bad-Herrenalb eröffnet. Gerichtsorte waren Calw und Tübingen.

Nach einigen Jahren hatte der Freund ein Angebot einer Kanzlei in Karlsruhe und verliess Bad Herrenalb. Mein Sohn führte zunächst die Kanzlei mit seiner späteren Ehefrau weiter, dann wurde ihm der Bürgermeisterposten in Graben-Neudof angeboten, der durch die Pensionierung des Vorgängers vakant wurde. Er hat sich beworben und wurde Bürgermeister in Graben Neudorf - 13 Jahre. Seit diesem Jahr ist er Oberbürgermeister in Leimen.

6. Herr Prof. Heinrich, Ihr Studium hatte ein anderes Ziel und zwar die Medizin. Sie stammen beide familiär aus dem Ruhrgebiet. Wie entstand bei Ihnen der Sprung ins Baden-Württembergische?

Zur damaligen Zeit gab es einige Universitäten, die bereits Numerus clausus hatten, daher habe ich mich in Freiburg und Heidelberg beworben und erhielt einen Studienplatz in Heidelberg.

7. Studienort war hauptsächlich Heidelberg?

ln Heidelberg habe ich das Studium absolviert und mein Staatsexamen abgelegt.

8. Die Stationen waren danach Praxis in Heidelberg, Chefarzt am Klinikum Pforzheim?

Nach dem Staatsexamen musste ich zunächst zwei Jahre als Medizinalassistent arbeiten. Bevor ich meine Approbation erhielt war vorgeschrieben: 6 Monate Chirurgie, 6 Monate Innere Medizin, 6 Monate Frauenheilkunde und 6 Monate frei Zeit.

Da es mein Wunsch war an den Universitätskliniken Heidelberg zu bleiben, um dort meine Facharztausbildung abzuleisten, entschloss ich mich diese zwei Jahre Medizinalassistenten-Zeit in den Universitätskliniken in Heidelberg zu absolvieren. Nach der Approbation erhielt ich meine Ausbildung an der Universitätsfrauenklinik Heidelberg, wo ich mich dann auch habilitiert habe. In den 80erJahren bewarb ich mich im Städtischen Klinikum Pforzheim und wurde dort Chefarzt der Frauenklinik.

9. Ihre jetzige Lebensausrichtung zeigt nach Karlsruhe, warum nicht nach Pforzheim?

Bereits in den 70er Jahren hatte ich mich in Marxzell-Schielberg um die Jagd beworben, die frei wurde. Der glückliche Zufall wollte es, dass ich die Schielberger Jagd pachten konnte und der zweite glückliche Zufall war, dass ich in Pforzheim Chefarzt wurde. Eine Entfernung von nur 20km, so dass ich hier meinem Hobby nachkommen konnte. in Schielberg habe ich dann gebaut. Nach meiner Zur-Ruhe-Setzung habe ich mich völlig aus Pforzheim zurückgezogen und lebe seit dem in Schielberg und bin komplett nach Ettlingen und Karlsruhe orientiert.

10. Sie betätigen sich in Marxzell in Vereinen und sind auch Gemeinderat?

Wenn man sich in einen Ort wie Marxzell integriert, halte ich es für meine Pflicht, sowohl politisch als auch im Vereinswesen tätig zu sein.

So wurde ich sowohl in den Ortschaftsrat Schielberg als auch in den Gemeinderat Marxzell gewählt. Mitglied bin ich im Musikverein und im Gesangverein, wo ich aktiver Sänger bin. Zurzeit bin ich Vorsitzender im Obst- und Gartenbauverein Schielberg.

11. So weit zu Ihnen beiden persönlich-privat. Nun stelle ich an Sie beide Fragen zu allgemeinen Themen - wer auch immer antworten mag. Die Fragen streuen.

Frau Merkels Satz „Wir schaffen das!“ Richtig?

(R) Dieser Satz ist im Prinzip richtig, aber man hat vielleicht zu wenig die Folgekosten und die Verpflichtungen die daraus entstehen bedacht.

(H) Wenn man die Geschichte in Deutschland betrachtet so ist es nicht das erste Mal, dass wir eine so grosse Aufgabe in Deutschland bewältigen mussten und auch bewältigt haben. Aus diesem Grunde sollte man auch Menschen, die aus Kriegsgebieten flüchten müssen, die Möglichkeit geben eine Unterkunft zu finden.

