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mit Volker Bardenheuer

(9.5.2016) Eine Interview-Reihe mit Bad Herrenalb im Fokus. Eine Stadt im Entwicklungsnotstand. Eine kleine Stadt mit Turbulenzen, die sie weit über die Region hinaus bekannt machten. Eine Stadt mit hohen Schulden. Eine Stadt, der ohne Vision und Konzept der finanzielle Kollaps droht.

Aber auch eine Stadt mit der Weltmarke „Schwarzwald“. Mit reichem Natur-Potenzial und einer liebenswerten Bürgerschaft. Mit vielen jungen und älteren Menschen. Mit Zuneigung von vielen Seiten. Bleibt also die Frage, wie geht es weiter?


Wir danken Herrn Volker Bardenheuer für seine Bereitschaft, dem Herrenalbforum Frage und Antwort zu stehen. Das ist nicht selbstverständlich. Es zeigt Zivilcourage und auch grosse Zuneigung zu unserem Herrenalb. Herr Bardenheuer ist Mechaniker bei Daimler und Bereichsleiter beim Roten Kreuz.

30 Fragen, 30 Antworten:

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1.                  Sind Sie Reingeschmeckter oder Einheimischer?
Reingeschmeckter. Komme ursprünglich aus Ettlingen. Dann von Bernbach nach Dobel nach Herrenalb. Ich bin also Badener, das ist allerdings schon sehr lange her.

2.                  Zur Schule gingen Sie in Herrenalb? Ab wann und danach?
Ab der 2. Klasse in Herrenalb. 1977. Hier in die Grundschule. Das war im Gaistal noch, da wo jetzt das Seniorenstift ist. Da stand so ein eckiger Bau, eigentlich nichts Schönes. Die Grundschule im Kloster, da war ich nur kurz. Anschliessend ging ich in die Dobeltalschule.

3.                  Ihr Nachname ist aussergewöhnlich, kennen Sie den Ursprung?
Die Wurzeln meines Vaters gehen nach Belgien. Er selbst ist in Deutschland geboren, aber die Familie stammt von dort. Ich lernte vor längerer Zeit einen Bruder von ihm kennen. Ich war ein kleiner Junge, da waren wir einmal dort. Mein Vater ist schon 1978 verstorben.


4.                  Was bedeutet Ihnen die ehrenamtliche Tätigkeit beim Roten Kreuz?
Sehr viel. Das ist irgendwie auch eine schwierige Frage. Sie bedeutet mir sehr viel, weil es überwiegend Positives gibt. Auf der anderen Seite frage ich mich manchmal, wir sammeln Geld, machen und tun, um für andere da zu sein. Das ist eigentlich etwas seltsam und kurios.

Meine persönliche Meinung ist, das Ehrenamt wird ein bisschen zu sehr vorgeschoben. Es ist immer toll, wenn die Ehrenamtlichen zur Verfügung stehen. Beispiel: In Sachen Flüchtlingskrise halfen wir einmal in der Erstaufnahmestelle Mannheim aus. Wir sind da dann eine Nacht unterwegs gewesen, mussten tagsdarauf freinehmen… Wissen Sie, irgendwann ist es ehrenamtlich auch gut, da geht es einfach nicht mehr. Man hat auch noch ein echtes Leben.


5.                  Das Rote Kreuz Herrenalb heisst DRK Ortsverein Bad Herrenalb/Dobel?
Richtig, so heisst es genau.


6.                  Was ist Ihr Beruf und wo arbeiten Sie?
Ich bin Kfz-Schlosser, arbeite bei Daimler in Wörth, im Fahrversuch-Sonderfahrzeuge, also Entwicklung und Versuch.

7.                  Sie joggten längere Zeit in der Schweizer Wiese?
Ja, das war so. Aus gesundheitlichen Gründen geht das leider nicht mehr, da mein Rücken Probleme verursacht. Ich habe was ganz „Tolles“, was eigentlich eher nicht gut ist, ich besitze einen Lendenwirbel zu viel. Normalerweise hat man ja eher irgendwas zu wenig. Dieser Lendenwirbel drückt bei mir gegen die Bandscheibe. Da ist Joggen also Gift.

