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mit Oliver Broschart

(2.5.2016) Eine Interview-Reihe mit Bad Herrenalb im Fokus. Eine Stadt im Entwicklungsnotstand. Eine kleine Stadt mit Turbulenzen, die sie weit über die Region hinaus bekannt machten. Eine Stadt mit hohen Schulden. Eine Stadt, der ohne Vision und Konzept der finanzielle Kollaps droht.

Aber auch eine Stadt mit der Weltmarke „Schwarzwald“. Mit reichem Natur-Potenzial und einer liebenswerten Bürgerschaft. Mit vielen jungen und älteren Menschen. Mit Zuneigung von vielen Seiten. Bleibt also die Frage, wie geht es weiter?


Wir danken Herrn Oliver Broschart für seine Bereitschaft, dem Herrenalbforum Frage und Antwort zu stehen. Das ist nicht selbstverständlich. Es zeigt Zivilcourage und auch grosse Zuneigung zu unserem Herrenalb. Herr Broschart ist Dipl.-Sozialwissenschaftler und Studienberater an der Hochschule Karlsruhe.

30 Fragen, 30 Antworten:

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1.           Sie sind jung, wie alt genau bitte?
Bald 37 Jahre. (Sie sehen aber wesentlich jünger aus.) Ja, stimmt, ich gehe noch als Langzeitstudent durch. (Er lacht.) Heute muss man ja sagen, wahrscheinlich ist Langzeitstudent ab dem zehnten Semester, früher war es das zwanzigste.

2.           Ihr Beruf ist Studienberater oder Diplom-Sozialwissenschaftler?
Mein Beruf ist Studienberater. Ich habe Sozialwissenschaften studiert. Das war nicht schädlich für das was ich mache, weil ich viel mit jungen Menschen zusammenarbeite. Überwiegend habe ich mit Menschen zu tun, die Probleme mit dem Studium haben. Wir beraten jedoch in unserer Studienberatungsstelle auch Leute, die noch studieren wollen. Das ist dann Präventivarbeit, um eben keine Probleme mit dem Studium zu bekommen.

(Kann man das an bestimmten Semestern festmachen?) Ja, Probleme gibt es überwiegend in den ersten Semestern. Der Übergang Schule – Hochschule ist für viele gravierend und wird immer gravierender, da die Leute immer jünger geworden sind, wenn sie mit dem Studium angefangen haben. Es gibt keinen Wehr- und keinen Zivildienst mehr, teilweise sind die Betreffenden 17, 18, wenn sie mit dem Studium anfangen. Ich habe überwiegend, durch die Relevanz von Ingenieurwissenschaften, mit jungen Männern zu tun, die also noch teilweise in der Entwicklungsphase stecken.

3.           Wo fing es an, wo gingen Sie zur Schule?
Ich bin in Kaiserslautern zur Schule gegangen. Natürlich Grundschule, Pestalozzi-Schule. Danach zur Röhmschule und anschliessend zum Hohenstaufen-Gymnasium. (Sie sind also Pfälzer, sprechen aber keinen Dialekt.) Das liegt vielleicht daran, dass ich in Mannheim lebte, in Frankfurt… Daheim wurde auch wenig oder gar kein Dialekt gesprochen.

4.           Wie muss man sich Ihr damaliges Zuhause vorstellen?
Vor allem sind wir viel umgezogen. Wenn Sie so wollen, ist der Umzug nach Herrenalb der 15. in meinem Leben. Besonders geprägt hat mich die Zeit in einem kleinen Ort im Pfälzerwald, Schmalenberg. Dort habe ich fünf Jahre in einem etwas älteren Haus gemeinsam mit den Eltern gelebt, hatte das ganze obere Stockwerk mit zwei Zimmern und einem herrlichen Ausblick in die Ferne für mich. D.h. im Sommer heiß, im Winter kalt… .

5.           Sie studierten in Mannheim?
Was ich studierte, gab es damals nicht so oft, z.B. nur in Köln und eben in Mannheim. Ich war zuerst ein Semester in Saarbrücken und fing das Lehramt mit Deutsch/Französisch an. Stellte dort aber fest, dass mir weder dieses Studium und womöglich auch der Beruf keinen Spass machen würden. Das war für mich mit 19, 20 richtige Neurorientierung und so landete ich dann eben bei den Sozialwissenschaften.

