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Gesprochene Sprache

mit Stephan Bode

Aus gegebenem Anlass.

(24.8.2016)
Eine Interview-Reihe mit Bad Herrenalb im Fokus. Eine Stadt im Entwicklungsnotstand. Eine kleine Stadt mit Turbulenzen, die sie weit über die Region hinaus bekannt machten. Eine Stadt mit hohen Schulden. Eine Stadt, der ohne Vision und Konzept der finanzielle Kollaps droht.

Aber auch eine Stadt mit der Weltmarke „Schwarzwald“. Mit reichem Natur-Potenzial und einer liebenswerten Bürgerschaft. Mit vielen jungen und älteren Menschen. Mit Zuneigung von vielen Seiten. Bleibt also die Frage, wie geht es weiter?


Wir danken Herrn Bode für seine Bereitschaft, dem Herrenalbforum Frage und Antwort zu stehen. Das ist nicht selbstverständlich. Es zeigt Zivilcourage und auch grosse Zuneigung zu unserer Stadt. Herr Bode ist Geschäftsführender Direktor des Hotels SCHWARZWALD PANORAMA.

30 Fragen, 30 Antworten:

........................................

1.    Wie stolz sind Sie darauf, das Flaggschiff Herrenalbs, das SCHWARZWALD PANORAMA, führen zu können?
(Längere Pause, überlegt.) Nicht stolz, nein, eher Dankbarkeit und Verantwortung. Es ist ein Geschenk, das machen zu dürfen und auch eine Verpflichtung gegenüber dem Unternehmen und den Mitarbeitern. Jeder von Ihnen verdient eine sichere Zukunft. Sie sind das Unternehmen.

2.  Welcher berufliche Lebensweg führte Sie nach Herrenalb?
Ich bin Jahrgang 65, Gastronom in dritter Generation und in der Gastronomie meiner Mutter aufgewachsen. Von 1980-83 habe ich meine Ausbildung in der Hotellerie gemacht.

Nach der Lehre verbrachte ich noch ein Jahr in Hannover, ein Jahr in Österreich sowie in der Schweiz, danach sieben Jahre im weiter entfernten Ausland davon dreieinhalb Jahre auf Kreuzfahrtschiffen. Highlight waren zweieinhalb Jahre in Südafrika, in einer Zeit in der Nelson Mandela noch im Gefängnis sass und ich das Ende der Apartheit miterleben durfte. Zurück in Deutschland verbrachte ich dann neun Jahre in Berlin in Führungspositionen. Am 23. August 1999 nahm ich meine erste Direktorenstelle an. Aus einem 701-Zimmer Hotel als Wirtschaftsdirektor mit 120 Mitarbeitern von der grossen Insel Berlin ging es dann auf die kleine Insel Helgoland. Dort übernahm ich ein wunderschönes Design Hotel.

Als vierter Direktor innerhalb von einem Vierteljahr hielt es mich dort insgesamt drei Jahre. Irgendwann wurde mir die Insel einfach zu klein, dennoch liebe ich diese Insel heute noch und das Hotel zählte damals zu den 40 aussergewöhnlichsten Design-Hotels weltweit. Heute heisst es Atoll Ocean Resort.

Ganz neu und sehr spannend war für mich zu der Zeit die Inselsituation, also quasi eine weitere Ausbildung. Helgoland ist eine Hochsee-Insel, das heisst, man bekommt nicht immer Ware, Lebensmittel, Hotelwäsche, Deko oder Tagungsequipment. Man hat Veranstaltungen von renommierten Firmen, die ihre Referenten nicht immer einfliegen lassen können. Man steht immer wieder vor kurzfristigen und unvorhersehbaren Aufgaben, darf improvisieren und Lösungen entwickeln.

Wenn man von Bad Herrenalb von einer dörflichen Gemeinde spricht, dann ist diese dennoch riesig im Vergleich zu dieser kleinen Insel Helgoland. Da leben 1700 Einwohner, davon 700 oben auf dem Oberland, 1000 auf dem Unterland und es sind teilweise so große Seilschaften und Feindschaften auf diesem kleinen Fleckchen Erde, dass man sich aus dem Weg zu gehen versucht. Dort konnte ich unglaublich viel über den Menschen lernen.