Eine Zeitlang spielte ich auch wieder Fussball bei den Alten Herren. Das war leider auch nicht gut und musste es recht schnell wieder sein lassen, was sehr schade ist. Seit über einem Jahr geniesse ich dafür fast täglich mit meiner Frau einen Spaziergang in Herrenalb. Da kann man auch immer sehen, was es Neues gibt. Hin und wieder fahren wir auch mit dem Rad. Immer eine überschaubare Strecke, Richtung Ettlingen zum Beispiel, aber auch im Dobeltal am Wildgehege vorbei.


8.                  Der letzte Teufelslauf ist 8 Jahre her. Glauben Sie immer noch, meine kritische Haltung baut einzig auf diese Erfahrung?
Meinen Sie kritische Haltung gegenüber der Stadt? Ich könnte mir vorstellen, dass ein gewisses Mass an Frust dabei ist, was völlig normal ist. Wenn man tun möchte, was bewegen und es fehlt die nötige Rückendeckung, wobei ich nicht den notwendigen Einblick habe, aber sicher, das frustiert. Aber insgesamt, nein, so schätze ich Sie nicht ein.

9.                  War die Sportveranstaltung Teufelslauf für Herrenalb überhaupt sinnvoll?
Die war gut und schön. Mir hatte nur die Aufteilung mit Herrenalb und Dobel nicht gefallen. Als hier unten in Herrenalb auf der Schweizer Wiese Start und Ziel war, das fand ich gut.

10.               Die Landschaft um uns herum - nehmen Sie diese, wenn man so lange hier wohnt - überhaupt noch wahr?
Sagen wir mal so, der richtige „Naturbursche“ bin ich wohl nicht. Ich geniesse gerne das Leben. Bin gerne mal in der Stadt, lebe aber auch gerne hier in Herrenalb. Herrenalb dürfte nur etwas belebter sein.

11.               Dobeltal oder Gaisbachtal, welches ist schöner?
Au, das ist schwierig. Ich laufe natürlich mehr im Dobeltal. Immer an diesem Bachlauf entlang, auch das Wildgehege, hinten auch der Neuwiesenhof – und wenn dort auch noch „zufällig“ ein Fest ist…

12.               Stört Sie das alte rostige Kesselhaus auf dem Theurer-Areal?
Na ja, eine Schönheit ist es nicht. Als man dort gebaut hat, war mein Wunsch gewesen, dieses Kesselhaus herzurichten oder eben abzureissen.
Ich las in der Zeitung von dem Plan eines Cafés und dass der Technische Ausschuss das Anliegen vertagte, weil wieder einmal irgendwas unklar sei.
Schade, denn, wenn man dort ein Café baut, was wie ich finde, irgendwie da hinpasst, dann würde sich auch die Problematik mit dem nicht ganz so schönen Kesselhaus erledigen.

Man muss eigentlich froh über jeden sein, der hier in Herrenalb was machen will.


13.               Ihre Arbeit, dann Ihre Tätigkeit als Bereitschaftsleiter beim Roten Kreuz. Für was bleibt da noch Zeit für die Familie?
Ja, Familie. Wie gesagt, da ist diese Stunde, die wir versuchen, jeden Tag spazieren zu gehen oder auch gemeinsam etwas anderes zu unternehmen. Ansonsten bleibt schon viel zu Hause liegen, Renovierung und so weiter.

Meine Tochter ist 13 Jahre alt und hat mich schon ein paar Mal gefragt, warum machst du das überhaupt? Kriegst du Geld dafür, dass wir damit mal irgendwohin hin können oder wenigstens ein Eis essen? Ich musste antworten, nein, wir kriegen nichts dafür, das ist rein ehrenamtlich. Danach kam, dann suche dir doch ein Hobby wo du Geld verdienst. Du bist so oft weg für das Rote Kreuz.


14.               Hat der neue DRK-Gerätewagen Sanität nach mehr als 2 Jahren inzwischen eine Garage gefunden?
Nein, da sind wir jetzt an einer neuen Lösung, oberhalb der Wache. Optisch nicht so schön, denn eine Garage für eine Lkw ist nicht gerade klein. Die andere angebotene Variante weiter unterhalb können wir uns nicht leisten. Wir müssen das finanziell selber stemmen, also mit Spendengeldern und Eigenarbeit.