6.           War der Weg nach dem Studien-Abschluss gleich nach Karlsruhe?
Eigentlich ja, das war zum einen partnerschaftlich bedingt und zum anderen war ich dann, wie es sich für einen Sozialwissenschaftler gehört, erst einmal arbeitslos. Ich arbeitete nebenher für die Forschungsgruppe „Wahlen“. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich über ein Praktikum in die Studienberatungsstelle der Universität kam, mich dort mit Vertretungen und 3-Monats-Verträgen hochhangelte und dann vom Rektorat von der Universität eine Vollzeitstelle angeboten bekam. Da war ich 4 Jahre und hatte danach das Glück, neben dem „Eifer“ der KIT-Fusionierung zwischen Forschungszentrum und Universität, an die Hochschule Karlsruhe wechseln zu können.

7.           Berufung oder Broterwerb?
Sozialwissenschaften zu studieren, ergibt noch kein klares Berufsbild. Da hätte zwischen Taxifahrer und Politiker alles herauskommen können. Ich wollte schon in die Erwachsenenbildung und bin nun sehr zufrieden bei der Studienberatung. Ein bisschen Lehramt, Wissen vermitteln, Leute unterstützen, das Soziale steckt mit drin. Insofern ist mein Studium-Wissen mit Soziologie, Politik und Erziehungswissenschaften eine gute Grundlage. Das macht mir alles sehr viel Spass.

8.           Sie hängen sich in Herrenalb mit Ihren Meinungen aus dem Fenster? Ist das normal?
Irgendwann habe ich gemerkt, dass mir Herrenalb schon sehr am Herzen liegt. Herrenalb hat mehr Potenzial, als die Menschen, die es führen, daraus machen.

9.           Sie haben kein Auto. Aus Geiz oder mangels Parkplatz in Karlsruhe?
(Er lacht.) Direkt neben meinem Haus am Rennberg ist auch ein Parkplatz. Ich glaube aber, nicht zum Autofahren berufen zu sein und denke auch, ich brauche es nicht. Es ist auch ein bisschen „grünes“ Bewusstein.

10.        Warum bauten Sie gerade in Herrenalb Ihr erstes Haus?
Ich wohnte vorher in Ubstadt und lebte dort zur Miete in einer Doppelhaushälfte. Da störte mich einiges - fand aber vorher kein Grundstück, welches finanzierbar gewesen wäre.

Rein zufällig stiess ich auf Herrenalb. Wenn man in Immoscout nach Grundstücken sucht, kriegt man natürlich für den Landkreis Karlsruhe nicht Calw angezeigt. Damit wären wir natürlich wieder bei dem jetzigen Thema.

Es war dann reiner Zufall, dass ich auf Herrenalb stiess, schaute was es da kostet und bin dann tatsächlich zu Herrn Schwarz. Mit dem schaute ich mir das Grundstück an, bin danach am Wochenende nochmals zum Rennberg und da fiel dann meine Entscheidung, ja, das mache ich. Da ich allein bauen wollte, ging es anschliessend an die Finanzierung. Das war nicht einfach und hat auch mit dem Baseler Abkommen (Basel III) von 2010 zu tun. Der vierte Finanzierer hat es aber hingekriegt.

Eine Zeitlang lebte ich in Eberbach bei Heidelberg im Odenwald. Hier finde ich es noch etwas idyllischer, aber auch weniger erschlossen. Das ist ein Nachteil. Aber irgendwie kam es mit dieser Erinnerung an Eberbach zu dieser Entscheidung.

11.        Wie ist die Rennberg-Nachbarschaft, fühlt man sich angekommen?
Ja, ein bisschen. Die Reihe, in der ich wohne, wird jetzt immer voller, da stehen, so glaube ich jetzt, 7 Häuser. Insgesamt dürften es wohl nun 20 Häuser sein.

Hingezogen sind wohl weniger die, die man haben wollte - aber ein paar Zugereiste sind schon dabei.

12.        Landkreis Calw oder Landkreis Karlsruhe?
Im Zweifel Landkreis Karlsruhe. Ich frage mich, ob dieser Landkreis uns aufgrund unserer Verschuldung möchte. Was hat der Landkreis Karlsruhe für ein Interesse daran, sich eine Stadt „einzuverleiben“, die nach der Gartenschau mehr als 20 Millionen Schulden hat?

