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mit Horst Mohr

(26.7.2016) Eine Interview-Reihe mit Bad Herrenalb im Fokus. Eine Stadt im Entwicklungsnotstand. Eine kleine Stadt mit Turbulenzen, die sie weit über die Region hinaus bekannt machten. Eine Stadt mit hohen Schulden. Eine Stadt, der ohne Vision und Konzept der finanzielle Kollaps droht.

Aber auch eine Stadt mit der Weltmarke „Schwarzwald“. Mit reichem Natur-Potenzial und einer liebenswerten Bürgerschaft. Mit vielen jungen und älteren Menschen. Mit Zuneigung von vielen Seiten. Bleibt also die Frage, wie geht es weiter?


Wir danken Herrn Mohr für seine Bereitschaft, dem Herrenalbforum Frage und Antwort zu stehen. Das ist nicht selbstverständlich. Es zeigt Zivilcourage und auch grosse Zuneigung zu unserer Stadt. Herr Mohr ist Geschäftsführer und Ex-Gemeinderat.

30 Fragen, 30 Antworten:
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1. Alles begann sozusagen mit der Flucht Ihrer Familie von Ostpreussen 1945. Wie alt waren Sie da?

Da war ich sechs Jahre alt, gerade in die Schule gekommen. Wir sind am 3.Februar 1945 auf die Flucht gegangen, auf den Treck. Meine Eltern hatten in Ostpreussen einen Kaufmannsladen, das war der Mittelpunkt des Ortes. Wir hatten auch noch Landwirtschaft und eine Gaststätte dabei.

Während des Krieges haben Polen und Franzosen bei uns gearbeitet. Als Kriegsgefangene. Mein Vater war natürlich „im Krieg“ und hatte immerhin das Glück, dass er nach Königsberg versetzt wurde. Geboren bin ich in Wehlau, ca. 40km von Königsberg. Am Wochenende konnte mein Vater immer zu uns kommen. Insofern war von ihm schon der Wagen für die Flucht vorbereitet. Zusammen mit dem Polen Jan, dem Franzosen Marcel und der Polin Natascha sind wir: Drei Kinder, meine Mutter und meine Oma auf die Flucht gegangen, mit den sechs Pferden. Neun Wochen sind wir danach am Meer entlang gefahren, natürlich mit Unterbrechungen. Meine Mutter hatte mit Steinen kleine Feuerstellen hergerichtet, damit wir ein bisschen was kochen konnten.

Wir waren natürlich unterwegs nicht alleine. Da waren Tausende von Flüchtlingen. Das Problem war das Militär dazwischen, das uns oft mit ihren Lkws und Panzern abdrängten. Ganz schlimm waren allerdings die russischen Flieger, die uns beschossen. Dabei sind unsere Nachbarn, die vor uns gefahren sind, umgekommen.

Wir fuhren über das neue Haff, einen Tag. Eigentlich hätten wir drei Tage fahren müssen, aber Jan sagte nein. Wir fuhren also nur noch nachts und schliefen tagsüber in den Wäldern. Das war unser Glück, zumal die Strassen nachts leerer waren. Irgendwann kamen wir in Fehmarn an. Es war immer noch Krieg. Fünf Pferde wurden vom Militär weggenommen. Das sechste Pferd schenkten wir einem Bauern, bei dem wir einquartiert wurden, wir brauchten es nicht mehr. Das grosse Glück für uns war, dass das Gebiet später zur englischen Zone gehörte. Wir hausten dort erst 1 1/2 Jahre in einem heruntergekommenen alten Haus. Wir wussten nicht, wo sich mein Vater befand. Er war, wie sich später herausstellte, in Königsberg gefangen genommen worden. Man brachte ihn nach Sibirien, wo er bis Ende 1949 blieb und als kranker Mann zurückkehrte. Kaputte Niere usw., also ziemlich angeschlagen.1950 wurden wir in die Pfalz nach Mutterstadt umgesiedelt. Das war damals die französische Zone. 1951 zogen wir nach Frankenthal, wo mein Vater die Bahnhofs-Gaststätte pachtete.