Die vorige Lösung bei der Feuerwehr, die man uns zugesagt hatte, ist dann doch nicht zustande gekommen. Jetzt also die nicht ganz so schöne Lösung, für die gerade ein Bauantrag läuft. Wir hoffen, dass der durchgeht und wir das finanziell hinkriegen…


15.               Warum ist Blutspenden so wichtig?
Weil eine Blutkonserve maximal vier Tage hält. Danach ist sie für den eigentlichen Zweck unbrauchbar und kann nur noch für verschiedene Präparate genutzt werden. Man sollte nicht vergessen: Jeder kann mal in die Situation kommen, von heute auf morgen, von jetzt auf nachher, dass er Blut braucht.


16.               Welche Haltung haben Sie zur AfD? Verstehen Sie Menschen, welche diese Partei wählen?
Da verstehe ich nur die Menschen, die das aus Frust tun. Also Frustwähler. Ich verstehe diese Politik überhaupt nicht. Die hat für mich keinen Inhalt. Diese Leute bieten auch keine Lösungen an.

Ich finde Angela Merkel sehr gut, oft hat sie recht gehabt. Aber in letzter Zeit kann ich deren Politik nicht mehr so ganz nachvollziehen. Ich persönlich habe jetzt eher ein schlechtes Gefühl mehr und ich habe schon Angst, was da mit unserem Land passiert. Bei den Flüchtlingen sind sicherlich viele dabei, die unsere Hilfe brauchen – aber auch viele, die uns nur ausnützen.


17.               Der Badeparadies-Traum ist woran gescheitert?
Im Nachhinein möchte ich sagen, an der Blauäugigkeit von den Herren der Stadt, die mehr Einblick hatten. Wir selbst hatten doch nur dem zustimmen können, was man uns gesagt hatte – oder was man lesen konnte.

Dass da nichts dahinter stand, wusste man lang nicht. Das war schade, denn ich war ein absoluter Befürworter. Ich denke, alles was nach Herrenalb kommt, der Stadt nur gut tut – auch wenn das mit dem Badeparadies doch schon sehr, sehr gross geworden wäre. Dass daraus überhaupt nichts wurde, war mehr als peinlich. Da kann man niemand rausnehmen, denn so blindlings kann man doch nirgends reinlaufen.


18.               Sie waren für das Badeparadies aber gegen REWE, warum?
Ich war nicht generell gegen REWE, sondern gegen den Standort. Da war meine Angst, diese Stadt wird damit „leer“ gezogen. Ja, ich hatte das damals auch so geschrieben, einige kleine Läden würden eben „leer“ gezogen. Mittlerweile sind ja auch einige Läden verschwunden, ob letztendlich wegen REWE, kann ich nicht beurteilen.

Es war mal die Idee, da wo die Grundschule, die Turnhalle steht, dort was entsprechend zu machen, also mitten in die Stadt hinein. Das hätte ich Klasse gefunden, auch für die Klosterstrasse.


19.               Warum wollte die damalige CDU-Landesregierung den Landkreis Calw auflösen?
Davon weiss ich nichts. Könnte ich mir auch nur schwer vorstellen.

20.               Ist Kritik eine Grundfunktion der denkenden Vernunft?
Ja, muss sein. Wenn es keine Kritik geben würde, wenn wir nichts kritisierten, alles immer nur so hinnehmen würden, zu allem Ja und Amen sagen, das wäre ganz, ganz schlecht. (Konstruktive oder destruktive Kritik, ist das nur eine Frage des Betrachters?) Ja klar, denn in erster Linie geht man nun mal nach der eigenen Sichtweise. Ab und an braucht man etwas länger, um einzugestehen, das „Andere“ ist auch nicht schlecht, ist auch nicht falsch, ist vielleicht sogar besser. Die Frage ist dann nur, ob manche von ihrer Sichtweise lassen, obwohl sie jetzt wissen, dass diese falsch ist.


21.               Die kleine Gartenschau ist nach 120 Tagen vorbei. Was ist dann anders?
Also zumindest einmal das Ortsbild. Das Stadtbild ist etwas anders. Ja, hm, was ist dann noch anders? Ich weiss nicht, ich bin mir nicht sicher, ob die Herrenalber mehr zusammenrücken oder sich noch mehr entzweien.

Ich hoffe natürlich, dass wir danach nicht doch noch einige Baustellen offen haben oder irgendwas entsteht, was nachher nicht mehr bewirtschaftet werden kann. Das wäre so ein wenig meine Angst, dass es insgesamt so wird.
Es ist eine Gefahr alles so auf die Gartenschau zu fokussieren. Zum Beispiel mit dem Minigolfplatz, der weg muss. Keine Frage, es ist nicht der Schönste, aber gerade im vorigen Jahr war da richtig was los. Viel Möglichkeiten mit Kindern hat man ja hier nicht. Und jetzt macht man den einfach mal weg, weil er nicht mehr reinpasst oder ein Weg da lang muss. Und vielleicht gibt es dann wieder einmal, irgendwann einen Investor…

Die Gartenschau ist nicht das Allheilmittel, dieses Denken halte ich für gefährlich.