Die Inselsituation bedeutete auch im Sommer „volle Pulle“, da bist du Direktor mit all dem Schnickschnack und im Winter bist du Nachtportier, Kellner, gehst auch mal an die Spüle oder trägst die Koffer der Gäste auf deren Zimmer.

Es war wahnsinnig schön, aber eben nach drei Jahren einfach zu klein.

Eigentlich wollte ich danach auf die Kanarischen Inseln, der Vertrag war unterschriftsreif. Ein Unternehmer, der dort insgesamt vier Hotels betrieb, wollte mir diese in die Verantwortung übertragen.

Mein Weg führte mich aber 2002 ins wunderschöne Zeulenroda in Ost-Thüringen. Dort hatte ein sehr erfolgreicher Unternehmer, der nichts mit der Hotelbranche zu tun hatte, ein paar Jahre zuvor ein altes FDGB-Heim gekauft, und viel, viel Geld investiert und im September 2001 eröffnet. Ich habe dann das Hotel im Juni 2002 als 5. Geschäftsführer übernehmen dürfen. Dieses konnte ich innerhalb von 8 Jahren zu einem der erfolgreichsten, renommiertesten privat geführten Hotels - gerade in Sachen Nachhaltigkeit – in Europa entwickeln.

Danach war ich platt. Nahm mir ein Jahr Auszeit. Weltreise. Anschliessend ein Jahr Station in Hannover, was charmant war, schon wegen meiner Heimat - ich bin gebürtiger Hannoveraner. Dort wurde ich allerdings mit der Unternehmensphilosophie des Konzerns nicht warm. Das war nicht meine Welt. Orientierte mich anderweitig und bin nun seit Januar 2013 hier im wunderschönen Bad Herrenalb.

Jetzt war übrigens gerade mein 17. Jahrestag als Hotelchef.

3.  Was verbirgt sich hinter dem Begriff „Campus“?
Campus steht für Lernen auf hohem Niveau. Lernen mit Freude, in einer sehr lernzielfördernden Atmosphäre. Es geht um Spass miteinander, gemeinsam etwas zu bewegen. Wir hätten auch Veranstaltungs- oder Tagungsbereich sagen können, tun wir aber nicht, wir sagen Campus.

Der Campus hat bei uns wirtschaftlich einen sehr hohen Stellenwert, denn wir sprechen von 12 Veranstaltungsräumen unterschiedlicher Grösse in denen unsere Kunden die unterschiedlichsten Veranstaltungen durchführen. Wir sind im Februar mit dem Grand Prix der Deutschen Tagungshotellerie ausgezeichnet worden, also zur Nummer 1 in Deutschland. Ich persönlich bin bis dato der einzige Hotelier, der in der 21jährigen Geschichte dieses Grand Prix´s mit unterschiedlichen Häusern auf dem Siegerpodest stehen durfte. Darauf bin ich stolz.

4.  Wer ist der Privatmann Stephan Bode? Wo lebt der? Wie lebt der?
Ach, der ist verrückt. Ich liebe das Wandern, die Natur. Ich bin in sehr hohem Masse bei mir selbst angekommen. Dadurch fühle ich sehr häufig innere Ruhe und Gelassenheit.

Ich lebe in Ettlingen und habe ganz bewusst den Abstand, diese 20 Kilometer - diese 20 Minuten - für die Wahl meines privaten Lebensraumes gewählt.

5.  Wenn sich Fachklinik-Falkenburg und das SCHWARZWALD PANORAMA ergänzen, Sie sind der Leiter von beiden, entstehen dadurch für die Klinik höhere Ansprüche?

Nein, nicht mehr der Leiter von beiden. Beide Unternehmen haben aber meiner Meinung nach die gleiche essentielle Aufgabe: Menschen die bestmögliche Versorgung und grösstmögliche Aufmerksamkeit entgegen zu bringen. In der Klinik sind es Patienten und im Hotel sind es Gäste. Der Ansatz des Bestmöglichen ist gleich. In der Praxis unterscheidet sich dies allerdings grundlegend. In eine REHA Klinik gehe ich weil ich muss, diese bekomme ich verschrieben. Als Klinikbetreiber bekomme ich also meine Patienten zugewiesen, in das SCHWARZWALD PANORAMA gehe ich aus freien Stücken. Da muss eine Begehrlichkeit wachsen, da will ich hin. Wir versuchen hier jedem Gast das Gefühl zu geben im Moment der Begegnung der wertvollste Mensch zu sein.