2.   Dann von Frankenthal nach Herrenalb? Wie muss man sich das vorstellen?

1953 zogen wir nach Herrenalb, weil mein Vater das Hotel Sonne gekauft hatte. Während des Krieges nutzte man in Herrenalb alle Hotels als Lazarett. Nach dem Krieg brachte man in diesen Häusern die früheren deutschen Kriegsgefangenen wie Ukrainer, Russen oder Polen unter. Diese konnten dann in ihre Heimat zurück oder je nach Wunsch auch nach Amerika, Kanada oder Australien auswandern. Das war ihnen freigestellt. Das Hotel sah natürlich insgesamt sehr schlimm aus. Heizung kaputt, die Dielen herausgerissen, in den Ersatzöfen verheizt. Also alles ziemlich desolat. Vorbesitzer waren eine Familie Binz und Hechinger, welche noch vor dem Krieg in Konkurs gegangen waren. Zwischenzeitlich gehörte das Haus der Stuttgarter Bank. In der späteren Schwarzwaldstube war der Kohlenkeller. So nach und nach haben wir alles renoviert und wieder einen Hotelbetrieb daraus gemacht.

3.   Ihr jetziges Zuhause ist ein Wohn- und Geschäftshaus und war früher das Hotel "Zum Sternen"? Wie kam es zu dem Kauf?

1955 kauften wir das Schwarzwaldhotel „Zum Sternen“ nebenan, welches ebenfalls im Krieg erst Lazarett gewesen war. Nach dem Krieg befand sich darin ein Altenheim. Dieses Haus versah man 1906 mit einem Anbau und baute dort den ersten Lift in Herrenalb. Ursprünglich gehörte dieses Hotel einer Jüdin, einer Frau Weiss. Frau Weiss „musste“ 1938 verkaufen und konnte noch rechtzeitig im gleichen Jahr nach Amerika auswandern. Danach gehörte es einem Herr Karcher aus Karlsruhe-Mühlburg, der auch nach dem Krieg das Altenheim betrieb.1951 beauftragte Frau Weiss einen Anwalt und klagte gegen den Käufer Karcher, der das Hotel nicht mit einer reellen Kaufsumme erworben hatte. Herr Karcher verlor den Prozess und musste nachzahlen. Er konnte nicht oder wollte nicht mehr und bot uns das Hotel zum Kauf an. Das war dann 1955 im Winter. 1956 zu Ostern machten wir, wieder nach vielen Renovierungsarbeiten, dieses Hotel wieder auf.Wir hatten zusammen, mit beiden Häusern, 215 Betten. Es lief damals sehr gut. Herrenalb verzeichnete so um die 700.000 Übernachtungen jährlich. Das steigerte sich noch in den 60iger Jahren mit den Veranstaltern wie Scharnow, Touropa usw.

Herrenalb war zu der Zeit nur Heilbad und hatte auch ohne den „Bad-Titel“ viel Erfolg. Nach und nach zeichnete sich aber ein Problem für uns ab. Immer mehr Gäste, die vorher mit der Bahn oder dem Bus kamen, fuhren nun mit dem eigenen Auto nach Herrenalb. Und wir hatten keine Parkplätze. Diese jetzige Parkplatzfläche vor dem Haus, die mein Vater noch zusätzlich von einer Erbengemeinschaft kaufen musste, war allerdings lange nicht ausreichend. Hinzu kam der Brand im Harzer-Hotel, welches komplett zerstört wurde und unser Hotel Sonne so beschädigte, dass wir es ein Jahr schliessen mussten.