Schön finde ich den neuen Blick in den Kurpark. Dieses Offene ist toll, auch das neue Bachbett mit den Steinen, doch, das wird schon sehr schön. Andererseits erschlägt mich aber auch schon dieser Steinpark, diese Steinflächen. Nur noch Steine im gleichen Stil, das macht mir Sorge.


22.               Gehört zur Demokratie auch das Hinnehmen von Mehrheitsentscheidungen?
Das ist nun mal so und ist auch richtig.

23.               Wie sehen Sie im Nachhinein die Auseinandersetzung beim „Badeparadies“ ?
Es waren lange und harte Auseinandersetzungen und hat schon einen Keil zwischen die Einwohner getrieben, aber ich denke doch, dass alles im fairen Bereich abgehandelt wurde. Unter der Gürtellinie war da nichts und das ist auch gut so. Es war auch nie so, dass man sich aus dem Weg gegangen ist oder sich nicht mehr gegrüsst hat.

24.               Nehmen wir an, Sie hätten einen grossen Wunsch für Herrenalb frei, wie würde der lauten?
Dass Bad Herrenalb belebter wird, mehr Menschen, mehr Leben, Läden, Cafés, Restaurants und Übernachtungsmöglichkeiten erhalten bleiben, bzw. entstehen. Natürlich auch das Thermalbad. Hier wäre ein direkt angebautes Hotel nicht schlecht.

25.               Warum gab es die Entscheidung gegen den Nationalpark?
Ich glaube, viele hatten Angst, sie könnten dann nicht mehr in den Wald, auch kein Holz herausholen, Arbeitsplätze vielleicht verlieren, oder einfach eingeschränkt zu werden.

26.               Sie hatten sich kürzlich als Calw-Anhänger geoutet, Können Sie sich vorstellen, dass manche Herrenalber anders denken und auch warum?
Ja sicher, vorstellen kann man sich alles. Ich selbst habe da meine Bedenken. Im Landkreis Karlsruhe wären wir auch nur am Rande.

Aber für unser Rotes Kreuz wäre das nicht so gut, denken sie nur an die vorhandenen Strukturen. Sollte dann auch noch der DRK Kreisverband wechseln – also von KV Calw nach KV Karlsruhe, stünden wir vom DRK Ortsverein mit nichts mehr da.

Auch die Argumente in den Flyern – daran ändert doch ein Landkreiswechsel nichts. Sehen sie, wer hier ins Krankenhaus muss, wird doch eh nach Neuenbürg, Langensteinbach oder Karlsruhe gebracht und nicht nach Calw oder Nagold. Die Autobahnanbindung ändert sich ebenso wenig, wie das Bähnle weiterhin in Bad Herrenalb umdreht und das Tal wieder runter fährt. Was dann mit uns insgesamt passiert, weiss doch niemand.


27.               Ihre Kritik am Herrenalbforum? Was gefällt Ihnen nicht?
Das habe ich nie gesagt. Ich muss gestehen, auch noch nie hineingeguckt zu haben. Was ich jetzt aber mal machen werde.

28.               Nach der Gartenschau wird die Pro-Kopf-Verschuldung in Herrenalb bei fast 4000 Euro liegen. Was heisst das?
Dass wir uns nichts mehr leisten können und wir noch lange auf unseren maroden Straßen durchgeschüttelt werden.


29.               Was ist mit den Immobilien Kindergarten Regenbogen und der Alten Schule hinter der ehemaligen Gaststätte „Linde“ inzwischen geschehen?
Da weiss ich auch nicht viel, ausser dass bei der Linde hinten auch Flüchtlinge in der Schule untergebracht sein sollen.

30.               Wie wird Herrenalb in 10 Jahren dastehen?
Hoffentlich mit weniger Schulden und weitaus belebter, was aktuell nur schwer vorstellbar ist.


Herr Bardenheuer, wir danken für das Gespräch.

Texte in Klammern sind Zwischenfragen.
Alle Fragen sind unvorbereitet im Interview gestellt.