6.  Nennen Sie bitte drei vorhandene Herrenalber Highlights.
Ganz klar das SCHWARZWALD PANORAMA. Wir sehen uns als Markenbotschafter Bad Herrenalbs. Wir tragen und das sage ich mit vollem Bewusstsein Bad Herrenalb in die Welt hinaus. Wir verstehen uns als Repräsentanz und Aushängeschild.

Dann die Natur mit seinen herausragenden Kur-Qualitäten, hier atmet und trinkt man sich gesund - wenn ich mir den Staub auf den Dächern wegdenke – auch die hervorragende Infrastruktur. Ich finde die Lage hier ist ein Hammer mit der Nähe zu Karlsruhe, Ettlingen, Baden-Baden, Strassburg, etc.

Somit SCHWARZWALD PANORAMA, die Natur und der Standort.

7.  Wie abhängig sind Sie von der Tourismuswerbung Herrenalbs?
Um ehrlich zu sein, gar nicht. Dennoch nutzen wir jede Zusammenarbeit mit der Tourismuszentrale, zumal wir ein Rieseninteresse daran haben, dass sich Bad Herrenalb noch mehr mausert. Wir selbst sind mit unserem Konzept unabhängig. Die Leute kommen nicht nach Bad Herrenalb um im SCHWARZWALD PANORAMA zu übernachten. Die Gäste kommen ins SCHWARZWALD PANORAMA, welches in Bad Herrenalb liegt.

8.  Landkreiswechsel. Thema für Sie?
Hört sich gut an. Finde ich gut. Wir sind doch das Vorzimmer von Karlsruhe.

9.  Durch Sie entstand diese hervorragende Wortschöpfung „Gesundheitsberg“. Bemerken Sie einen Widerhall in der Stadt, in der Gemeindepolitik.
Ach die Gemeindepolitik. Ich weiss nicht, ob der Begriff durch mich entstanden ist. Als ich das erste Mal oben in der Falkenburg Klinik das Gesamtmodell von Hans Ruland gesehen habe, drängte sich der Begriff Gesundheitsberg förmlich auf. Ich bin überzeugt davon, dass Hans Ruland, den ich leider nicht persönlich kennengelernt habe, dieses Bild des Gesundheitsberges in sich trug. Sonst baut man nicht an einem solchen Standort eine Reha-Klinik, ergänzt sie durch mehrere Wohneinheiten drum herum und setzt dann noch ein Hotelchen dran.

Darin verbirgt sich aus meiner Sicht das klare Ziel Bad Herrenalb weiter entwickeln zu wollen. Ein bisschen mehr Fantasie und Mut und man könnte aus Bad Herrenalb eine Oase zum Wohlfühlen machen.

10.  Wer von Baiersbronn redet, denkt an Mitteltal, Traube Tonbach, Bareiss etc. Sehen Sie schon Parallelen?

Nö. (lacht) Nein, wir sind bei dem was wir hier machen, ziemlich gut unterwegs. Erfolgreich unterwegs. Ich kenne viele Menschen mittlerweile, die sagen Bad Herrenalb, mhm, das ist doch da wo das Hotel SCHWARZWALD PANORAMA am Berg ist.

Als ich das Rulands Thermenhotel übernehmen durfte, hatte ich das heutige Konzept inklusive aller Inhalte im Handgepäck. Das ist nicht anders, als in meinen vorherigen Aufgaben, nur dass der Standort hier in Baden-Württemberg deutlich bessere Voraussetzungen mit sich bringt. So unter anderem die Weltmarke Schwarzwald, die meines Wissens nach, im Ranking der deutschen Tourismus Destinationen, als Marke an sechster Stelle steht.

11.  Sie scheinen ein Visionär mit Macherqualitäten zu sein. Wie war das mit Ihrer Begeisterung für das Badeparadies? Hatte Sie da Ihr Weitblick verlassen?
Jein, jein. Wir haben uns auch selbst mit der Therme intensiv auseinandergesetzt, auch Gedanken gemacht, diese zu betreiben. Es hat aber zu diesem Zeitpunkt nicht sollen sein.