4.   War der „Rennberg“ als Baugebiet bei Traub oder Renz ein Thema?

Bei Traub wohl nicht, aber bei Renz mit Sicherheit. Traub hatte damals anderen Prioritäten und schuf sogenannte bezahlbare Bauplätze auf der anderen Seite, wie das sog. Millionenviertel und die Fläche Mayenberg.

5.   Wem gehörten die teilweise noch nicht mal zu Weidezwecken tauglichen Rennberg-Wiesen vorher?

Das waren an die 35, 40 Eigentümer, meines Wissens nach alles Bürger von hier, die teilweise vorher dort ihre kleinen Gärten hatten.

6.   Die Baulücke zwischen Ihrem Haus mit der Postfiliale und dem Hotel von Schmidsfelden sieht nicht besser aus wie das sog. Bechtle-Areal. Warum geschieht dort nichts?

Da stand ein altes Haus, was von uns so um 1980 abgebrochen wurde. Wir wollten dort einen Neubau errichten, aber mehr in den Hang zum Marienweg hinein. Wir wollten unten natürlich auch Kfz-Stellplätze in einer Garage schaffen. Die Planungen mit Architekten waren gelaufen und wir hatte schon den Roten Punkt. Herr von Schmidsfelden legte Einspruch ein mit der Begründung, der Neubau würde zu hoch werden und sein Anwesen verschatten. Dadurch würde seine Existenz gefährdet sein. Er klagte gegen das Land und bekam Recht. So wie das Gericht dann urteilte, bauen zu können, also zwei Stockwerke weniger, war das für uns nicht mehr interessant. Es ist schade darum, zumal wir mit Abriss, Architekt und Pläne sehr viel Geld verloren hatten.

7.   Schweizer Wiese. Was bedeutet diese für Herrenalber?

In den 50ziger Jahren war das einfach nur eine Wiese zum Heumachen. Es war Natur. Im Krieg baute man auf der Fläche vom ursprünglichen Minigolfplatz bis zur Therme etliche Militär Baracken. Diese nutzten bis in die 60ziger Jahre die Franzosen. Für die Kinder war die Schweizer Wiese immer Spielwiese und wurde im Winter auch zum Schlittenfahren genutzt.

8.   War die Schweizer Wiese immer schon als Baufläche vorgesehen?

Nein, das ist mir nicht bekannt.

9.   Sie kannten Hubert Mönch. Glücklos oder einfallslos oder war alles ganz anders?

Für den, der Hubert Mönch gekannt hat, war er ein liebenswürdiger Mensch. Sein Vater, Werner Mönch, hat es versäumt, die Zeichen der Zeit zu erkennen, d.h. den Zimmerstandard der Zeit anzupassen und einen Spa-Bereich zu bauen. Nach derÜbernahme des Betriebes von seinen Eltern konnte er im Laufe der Zeit die Pacht an seine Eltern und die dringend notwendigen Renovierungsarbeiten nicht mehr stemmen. Ich glaube, er wäre in einer anderen Branche glücklicher geworden.

10. Von wann bis wann waren Sie GR der UBV und was machen Sie derzeit politisch?

Von 1989 bis 2009 war ich als Gemeinderat für die UBV tätig. 2009 bekam ich einen Schlaganfall. Bis dahin, also zwanzig Jahre. Die UBV habe ich mitgegründet. Der Arzt Dr. Bott, Dieter Günthner, Karl Wildemann und ich waren die ersten Gemeinderäte der UBV. Wir hatten in der damaligen Folgeperiode sogar fünf Gemeinderäte im Rat. Jetzt begleite ich noch die Politik mit dem Wunsch zum Landkreiswechsel.

11. Nach der Gartenschau ist Herrenalb nahe an die 4000-Euro-Pro-Kopf-Verschuldung. Ist das bedeutungslos?

Ein Banker hat mir mal gesagt, was Schulden sind. Das sei ein rein buchhalterischer Akt, wie solle man den verbuchen? Eine Kommune kann nicht pleite gehen. Sie kann „nur“ handlungsunfähig werden.