Somit ist vom Prinzip her der Satz zu befürworten. Nur hat man in der kurzen Zeit mit so vielen Flüchtlingen nicht gerechnet. Man war ja nicht vorbereitet! Die Vorbereitung hätte etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen sollen, dann wäre der ganze Ablauf geordneter gewesen. Vergleichen würde ich es mit der Wiedervereinigung Ost und Westdeutschlands. Viele haben immer wieder von einer Wiedervereinigung gesprochen, vor allem die Politiker. Dann kam die Wiedervereinigung plötzlich und keiner war darauf vorbereitet! Auch dies haben wir geschafft.

12. Nach einer letzten Umfrage scheinen alle Bürger privat zufrieden, wenn nur eine gewisse Angst nicht wäre?

(R) Ich weiss nicht wovor die Bürger Angst haben. Ich persönlich habe keine Angst. Sollte diese Angst durch die Flüchtlinge hervorgerufen werden, so würde ich als einziges dazu sagen, dass eine konsequente Integration in jeglicher Hinsicht stattfinden muss und Flüchtlinge die sich nicht an die Ordnung im Staate halten des Landes verwiesen werden sollten.

(H) Es ist keine gute Basis für die Lösung von Problemen. Ich persönlich habe keine Angst, aber wir müssen sehr konsequent an die Lösung, d.h. Integration der Flüchtlinge herangehen.

13. Politikverdrossenheit fängt wo an?

(R) Politikverdrossenheit gibt es schon seit vielen Jahren. Es sind auch innenpolitische Probleme, die in den Augen vieler Wähler von den Parteien und der Regierung nicht gelöst werden konnten und dann kamen aussenpolitische Themen hinzu - wie die Krise mit Griechenland und jetzt mit den Flüchtlingen.

(H) Eine Politikverdrossenheit entsteht dann, wenn Politiker Versprechungen vor der Wahl machen, die sie nachher nicht einhalten. Nach so einer Situation ist der Wähler, der seine Stimme abgegeben hat verdrossen, oder besser gesagt sogar frustriert. So geht es vielen Wählern die sich sagen, dass eine Beeinflussung durch die Wahl nicht möglich ist. Diese Verdrossenheit hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen.

14. Sie sind mit Marxzell-Schielberg der Zipfel im Landkreis Karlsruhe, fühlen sich aber nicht so? Warum?

(R) Der Kontakt zum Landratsamt und somit der übergeordneten Institution ist sehr gut. Die Entfernung von Marxzell nach Karlsruhe ist sehr kurz, bei besten Strassen als auch Bahnverbindungen. Aus diesem Grunde fühle ich mich nicht am Zipfel des Landkreises, sondern im Landkreis verbunden und somit auch gut versorgt vom Landkreis.

(H) Der Kreis Karlsruhe bietet für Marxzell ausgezeichnete Bildungsmöglichkeiten von weiterführenden Schulen bis hin zur Universität, alle Arten von Fachhochschulen, dann eine sehr gute medizinische Versorgung in mehreren Krankenhäusern und letztlich die Einkaufsmöglichkeiten im Landkreis Karlsruhe - da Karlsruhe und Ettlingen sehr nahe sind - wesentlich einfacher zu erreichen als der Landkreis Calw von hier aus.

15. Alterspyramide. Eine demografische Entwicklung. Zu viele Alte, zu wenige Junge. Sogar China wird bald eine dramatische Umkehr seiner Alterspyramide erleben. Sollten wir nicht über jeden Flüchtling unter vierzig froh sein?

(R) Wenn wir es fertig bringen für die jungen Menschen unter den Flüchtlingen eine gute Bildung und Ausbildung bereit zu stellen und diese dann schliesslich auch Facharbeiter werden können oder sogar Akademiker, dann haben wir einen ganz grossen Gewinn gemacht.

(H) Zunächst muss man sagen, dass sicherlich nach Beruhigung in den Ländern, aus denen die Flüchtlingen kommen, viele Flüchtlingen wieder zurückgehen werden um das Land wieder aufzubauen, so dass nicht über die Zahl diskutiert werden kann.

Wichtig ist natürlich, dass als allererstes die Flüchtlinge richtig und korrekt von der Sprache, von der Bildung, und von der Ausbildung her integriert werden. Dann ist es sicherlich auch ein Positivum.

16. Die grosse wie die kleine Politik wird bestimmt von mindest Überfünfzigjährigen, meist noch älteren. Richtig?

(R) Nein, nicht nur. Selbstverständlich sind die Überfünfzigjährigen stark vertreten. Auch die Unterfünfzigjährigen haben ein Gewicht in der Politik, denn z.B. gerade in diesen Schichten wird viel Grün gewählt. Und hier in Baden~Württemberg haben wir einen grünen Ministerpräsidenten.