13.        Was ändert die Gartenschau in Herrenalb?
Wir kriegen ein neues „Bild“, aber das sehen die Leute, die von aussen kommen, nicht. Sie sehen Herrenalb so wie es dann ist, kannten es aber vorher auch nicht. Da ist insofern also nicht wirklich etwas Innovatives.

14.        Sie haben einen schönen Satz frei in bezug auf das Herrenalbforum und einen hässlichen.
Ich finde die offene Kritik sehr, sehr gut. Das ist, so glaube ich, auch Transparenz. Das schadet dieser Hinterzimmerpolitik, die hier betrieben wird, definitiv überhaupt nicht. Es zwingt vielleicht auch den einen oder anderen zu Lippenbekenntnisse, die er sonst nicht tun würde.

Mir ist es vielleicht manchmal zu bissig – aber das soll es vielleicht auch. Es ist ja parteilos, insofern darf man auch bissig sein. Es hat auch schon was Satirisches, Glossenhaftes – aber deswegen gibt es ja auch die Glosse zum Beispiel. Insofern, warum also nicht?


15.        Wenn Sie für den Rennberg werben sollten, was wären Ihre ersten zwei Sätze?
Unberührte Natur, die Tiere, die man dort live erleben kann. Es ist schon erstaunlich, wenn morgens das Reh durch den eigenen Garten läuft oder der Fischreiher zu sehen ist. Der traumhafte Ausblick, der Wald. Natürlich ist auch das Klima ideal. Wenn man im Hochsommer z.B. in Karlsruhe 39 Grad hat und hier 32, dazu ein leichter Wind. Das alles ist Qualität.

16.        Sie standen einmal in näheren Kontakt zum Bürgermeister, was war da passiert?
Ich hatte nur mal einen Vorschlag gemacht, das seinerzeit noch leere Grundschulgebäude betreffend. Es war die Idee einer Kollegin aus Marxzell, in der Region fehle so ein richtiges Sport-Bewegungs-Ernährungs-Zentrum, dazu müsse man bislang nach Pforzheim oder Karlsruhe fahren. Das würde doch als Gesundheitsthema ideal zu Herrenalb passen. Dazu gab es von uns ein kleines Konzept, so auf einer Seite. Darauf erfolgte eine Einladung. Als ich dann später einen Termin machen wollte, hiess es nur, nein, anderweitige Pläne vorhanden. Wie ich danach erfahren habe, hatte man für die Zukunft schon andere Pläne in Sachen Rathaus.

17.        Sie gehen jeden Tag zu Fuss vom Rennberg zum Bahnhof und abends zurück. Mit welcher Musik entspannen Sie?
Unterwegs höre ich keine, da fürchte ich, ich würde vielleicht den Ausstieg aus der Bahn verpassen. (Herr Broschart lacht.) Und so, also zuhause, höre ich überwiegend klassische Musik, SWR 2. Wenn ich selbst auswählen kann, dann landet es in der Spätromantik bei Tschaikowsky, aber auch bei Schumann, also frühere Romantik. Als Sternzeichen Zwilling, mit den zwei Seiten, passt es wohl auch ganz gut mit Beethoven. Und in den letzten zehn Jahren habe ich eine große Vorliebe für geistliche Musik entwickelt. Kein Sonntag ohne Bach-Kantate!

18.        Warum plädieren Sie für Flüchtlingsunterstützung?
Ganz einfach, weil es unsere Aufgabe ist als wohlhabendes Land. Auch im Hinblick auf unsere Vergangenheit. Auch wenn ich einigermassen jung bin und das alles nicht erlebt habe, glaube ich doch, dass ich als Deutscher immer die Aufgabe habe, im Sinne von Demokratie zu handeln und das was war, siehe Drittes Reich, nicht zu vergessen.

19.        Wie empfinden Sie die Herrenalber Gesellschaft? Homogen oder disharmonisch oder ganz anders?
Das ist schwer zu sagen. Ich bin da, so glaube ich, aussen vor. Das liegt mit Sicherheit auch an mir. Ich lebe auf meinem Rennberg, gehe morgens aus dem Haus, fahre nach Karlsruhe, komme abends wieder, da bleibt kaum Zeit. Alle meine Freunde leben nicht in Herrenalb, sondern Gott weiss wo.