Ich hatte immer als Gemeinderat nach dem Kassenkredit gesucht. Der wurde regelmässig von der Verwaltung erhöht. Die heutige Summe dürfte sechsstellig sein. Bei Traub lag dieser bei 200.000 Mark und – das war uns schon zuviel. Musste ja auch zurückbezahlt werden.

Am Ende meiner Gemeinderats-Tätigkeit lagen die Schulden bei 6 Millionen Euro. Und jetzt? Nach der Gartenschau werden es wahrscheinlich über 25 Millionen sein.

Noch vor meiner Krankheit sagte ich zum Bürgermeister und zum Rat mehrfach, überlegt doch bitte mal, was ist nachhaltig nach dieser Gartenschau? Was bleibt? Was müssen wir für Pflege etc. mehr aufwenden und was bekommen wir weiterhin an zusätzlichem Wert? Mit dieser Fragestellung wollte man sich aber nicht beschäftigen.

Ich frage mich also, was bleibt nach der Gartenschau mit diesen vielen Millionen an echter Nachhaltigkeit?

12. Wie gefällt Ihnen die neue Kurpromenade?

Die Planung läuft schon seit der Renz-Zeit. Da war ja Prof. Baldauf als Planer aus Stuttgart. Hier habe ich noch ein ganzes „Buch“ darüber. Sowohl er wie auch die KE haben gesagt, es kann nur so sein, dass die Parkflächen dahin kommen wo die Geschäfte sind. Diese Planung für ungefähr 80.000 Euro wurde später Makulatur. Jetzt wurde neu geplant, und jetzt muss der Besucher bzw. der Kunde zweimal über die Strasse gehen.

13. Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Stadtkernsanierung?

Diese läuft nun schon 15 Jahre. Das macht ja die Kommunalentwicklung, die KE von Stuttgart. Zuständig sind Frau Morar und Frau Krüger. Wir als Anlieger haben jetzt nur mit der KE zu tun.

14. Gartenschau. Wie schätzen Sie die Auswirkungen danach ein?

Ich würde mir wünschen und das habe ich auch dem Bürgermeister gesagt, macht nicht den gleichen Fehler wie in Nagold. Der Nagolder Oberbürgermeister sagte bei einer Veranstaltung im Kurhaus, er hätte selbst einen grossen Fehler gemacht. „Wir haben versäumt“, so meinte er, „die Gartenschau auch hinterher zu bewerben. Drei, vier Jahre weiter. Viele sagten mir, dann sieht das doch ganz anders aus, die Büsche, die Blumen etc. etc. alles noch prächtiger“.In Herrenalb ist es dasselbe. Die Sträucher werden alle im nächsten Frühjahr gesetzt usw., wie sieht das alles, zwei, drei Jahre nach der Gartenschau, aus?Der Oberbürgermeister erzählt uns also aus Erfahrungen von seinem Fehler. Diesen Fehler nicht zu machen, das würde ich mir wünschen.

16. Erst verschafft man sich von der Strassenseite her ein Blick in den Kurpark und jetzt stellt man diesen mit Kfz-Parkplätzen zu. Warum ist das so gekommen, obwohl ursprünglich anders geplant?

Ich kann es Ihnen nicht sagen.

17. Der Begriff "Kur" wird seit der Gesundheitsreform im Jahr 2000 in der medizinischen Rehabilitation nicht mehr verwendet. Dieses Wort „Kur“ ist nicht nur positiv besetzt. Wie sehen Sie das?

Den klassischen Kurgast gibt es nur noch in geschlossenen Häusern, heute sagt man Reha- Klinik dazu. Aber bitte unsere Strasse nicht umbenennen, das ist auch so was wie die „Mitte“ des Ortes. Doch zum Namen "Kurhaus", da könnte man sich schon was anderes einfallen lassen.