(H) Es ist richtig dass die Mehrzahl der politisch tätigen Überfünfzigjährige sind, sei es in Gemeinden, Städten, Landtagen und im Bundestag. Hierbei muss man sich natürlich fragen warum wollen die Jüngeren nicht Verantwortung übernehmen. Ich würde mir wünschen, dass mehr jüngere Menschen sich für die Politik interessieren und in den Parlamenten aufstellen lassen.

17. Kommunen müssen Bürger zukünftig stärker einbeziehen. Siehe Absenkung der Quoren zu Bürgerbegehren und Bürgerentscheide. Oder bleibt der Wähler nur alle vier Jahre gefragt?

(R) Ich bin sehr für eine bessere Kommunikation zwischen Politikern aller Stufen und dem Bürger. Der Politiker muss noch wesentlich mehr auf die Bürger zugehen und ihnen auch erklären über welche Probleme jetzt abgestimmt werden muss. Ob im Gemeinderat, im Landtag, oder im Bundestag.

(H) Ich halte es schon für richtig, dass bei bestimmten sehr wichtigen Fragen der Bürger direkt beteiligt werden sollte durch ein Bürgerbegehren oder einen Bürgerentscheid. Es sollte nur nicht der Bürger zu sehr strapaziert werden und wie in der Schweiz in kürzeren Abständen zur Entscheidung gebeten werden. Betrachtet man aber Bad Herrenalb, so wurde vor nicht allzu langer Zeit ein Bürgerentscheid bezüglich der Schweizer Wiese, sowohl vom Landrat, vom Bürgermeister und vom Gemeinderat beschlossen.

18. Hauptargument der Bürgerbeteiligungs-Gegner ist der angeblich nichtvorhandene Wissensstand der Bürger gegenüber Gemeinderäten, die sich sehr viel intensiver mit einer Materie befassen würden. Wenn Gemeinderat und Verwaltung transparenter vorgingen und die Bürger frühzeitig einbezögen, wären auch die Chancen der allgemeinen Verständigung besser. Oder?

(R) Ganz ihrer Meinung. Der Politiker muss auf den Bürger zugehen und der Bürger auf den Politiker und in diesem Dialog findet man dann auch einen Konsens.

(H) Die Bürgerbeteiligung zeigt sich in erster Linie in der Anwesenheit bei Gemeinderats- bzw. Stadtratssitzungen. Hier sieht man, wie sich überhaupt ein Bürger mit den Interessen und Problemen einer Gemeinde oder einer Stadt beschäftigt. Erst dann hat der Bürger den Wissensstand, auf dem er aufbauen kann, um sich auch bei einem Bürgerentscheid richtig zu positionieren.

19. Ist Bildung der Lebens-Schlüssel zum Vorwärtskommen?

(R) Selbstverständlich - Bildung auf allen Stufen. Auch der Handwerker muss heute besser ausgebildet sein, als noch vor vierzig oder fünfzig Jahren und so geht es weiter bis zum Akademiker. Bildung, den Anlagen entsprechend, die ein junger Mensch hat, ist wohl heute das Allerwichtigste.

(H) Überall spricht man von diesem Lebensschlüssel Bildung. Nur muss es die Möglichkeit geben für Kinder vor Ort diese Bildung zu erwerben.

20. Vital im Alter, dritte Lebensphase, Wohnen plus. Grau ist bunt. Henning Scherf, der ehemalige Bremer Bürgermeister, 30 Jahre im Wohnprojekt mit Alten, Singles, Ehepaaren etc… ein Vorbild?

(R) Mobil sein im Alter ist sehr wichtig. Die Menschen werden heute älter. Wichtig ist das Eingebundensein in der Familie, im Freundeskreis und falls möglich auch im Ehrenamt.

(H) Vital bleiben im Alter ist sehr wichtig. lm ländlichen Raum ist das normalerweise im Kreise der Familie und der Freunde. Wenn es jedoch notwendig wird, ist auch eine Unterbringung in einem betreuten Wohnen bzw. im Mehrgenerationenhaus zu begrüssen.

21. Das Ziel des Landrats Riegger ist es, das altbackene Herrenalber Kurstadt-Image wegzukriegen. Hat er eine Chance?

(R) Das Landratsamt hatte in den letzten Jahrzehnten die Chance gehabt dieses lmage zu verändern. Die Bemühungen die dabei publik wurden, sind leider nicht realisiert worden, z.B. ein Schulzentrum in Bad Herrenalb, was in den 70er Jahren diskutiert wurde. Eine solche Einrichtung hätte junge Familien nach Bad Herrenalb gezogen und es wäre eine gute Verteilung zwischen Alt und Jung entstanden.