Was mir auffällt, wenn ich mal im Café oder im Restaurant oder sonstwo hier bin, es fehlt mir hier ein bisschen die „Macher-Qualität“, also dass mal jemand aufsteht und sagt, wir machen mal was anderes. Mein Eindruck ist, man nimmt alles so wie es ist und erhöht die Preise immer mehr. Allein, wenn ich an die Preise hier in Cafés denke, selbst in Heidelberg kann man günstiger ins Café gehen. Ich glaube, das sagt schon was aus. Das sind so meine ersten Eindrücke.

20.        Was würde sich mit dem Landkreiswechsel als erstes ändern?
Eine gute Frage. Das einzigste was mir einfällt, ist die Sichtbarkeit, dass man von Karlsruhe aus Herrenalb auch stärker wahrnimmt. Natürlich die Einrichtungen des täglichen Bedarfs, die Ämter usw. wären näher. Manche in der Nachbarschaft hätten vielleicht auch keine Probleme ihre Kinder nach Herrenalb zu schicken statt nach Ettlingen.

21.        Technologie-Standbein Herrenalb, zu hoch gegriffen oder machbar?
Kann ich mir durchaus vorstellen. Gesundheit spielt ja hier eine grosse Rolle oder hatte es zumindest. Warum also nicht ein wenig Medizintechnik. Wir haben viele Hochschulen in Karlsruhe und eine in Pforzheim. Das „Silicon Valley“ vom Nordschwarzwald wie kürzlich mit Freudenstadt ist vielleicht ein wenig übertrieben. Aber immerhin, das sind Ideen. Wie auch die Medizintechnik in Tuttlingen, die zur Hochschule in Furtwangen gehört.

Es muss ja auch nicht Medizintechnik sein. Da existieren genügend andere Forschungsthemen. Und dazu müsste man einfach mal in Verhandlungen gehen. Herrenalb liegt an einem Knotenpunkt zwischen Pforzheim und Karlsruhe, wir könnten ein Grundstück für eine solche Forschungsstätte anbieten. (Herr Broschart lacht.) Soweit ist es ja nicht, ich fahre auch jeden Tag diesen Weg.

22.        Das jetzige Gartenschauhaus wird Rathaus?
Ich denke. Was soll sonst daraus werden?

23.        Hohes Defizit bei der Therme, hohes Defizit beim Kurhaus, hohes Defizit beim Tourismus. Einverstanden?
Was gibt es da schön zu reden. Dass man das Kurhaus jetzt noch renovieren will, das war mir jetzt überhaupt nicht mehr beizubringen. Da war ich sofort dagegen.

Ich kann verstehen, wenn sehr viele an der Therme hängen. Da bin ich selbst auch gespalten. Wenn diese Therme wegkommt, egal wie, dann gibt es noch weniger Anreiz nach Herrenalb zu kommen. Dann lieber das Waldschwimmbad schliessen. Man muss nur mal an einem normal warmen Tag in Ettlingen ins Albgaubad schauen, um zu sehen, wie ein Schwimmbad funktionieren soll, was es bieten muss. Ich komme aus einer Familie, die ein Schwimmbad besessen hat und weiss wie es aussieht, wenn 10.000 Menschen an einem sonnigen Tag ein solches Bad besuchen.

Wir haben einfach keine alternativen Konzepte. Keine zündende Idee. Aber vielleicht gibt es genügend. Ich hatte ja mal selbst geschrieben bzw. vorgeschlagen, in diesem Ort oder mit diesem Ort ein Eldorado für ältere Leute zu schaffen. Wir haben all diese klimatischen Vorzüge dafür.

Alternative Wohnformen als neue Ideen gehören dazu. Wir sind nicht die einzige Kurstadt, die Probleme hat – und wir stehen alle im Wettbewerb. Da ist jede Minute, die man zögert, verloren. Das ist das Gefährliche daran. Das lernt man übrigens auch in der Studienberatung. Wer zu lange zögert, verliert.

Das hatte ich selbst an der Hochschule gelernt, wo ich meine Stelle so aufbaute, dass wir quasi unverzichtbar und wertvoll wurden, was man übrigens auch honorierte. Natürlich gehört auch eine gute Portion Glück dazu. Ich halte es aber für essentiell, am richtigen Ort und zum richtigen Zeitpunkt strategisch zu denken und zu handeln. Wenn man solch einen Ort wie hier voranbringen will, muss man konzeptionell denken. Das grosse Ganze sehen und danach zum Detail übergehen.