18. Die Betrachtungen zur anstehenden Gartenschau aus Sicht Ihrer Geschäftsmieter?

Die haben jetzt in der Bauphase ziemlich gelitten. Das muss klar gesagt werden. Man hätte sie seitens des Bürgermeisters viel mehr einbinden müssen, viel mehr Gespräche führen. Es war vermisst worden, dass der Bürgermeister mal vorbei kommt, zumindest moralisch Mut zuspricht. Das vermisst man sehr.

19. Wer sagt in Herrenalb, wo es lang geht?

Wahrscheinlich eher die Banken (Anm.Red.: Herr Mohr lacht.) Normalerweise muss der Stadtrat die Visionen haben. Aber auch der Bürger, das ist es ja, was mich jetzt beschäftigt. Vor einiger Zeit las ich im Staatsanzeiger in einer Glosse: Bürger, ihr müsst mutig sein, ihr müsst wieder sagen, ihr seid das Volk. (Anm.Red.: Staatsanzeiger Ausgabe 16/2016, Kommentar von Michael Schwarz „Mutig und unbequem sollt ihr sein!“)

Die Politiker suchen doch immer nur den kleinsten Nenner und keiner will dem anderen weh tun.

Aber es hat sich gottseidank etwas geändert. Vielleicht durch die Grünen im Land. Man will den Bürger schon mehr einbinden. Deswegen sagte ich auch zu Martin Knirsch, nächstes Jahr sind Wahlen, da können wir all dies doch einmal ein wenig dran messen.

20. Die Zukunft der Geschäfte in Herrenalb hängt wovon ab?

Dass man Chancen hat. Ich sage Ihnen ein Beispiel von Bad Krozingen, wo ich wegen meiner Herzgeschichte alle halb Jahre zum Check hinfahre. Dort hat man schon vor ungefähr 10 Jahren entschieden, keine Supermärkte mehr ausserhalb der Zentren zu genehmigen.Hier in Herrenalb kann man jetzt vor den Toren der Stadt alles abdecken. Was soll einer hier noch verkaufen? Viele ältere Menschen, die oft kein Auto haben, wünschen sich für den ehemaligen Schlecker-Laden wieder eine Einkaufsmöglichkeit im Zentrum für den täglichen Bedarf. Ein Betreiber konnte noch nicht gefunden werden.

21. Demokratie ohne Opposition ist undenkbar. Wo sehen Sie Opposition in Herrenalb?

(Lange Pause). Kann ich mit einem Satz sagen: Ich sehe da nichts.

22. Hätten Sie in Sachen Kurparkhotel anders entschieden?

Die Hotel-Nutzungsfestlegung war eigentlich damals unter Bürgermeister Traub mit dem Falkenstein-Areal schon falsch gelaufen. Als es zum Pflegehotel wurde, war mir klar, „Pflege“ steht vorne, „Hotel“ hinten. Die Grund-Idee fand ich nicht schlecht. Meines Wissens nach sind viele Holländer deshalb mit Bussen sogar zu uns gekommen. Das erscheint mir heute noch eine Marktlücke zu sein. Offenbar ist das aber bei der Paulinenpflege Winnenden nur nebenbei gelaufen. Ich war auch vehement dagegen, dass sich die Garageneinfahrt auf der Kurpromenade befindet und hätte dort viel lieber eine wunderbare Terrasse gesehen.

Wenn ich jetzt noch im Rat gewesen wäre, dann hätte ich gesagt: Aus, das ist es gewesen, die Zeiten ändern sich. Also zustimmen bevor was verfällt. Man kann es nicht aufhalten, man muss mit der Zeit gehen.

23. Braucht unser Land Zuwanderung?

Schauen Sie, ich bin ja auch Flüchtling. 80 Prozent der heutigen Flüchtlinge sind junge Leute und oft nur junge Männer. Bei uns damals waren es die Frauen, die flüchteten und aufbauten, die Männer waren im Krieg oder kamen nicht mehr zurück.