Ich will es mal ganz einfach ausdrücken: Hätten wir die Möglichkeit bekommen die Therme zu betreiben, dieses Selbstbewusstsein habe ich, so hätten wir die Therme in relativ kurzer Zeit in die Erfolgsspur gebracht.

Die grosse Nummer, die Sie ansprechen, wirkte schon ein wenig überdimensioniert. Schon wenn man sich mit den Zahlen auseinandersetzte, wie diese viertausend Tagesgäste über diese kleine Strasse dahinten kommen sollten.

12. Hier der Gesundheitsberg, zu Füssen eine Kleinstadt. Ihre Vision?
Für mich ist klar, dass aufgrund der exponierten Lage, der wunderschönen Natur in und an der Weltmarke Schwarzwald Bad Herrenalb über unglaublich viel Potenzial verfügt. Das weiß ich.

Es braucht aber ein ganz klares Konzept, eine klare Vision und ein klares Bild, um den Standort Bad Herrenalb entsprechend weiter zu entwickeln. Man sollte die Frage stellen, warum die Menschen in 2030 nach Bad Herrenalb kommen möchten. Und warum die Bad Herrenalber in 2030 happy sind, hier leben zu können. Ich sehe nur keines, zumindest keines, welches aus der Gemeinde heraus generiert wird. So ein Bild muss man skizzieren. So ein Bild kann man entwerfen, man muss es nur tun. Querdenker, Visionäre und Zukunftsforscher zusammen führen. Nur so kann man Neues entwickeln.

13. Die Gartenschau und ein einziges anspruchsvolles Hotel? Das Ihre. Bedeutet das 121 Tage volles Haus? Und danach?
Erst einmal hoffe ich auch 2017, ohne Gartenschau, ein volles Haus zu haben. Punkt 1. Auf der anderen Seite freuen wir uns sehr über die Gartenschau, weil es das SCHWARZWALD PANORAMA noch ein Stück attraktiver macht, so dass der Gast der zu uns kommt, einen weiteren Grund hat, zu uns zu kommen.

Ich finde die Gartenschau klasse und sehe sie als aussergewöhnliche Chance für Bad Herrenalb. Daher werden wir als Premium Partner diese auf allen Kanälen die wir haben bewerben.

Ich glaube aber nicht, dass es durch die Gartenschau zu spürbar mehr Übernachtungsgästen kommen wird. Da fährt man hin, macht einen Tagesausflug und abends wieder nach Hause.

14.  Gesamtkonzeption Herrenalb. Wie sieht diese aus?
Es braucht eben ein klares Bild. Ich hatte ein Bild, als ich das Rulands Thermenhotel übernehmen durfte. Was daraus geworden ist kann jeder durch das heutige SCHWARZWALD PANORAMA sehen.

15.  Mönchs Posthotel. Kurparkhotel. Bonsai. Harzer. Drama oder Normalität?
Macht mich traurig.

16. Im Frühjahr ging Ihr Küchenchef Hagen Müller. Konnten da zwei Alpha-Tiere nicht miteinander?
(Schmunzelt leicht). Hagen Müller ist einer der besten Küchenchefs, mit denen ich je zusammenarbeiten durfte, von dem ich sehr viel lernen konnte. Die Beziehung Hagen Müller und Stephan Bode war immer geprägt von unglaublich viel Respekt und gegenseitiger Wertschätzung. Es hat damit also gar nicht zu tun, seine Zeit war einfach gekommen.

17. Kurparkhotel. EHS. Best Ager. Innovatives Wohnen. Mehrgenerationenhaus. Falsches Thema für Herrenalb?
Das Hotel am Kurpark muss als Hotel für Menschen mit Handicap betrieben werden. Wenn man das vernünftig anpacken würde, würde man das Hotel auch sehr schnell gefüllt bekommen.

Dafür ist es gebaut. Ich bin überzeugt, dass man mit genau dieser Zielgruppe dieses Unternehmen an diesem Standort erfolgreich/wirtschaftlich führen kann. Das unterschreibe ich.