(H) Herrenalb hat vor 40, 50 Jahren in erster Linie auf Kur und nur auf Kur gesetzt. Da hätten natürlich zu viele Einrichtungen für Kinder und junge Leute „gestört.“ Die Therme wurde gebaut und auch andere Einrichtungen, das war primär für ältere Leute und für solche die dort eine Kur machen wollten. Heute ist es sehr schwierig ein Schulzentrum nach Bad Herrenalb zu bekommen, was ja dann junge Familien anzöge und automatisch entsprechende Geschäfte in die Innenstadt herein brächte. Ich denke an Buchhandlungen etc.etc.

22. Es entsteht der Eindruck, die Argumente der Wechselgegner erschöpfen sich in der Aufzählung dessen, was danach nicht besser wäre. Gäbe es ein echtes, wirklich gewichtiges Argument, um sich für den Landkreis Calw zu erklären?

(R) Die Herrenalber haben in den letzten vielen Jahren bereits mit den Füssen abgestimmt, indem der Hauptweg von Bad Herrenalb Richtung Karlsruhe verläuft, so wie das Wasser immer den Berg runter läuft. Die Arbeitsstätten liegen in Ettlingen und Karlsruhe, die Schulen liegen in Ettlingen. Die Krankenhäuser liegen in Karlsruhe. Es ist vom Bürger bereits entschieden durch die vielen Vorteile, die durch Karlsruhe bestehen. Die Wechselgegner sollten bitte fachliche, sachliche und objektive Argumente in die Diskussion werfen und nicht mit Äusserungen Ängste schüren, wo keine vorhanden sind.

(H) Sie sollten einmal morgens und mittags zu Schulanfang und Schulende die Albtalbahnen sich ansehen. Die sind mehr als überfüllt von Schülern, die die verschiedensten weiterführenden Schulen in Ettlingen besuchen.

Desgleichen sollten Sie sich einmal die Bahnen ansehen, wenn die meisten Hausfrauen einkaufen gehen, was sie nicht gerade für den täglichen Bedarf brauchen. Bekleidung jeglicher Art wird vorwiegend in Ettlingen und Karlsruhe gekauft. Auch andere Gegenstände. Das ist doch eigentlich schon eine Abstimmung für den Landkreis Karlsruhe.

23. Landkreis Karlsruhe und Bad Herrenalb. Wüchse da zusammen, was zusammen gehört?

(R) Bereits 1973 bei der damaligen Gemeindereform wurde nach Angaben von Herrn Minister a.D. Vetter über die Zugehörigkeit von Bad Herrenalb zum Landkreis Karlsruhe diskutiert. Leider haben sich die damaligen „politischen Diskussionen“ zu diesem Zusammenschluss entschieden, so dass jetzt durch einen Bürgerentscheid neu diskutiert wird.

(H) Schaut man sich einmal die Grenzen des Landkreises Calw an, so hängt Herrenalb wie ein Anhängsel an diesem Landkreis. Man hat es Bäderkreis genannt, um dem Kind einen Namen zu geben, aber ich glaube - und das ist meine Überzeugung - dass der Landkreis Calw bei seiner Gründung ohne Herrenalb doch sehr klein gewesen wäre und vielleicht diskutiert worden wäre, ob man ihn überhaupt bildet.

24. Haben Sie Erinnerungen an die Kreis-Reform 1973. Es gibt einen Zeitgenossen in Höfen, der behauptet tatsächlich, es hätte seinerzeit eine Bürgerbefragung gegeben.

(H) Wie mir bekannt ist, gab es keine Bürgerbefragung, diese Entscheidung wurde vom damaligen Bürgermeister mit dem Stadtrat festgelegt.

25. Welche Argumente für den Wechsel nach Karlsruhe überzeugen?

(R) Wie schon aufgezählt: Bildung, Einkaufsmöglichkeiten, medizinische Versorgung.

Nach einem alten Prinzip in der Siedlungs~ und Verkehrsgeografie - und das habe ich ja auch studiert - ist das günstigste das stromabwärts. Mit Ausnahme grosser Ströme, die mehrere Ländergrenzen überschreiten, z. B. der Rhein und die Donau, da kann es anders aussehen, aber die Alb fliesst einwandfrei Richtung Rhein.