24. Macht Ihnen die derzeitige Berichterstattung über all die Amok- und Terrorfälle Angst oder denken Sie, die Welt kommt mit allem einfach „nur“ näher?

Als Frau Merkel davon sprach „Wir schaffen das“, war mir klar, dass es bei diesen unterschiedlichen Kulturkreisen, die nun aufeinander treffen, Probleme geben wird. Ich bin also eher überrascht, dass es so wenig Probleme gibt. Bei so viel Menschen, die zu uns gekommen sind.

Wir haben gute Kontakte nach Polen. Unsere polnischen Freunde sagen, wir sind in der EU noch nicht einmal alle integriert... Wir brauchen mehr Zeit. Die jungen Männer hier, die Flüchtlinge, sind zusammengefercht, ohne Arbeit, geballt aus anderen Kulturkreisen. Die sind anders aufgewachsen und und und. Nicht zu vergessen, wie lange gab es z.B. bei uns keine Gleichberechtigung usw.?

25. Worin liegt die Zukunft für Herrenalb?

Absolut im Landkreis Karlsruhe. Es ist doch nur ein Ur-Versäumnis, was wir jetzt korrigieren wollen. Karlsruhe hat die neuen Industrien, darin liegen die neuen Chancen.

26. Ging diese Bürgerinitiative anfangs nicht sehr altbekannt vor? Wollten da nicht auch wieder ein paar „alte Männer“ erst alles unter sich ausmachen?

Ja, da ist was dran. Ich hatte deshalb eine Vereinsgründung vorgeschlagen, um mehr Bürger sozusagen gleich mitzunehmen. Jetzt mit dem Entscheid müssen wir miteinander noch sehr viel mehr sprechen. Auch auf vorhandene Ängste eingehen, bevor diese in einer falschen Richtung instrumentalisiert werden.

27. Was würde sich mit einem Landkreiswechsel ändern und warum jetzt?

Wir haben im Vorfeld auch mit vielen in Ettlingen gesprochen, u.a. mit den vorigen Bürgermeister Offele, mit Dr. Vetter usw., die uns alle sagten, das muss man jetzt vor der Gartenschau in die Hand nehmen. Mindestens 80 Prozent der Besucher werden aus der Region Karlsruhe, Rastatt, Bruchsal kommen. Von Calw wird nicht viel kommen. Also, auch hier passt dann die Logik wieder von ganz allein zusammen. Vielleicht darf ich auch darauf verweisen, dass wir „älteren Männer“ das kaum noch für uns machen, sondern für Herrenalb.

28. Firmenansiedlung nach dem Landkreiswechsel?

Wir wurden in diesen Gesprächen auch auf die vielen vorhandenen Wirtschafts-Fördermöglichkeiten, also insbesondere für Firmenansiedlung im Landkreis Karlsruhe hingewiesen, die Herrenalb dann auch zugute kämen. Wir hätten also sehr viele neue Unterstützer und viele neue Möglichkeiten. Wir selbst besitzen viele gute Kontakte dahin.

29. Sie haben einen privaten Wunsch für sich frei.

Hm, ich bin angeschlagen und habe nach meinem Schlaganfall das Glück gehabt wieder fit zu werden. Ich werde nächstes Jahr 80 Jahre, da ist mir Gesundheit am wichtigsten.

30. Sie haben zwei Wünsche für Herrenalb frei.

Dass die Gartenschau doch ein Erfolg wird und man, wie der Oberbürgermeister von Nagold ausdrücklich hier betonte, man seinen Fehler mit der Nachhaltigkeit nach der Gartenschau nicht wiederholt. Ja, und natürlich als letzten Wunsch den Landkreiswechsel und dass ich das vielleicht sogar noch erleben kann.

Sehr geehrter Herr Mohr, wir bedanken uns bei Ihnen für das Gespräch. Auch Ihnen, sehr geehrte Frau Mohr, vielen Dank für die Gastfreundschaft.