Zusatzfrage: Warum kommt es dann nicht zu einem solchen Hotel?
Das weiss ich nicht. Aber vielleicht kommt´s ja bald. Ich finde es total toll und gut, dass sich der Gemeinderat dagegen entschieden hat (gemeint ist das EHS-Modell. Red.) Ich unterstütze das auch, schon weil ich selbst Interesse hätte am Erfolg des Kurpark Hotels in irgendeiner Form zu partizipieren und diesen mitgestalten zu können. Ich würde morgen schon damit starten. Intern arbeiten wir auch an Lösungen.

Zusatzfrage: Dann kann man ja die Hoffnung haben, dass das Hotel zur Gartenschau hin keine blinden Fenster mehr hat, das hört sich sehr gut an.
Ja, vielleicht. Man sieht ja täglich den energetischen Gebäudeverfall, denn jeder „Leerstandtag“ muss später mit zusätzlicher Leistung und monetären Mitteln reinvestiert werden. Also kostet jeder Tag bares Geld.

Das Mönchposthotel, das sie angesprochen haben, habe ich mir vor 14 Tagen das erste Mal von innen ansehen können. Vielleicht hätte man es abreissen und was Neues dahinstellen sollen. Unglaublich was die derzeitigen Eigentümer bis dato für Energie und Aufwand investiert haben.

Vor meiner Besichtigung konnte ich mich auch ein wenig gedanklich mit irgendeiner Rolle im Bezug auf das Posthotel anfreunden, vielleicht in Kombination mit dem SCHWARZWALD PANORAMA und oder dem Hotel am Kurpark. Wer weiss? Nach der Besichtigung fällt mir der Gedanke äusserst schwer. Von der Gebäudetechnik her ist es topfit. Man sieht wieviel Geld und Liebe investiert worden ist. Es muss allerdings auch noch viel Geld in den Innenausbau gesteckt werden.

Und dann stehe ich da auf den neugestalteten Balkonen und Terrassen und stelle mir vor wie der zukünftige Hotelgast bei diesem Ausblick (und so wie gerade in diesem Moment nicht unerheblichen Geräuschkulisse) empfindet. Und wenn man die Räumlichkeiten sieht, die ja für die Logistik des Betreibers nicht unerheblich sind, für die Laufwege der Mitarbeiter, den Denkmalschutz und andere Details berücksichtigt, wäre vielleicht eine komplette Neulösung besser gewesen.

Allerdings bewundere ich den Mut und die Leidenschaft sowie das eingegangene Risiko der jetzigen Inhaber.

Als ich im September 2012 zum ersten Mal von Bad Herrenalb, durch die Vakanz im Rulands Thermenhotel hörte, kannte ich Bad Herrenalb noch nicht einmal vom Namen. Aber das Mönchs Posthotel war mir ein Begriff. Das spannende ist, dass das Mönchs Posthotel immer noch Marke ist und diese aus meiner Sicht Segen und Fluch in Einem darstellt. Segen wegen der Marke, also der hohen Bekanntheit und dem dazugehörigen Bild. Aber der Fluch ist liefern zu müssen, genau mit diesem Anspruch, den die Marke Mönchsposthotel immer noch transportiert. Und wenn man dann nicht liefert kann man gleich wieder zu machen.

18. Kur oder Tourismus. Macht Wohnen allein keinen Sinn in Herrenalb?
Jeder Mensch will doch in irgendeiner Form unterhalten und bespasst werden. Das beantwortet doch schon die Frage oder? Wohnen alleine ist doch langweilig.

Man würde viel für die hier Wohnenden tun, wenn man das Stadtbild noch mehr aufpeppen und verschönern würde.

Wenn ich mal durch Herrenalb laufe und ich überall diese Immobilienschilder sehe, mit dem Namen dieses Maklers, und ein Tourist wäre, dann denke ich, das muss aber ein berühmter Mann sein, denn sein Name hängt ja gefühlt in jedem zweiten Schaufenster. Es wäre doch toll, wenn da Leben drin wäre.

Bei uns im SCHWARZWALD PANORAMA ist in jedem Fall jeder Bad Herrenalber auf das herzlichste willkommen, auch wenn er nur das Örtchen nutzen möchte.

19. Selbstvertrauen ist eine Frage von…?
Von Selbstvertrauen (lacht!). Mut, die Fähigkeit Gut von Böse zu unterscheiden. Einem gesunden Menschenverstand, Weitblick und die Fähigkeit gross zu denken und meines Erachtens in erster Linie Leidenschaft und Liebe für das man tut. Nur wenn man Dinge gerne tut, mit Begeisterung und Liebe dabei ist, wird es erstens erfolgreich und zweitens, auch leicht. Wenn man das macht, was einem Freude bereitet, geht Vieles von alleine. Dann stellt sich auch das Selbstbewusstsein ein.