Ich finde es schade, dass die Stadt einem als Bürger nicht die Möglichkeit gibt, genau das zu tun. Ein Beispiel ist gerade Villingen-Schwennigen mit seinem „Mach mit!“ und „Wie stellst Du Dir Deine Stadt in den nächsten 10 Jahren vor?“

Mich wundert es nicht, dass hier an der Gartenschau so wenig teilnehmen. Wenn man so anfängt... (Herr Broschart schüttelt den Kopf.)

24.        Was müsste Landrat Riegger zusätzlich aufweisen, um Ihr Vorbild zu werden?
Ich kenne ihn zu wenig. Da kann ich mir keine Meinung leisten.

25.        Therme schliessen oder immer noch warten? Und wenn, auf was?
Warten bis die Gartenschau zu Ende ist. Aber dann muss eine Entscheidung fallen. Wir werden jetzt in den sauren Apfel beissen mit nochmals zwei Millionen Defizit. Vielleicht findet sich anlässlich der Gartenschau doch noch ein Investor, was ich aber unter dieser Führung bezweifle.

26.        Sie nannten Anfangs des Jahres in einem Leserbrief 3 Punkte, die Ihrer Meinung nach zusammenkommen müssten, um Herrenalb nach vorne zu bringen: 1. Mehr als nur blosse Kernstadtsanierung. 2. Mehr als nur Einmaleffekt wie Gartenschau. 3. Mehr als nur Internetausbau ohne Unternehmensansiedlung. Immer noch dieser Meinung?
Ich muss ganz ehrlich sagen, nach diesem Bäder-Desaster hätte ich es eigentlich für normal empfunden und als völlig überfällig, dass man als Bürgermeister zurücktritt. Dass das nicht passiert ist und keinerlei vernünftige Aufarbeitung erfolgte, finde ich schon mehr als merkwürdig. Auch übrigens, dass sich kaum jemand darüber aufregt.

Auch wie jetzt im Gemeinderat Aufträge an Gemeinderäte vergeben werden, ist mehr als verwunderlich und sich darüber auch niemand aufregt. Noch nicht mal die Presse.

Aber um Ihre Frage zu beantworten: Ja, ich bin immer noch dieser Meinung.

27.        Ihrer Ansicht nach „pfeift“ der Bürgermeister auf die Einbindung der Bürger, auf deren Humankapital, also deren Verstand. Dabei kann doch jetzt am 14. Mai jeder Bürger auf Kosten der Stadt einen Blumenkasten bepflanzen und nach Hause tragen.
Vielen Dank, aber ich werde keinen Blumenkasten nach Hause tragen. Es kann nicht nur sein, dass die Bürger dann wichtig sind, wenn sie Wohlfühlatmosphäre schaffen. Sie müssen auch Dinge kritisch begleiten und hinterfragen dürfen. Das gehört einfach zur Demokratie hinzu. Und ob es manchen Leuten passt oder auch nicht – die Schnauze lassen wir uns gottseidank nicht mehr verbieten.

28.        Etliche Gemeinderäte finden die Informationspolitik vom Rathaus, so hiess es mal im vorigen Jahr wörtlich, beschissen. Kann man die ändern?
Natürlich hat der Gemeinderat dafür Druckmittel. Dafür muss er sich allerdings auch einig sein. Ich sehe auch keinen Grund, warum er die Türen ständig auf und wieder zu macht, also öffentliche und nicht-öffentliche Sitzungen abhält. Man könnte wunderbar Schaufensterpolitik im wahrsten Sinne des Wortes machen – wenn man wollte.

29.        Das Herrenalbforum zitierte kürzlich den Philosophen Karl Popper in Sachen Aktivismus, als Neigung zur Aktivität und Abneigung gegen Hinnehmen. Kann man nicht einfach nur aktiv zu Hause sitzen und hoffen, oder?
Nur hoffen? Dann ändert sich nichts.

30.        Helfen Sie uns bitte. Wen würden Sie sich als nächsten Interviewpartner des Herrenalbforums wünschen? (Seine Vorschläge halten wir hier natürlich geheim.)

Herr Broschart, wir bedanken uns für das Gespräch.

Alle Fragen sind unvorbereitet im Interview gestellt.