(H) Der Weg von Bad Herrenalb nach Calw ist mit Berg-Hindernissen verbunden, somit sehr beschwerlich. Der Weg nach Ettlingen/ Karlsruhe ist sehr bequem. Man steigt in die S-Bahn ein und ist in 30-40 Minuten an dem Ort wo man hin möchte, ohne umzusteigen und vor allen Dingen ohne das eigene Fahrzeug zu bewegen!

Dieser Wechsel ist im Kopf der Einwohner von Bad Herrenalb schon lange vollzogen. Jetzt müssen sie dies nur noch im Bürgerentscheid dokumentieren.

26. Das Herrenalbforum hat sich – trotz persönlichen Eintretens des Herausgebers für den Wechsel - zum Ziel gesetzt, allen Argumenten Platz zu bieten. Denn nur wer informiert ist, kann wählen. Oder?

(R) Zur Lösung eines Problems ist es immer gut alle Seiten zu hören und in Ruhe die Argumente auch der Gegenseite sich anzuhören und dann zu versuchen einen Kompromiss zu finden. Nur solche Beschlüsse haben bestand und das sehe ich auch als Positivum an, dass im Herrenalber Forum alle Seiten zur Sprache kommen.

(H) Es ist sehr wichtig, dass in dieser Diskussion sachliche Argumente von beiden Seiten vorgetragen werden. Über sachliche Punkte kann man dann diskutieren. Es wäre sehr schlecht wenn Argumente vorgetragen werden, wie man sie jetzt bereits hört, z.B. bezüglich der medizinischen Versorgung mit dem Krankentransport. Als Arzt kann ich nur sagen, dies hat bereits der Bürger vor Jahren entschieden, siehe Richtung Karlsruhe z.B. Diakonissenkrankenhaus. Jeder der dies als Argument bezweifelt, spricht nicht die Wahrheit aus.

27. Im Herrenalber Amtsblatt liess Bürgermeister Mai gerade amtlich informieren, dass die Landkreiswechselfrage mit Ja oder Nein entschieden sei, wenn eine Mehrheit mindestens 25 Prozent der Stimmberechtigten beträgt. Lt. Gemeindeordnung ist das Quorum mit 20 Prozent landesrechtlich festgelegt. Erklärbarer Fehler?

Hierzu können wir keine Stellung abgeben da wir das Amtsblatt nicht haben. Grundsätzlich ist dies ja gesetzlich geregelt.

28. Kürzlich sagte der Direktor vom „Schwarzwald Panorama“ dem Herrenalbforum „Ein bisschen mehr Fantasie und Mut und man könnte aus Bad Herrenalb eine Oase zum Wohlfühlen machen.“ Klingt nach höflichem Attest von Nichtvorhandenem?

(R) ldeen hat es sicher schon viele gegeben, nur müssen diese auch in die Tat umgesetzt werden. Was, so wie ich von Marxzell aus es sehe, bis zum heutigen Tag nicht geschehen ist.

lch weiss, dass z. B. Herr Bürgermeister Mai mit grösstem Einsatz versucht hat zur Grund-, Haupt- und Werkrealschule einen schulischen Zweig der Realschule vom Oberschulamt zu bekommen, was trotz grösster Bemühungen nicht genehmigt wurde.

Dies wäre z. B. eine Aufgabe, die auf politischem Wege zwingend notwendig ist, um hierdurch zumindest den Kindern einen relativ kurzen Schulweg zu ermöglichen. Dann würden sich auf jeden Fall die Kinder schon mal in Bad Herrenalb wohlfühlen.

(H) Ich bin der gleichen Meinung. Man muss mutig und zäh die Probleme angehen.

29. Stellen Sie sich vor, Sie beide würden – wie bei den Bundes-Grünen – als Spitzenduo von heute auf morgen den Rathaus-Sessel in Herrenalb erklimmen. Was wäre Ihre erste Tat oder auch Ihr erster Satz?

(Keine Antwort)

30. Wenn der Sessel in Herrenalb schon kein Lebenswunsch zu sein scheint, bitten wir Sie beide, sich zwei Wünsche vor den Augen der Öffentlichkeit zu gönnen. Erstens privat und zweitens für Ihren Nachbarort Bad Herrenalb.

(R)+(H) Wir wünschen uns einen ruhigen und dem Alter entsprechend gesunden und mobilen Lebensabend in der wunderschönen Gemeinde Marxzell.

Für Bad Herrenalb wünschen wir, dass der Bürgerentscheid entsprechend in Stuttgart beachtet wird und dann auch umgesetzt wird - zum Wohle der Herrenalber Bürger.

Sehr geehrte Frau Dr. Reinwald, sehr geehrter Herr Prof. Heinrich, wir bedanken uns für das Gespräch.

Der Film des Jahres!