20.  Unter Lebensgemeinschaft versteht Wikipedia ein „auf Dauer angelegtes Zusammenleben von Sexualpartnern in einem Privathaushalt“. Egal, wer mit wem?
Dazu fällt mir ein, das kenne ich aus Vipassana, einer uralten Meditationstechnik: Dass die einzige Konstante im Leben die Veränderung ist. Das Wissen darum, dass alles Kommt und alles Geht. Das nur der Wandel von Dauer ist.

21.  Können Sie Gründe nennen, weswegen die AfD für Mitmenschen wählbar ist?
Ja. Wir haben viel von Bildern gesprochen. Diese Wähler haben meines Erachtens keine Bilder, sondern Frustrationen. Vielleicht auch mangelndes Selbstwertgefühl und kein eigenes Ich.

Meinem Erachten nach, ist jeder seines eigenen Glückes Schmied und das einzige was uns davon abhält sind die eigenen Grenzen im Kopf. Dabei fällt es uns schwer bei uns selbst zu schauen, daher neigen wir dazu, uns gern mit äusseren Dingen zu beschäftigen. Und dort am liebsten mit den negativen.

Wir kriegen es in unserer Wohlstands-Gesellschaft kaum hin, uns mehr mit uns zu beschäftigen. Kaum einer ist in der Lage zur wirklichen Selbstreflexion. Das erinnert mich an ein Zitat von Mahatma Gandhi „Sei du selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen willst!“

Übertragen Sie das mal auf Bad Herrenalb. Wenn die Bad Herrenalber - oh, jetzt wird es gefährlich - wenn die Bad Herrenalber mal anfangen würden die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und das Schöne zu erkennen, das Potenzial Bad Herrenalbs frei zu legen und voller Leidenschaft ins Handeln kommen. Aber das ist eben eines der Synonyme unserer Gesellschaft. Wir feiern uns im Jammern, schimpfen über das Aussen, anstatt selbst in die Handlung zu kommen.

22.  Jedes Baiersbronner Hotel mit Namen, aber teilweise auch in Freudenstadt, hat als Dependance eine Bewirtschaftete Wander-Hütte. Auf was dürfen wir hoffen?
(Lacht erfreut!) Wir haben jetzt gerade den Wandel hin zu einem attraktiven Arbeitgeber geschafft, wo die wichtigste Ressource die Arbeitskraft ist. Sind gerade auf dem Niveau angekommen, dass wir auch mal wegen der Lage und dem was wir tun, eine Initiativ-Bewerbung erhalten. „Dürfen wir mitmachen bei Ihnen?“ „Toll, was wir von Mitarbeitern hören!“ 

Aber das war ein Prozess, das war ein Weg. Es war auch für uns ein Kampf, vor eineinhalb Jahren entsprechende Mitarbeiter zu kriegen. Aus diesem Bewusstsein heraus, wie will man da noch eine Hütte betreiben? Ansonsten finde ich das sehr gut.

Wie gesagt, ich bin vom Bad Herrenalber Potenzial überzeugt und je nachdem wie sich hier alles weiterentwickelt…

23.  Was ist am Schwarzwald anders als an den Vogesen?
Ich war noch nie in den Vogesen. Leider, will aber hin.

24.  Unseren Gross-Firmen wird gerade der Vorwurf gemacht, in Sachen Arbeits-Integration von Flüchtlingen nur Sprüche gemacht zu haben. Was tun Sie für Flüchtlinge?
Wir tun konkret nichts. Aber wir haben noch nicht mal im Ansatz eine Ahnung davon, wie kostbar in sechs, sieben Jahren die Ressource Mitarbeiter sein wird. Von daher sollte man sich verschiedene Modelle einfallen lassen, um entgegen zu steuern.

Charmant finde ich auch die Integration von ganz unterschiedlichen Generationen. Ein Beispiel: Ich habe neulich eine Geschichte gehört, da gab es ein junges Start-Up-Unternehmen, welches einen Siebzigjährigen, der schon ein paar Jahre in Rente war, als Praktikanten integriert. Das finde ich total schön.

Wieder einmal, Grenzen gibt es nur im Kopf.

25.  Wie beurteilen Sie das Herrenalbforum?
Ach, wo Licht ist, ist auch Schatten...die Dinge wollen und sollen immer von unterschiedlichen Gesichtspunkten aus betrachtet werden. Daher finde ich es gut.

26.  Wie empfinden Sie die Herrenalber Gesellschaft?
Die wenigen, die ich kenne – ich lebe in Ettlingen – dadurch, dass sie Gast bei uns im Haus sind, an der einen oder anderen Veranstaltung teilnehmen. Der Christian Romoser fällt mir spontan ein, er ist für mich ein toller Repräsentant der Gesellschaft, der in vielerlei Hinsicht das gesellschaftliche Bild Bad Herrenalbs positiv prägt. Es gibt Einige, die was tun, anpacken, selbst gestalten. Auch einige Partner im Handwerk fallen mir da ein.

27.  Wenn man von oder über Ihr Hotel liest, fehlt es nicht an Höchststufen, an Superlativen. Premium Sponsor. Platz 1 hier und dort. Höchste Qualitätsdichte. Testsieger. Also alles bestens?
Nein, wir sind auf einem guten Weg und in einer guten Entwicklung. Auf einer Skala von 1-10, 10 ist ganz toll und 1 eben nicht, würde ich uns auf einer vier oder fünf sehen. Wir haben viel erreicht und noch viel Luft nach oben. Wir sind also auf einem guten Weg.

28.  Die Gastronomie in Herrenalb kommt nicht zur Ruhe. Beispiel La Plaza. Können Sie das erklären?
Auch das macht mich traurig. Ich denke, dass das Gebäude von der Infrastruktur schlecht konzipiert ist. Spontan fallen mir da die Eingänge ein. Man läuft, vom Kurpark aus kommend, auf das La Plaza zu und rennt gegen eine Wand. Aus meiner Sicht ist der Eingang schlichtweg falsch positioniert. Ausserdem waren die gastronomischen Konzepte aus meiner Sicht an den Zielgruppen vorbeigedacht. Zielgruppe ist zunächst der Bad Herrenalber als solches und der hat vielleicht nicht unbedingt auf Serrano Schinken und Burger Lust. Will vielleicht was Bodenständiges, Einfaches und Leckeres. Die Kollegen nebenan machen es ja vor.

29.  SCHWARZWALD PANORAMA ist lt. einer Internetbeschreibung besonders beliebt bei Paaren. Wie erklärt sich das?
Ich behaupte, dass das SCHWARZWALD PANORAMA bei allen Gästegruppen beliebt ist. Sowohl bei Singles als auch Paaren, zum Business, im Rahmen einer Veranstaltung oder sonstigen Anlässen. Alle kommen an und fühlen sich wie zu Hause.

30.  Sie haben drei Wünsche frei. Einen fürs Private, einen fürs Hotel, einen für Herrenalb.
Für mich wünsche ich mir Gesundheit und dass ich, so lange wie nur irgend möglich, mein inneres Kind fühle. Das ist für mich die treibende Kraft der Leichtigkeit. Sie ermöglicht mir auch heute noch und zukünftig mit Offenheit und Lebensfreude durchs Leben zu gehen.

Für das Hotel, als gesunden Organismus mit seinen Mitarbeitern, wünsche ich mir ökonomisch weiterhin erfolgreich zu bleiben, also Verbindlichkeiten und Löhne pünktlich bezahlen und dadurch den Mitarbeitern weiterhin ein Gefühl der Sicherheit geben und deren Persönlichkeitsentwicklung weiter fördern zu können. Ausserdem werden wir aus Unternehmenssicht niemals unsere ökologische Verantwortung ausser Acht lassen. Auch diese wollen wir weiter ausbauen.

Für Herrenalb, im Idealfall nicht nur eine erfolgreiche Gartenschau in 2017, sondern dass Bad Herrenalb auch weit über die Gartenschau hinaus wieder in seine volle Blüte und Strahlkraft kommt.

Sehr geehrter Herr Bode, wir bedanken uns bei Ihnen für das Gespräch.

Der Film des Jahres!