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SCHLIMME RUHE
INTERVIEW
MIT DEM BÜRGERMEISTER VON HERRENALB

HF: Herr Bürgermeister, wenn Sie jetzt auf Ihre Amtszeit zurückschauen, welche Fortschritte erkennen Sie?

Bürgermeister: Schon einige. Schauen Sie, es war nicht leicht. Wir mussten nicht nur bei Null anfangen, sondern mit noch weniger. Die Schulden erdrückten. Die Stadt strauchelte gerade noch so an einer Haushaltssperre durch die Kommunalaufsicht vorbei.

HF: Spielt der Tourismus noch eine Rolle? Das Stadtbild hat sich doch sehr verändert. Dieses Idyll, diese Kleinstadt-Romantik, die doch viele Menschen immer mehr suchen, scheint uns ein wenig der allseits üblichen Modernität geopfert. War das zuträglich?

Bürgermeister: Das ist von beiden Seiten zu sehen. Gottseidank stehen noch viele wunderbare Bäderstil-Villen. Nicht alles wurde dem Erdboden gleich gemacht. Ja, und den Tourismus...

...den ich meine, hängen wir nicht hoch, der läuft von ganz allein mit unseren neuen Bürgermodellen. Wir verfügen inzwischen über mehrere WohnenPlus-Angebote mit weitbekannten, seriösen Trägern wie EHS, Caritas und Diakonie, aber auch zwei privaten Investoren, die fabelhafte Wohlfühl-Domizile, kleine und grosse Wohnungen, also für fast jeden Geldbeutel, anbieten.

HF: Was meinen Sie mit "mitlaufend"?



BM: Der erhebliche Einwohnerzuwachs entstand und entsteht aus den vielen zugezogenen Best Agers, früher sagte man Senioren. Das will heute keiner mehr hören. Diese Neubürger, meist Ehepaare, aber auch viele Einzelpersonen, haben Verwandte, Freunde, Kinder und Enkel. Sie haben doch gesehen, was hier an normalen Tagen, aber besonders an Wochenenden los ist.

Man wird besucht, man wandert und spaziert zusammen. Ausserdem bringt uns jeder Neubürger aus dem Kommunalen Finanzausgleich Geld in die Kasse. Übrigens mauserten sich diese WohnenPlus-Modelle ínzwischen auch zur Geldanlage. Da gibt es schon etliche jüngere Personen, die sich jetzt für später einkauften und inzwischen vermieten.

HF: Hatten Sie mit Ihrem Gemeinderat ein Gesamtkonzept entwickelt, wie man diese Kleinstadt wieder zukunftsfreudig macht?

BM: Wir sind eine Kleinstadt und bleiben eine. Unser Konzept ist klar und deutlich, aber sehr einfach und heisst grösstmögliche Bürgerzufriedenheit. Wenn man morgens aus dem Haus geht, soll man einwandfreie, gepflegte Strassen und Plätze vorfinden. Inzwischen hat jeder in der Stadt, auch in den Höhenortsteilen, schnelles Internet. Unsere Gemeindepolitik zieht einzig und allein auf das Wohlgefühl unserer Bürger ab, gleich welchen Alters. Und das spricht sich herum und wirbt für uns.

Wir finden inzwischen auch überall ein neues Gefühl des Zusammenhalts, der Zufriedenheit. All das bemerken - gerade auch in Karlsruhe und Ettlingen - viele durch unsere neueste Wohn-Flyer-Kampagne – und ziehen zu uns. Wir stehen  regelmässig mit Info-Ständen auf etlichen Marktplätzen ausserhalb. Unsere Mieten sind um einiges verträglicher, und man lebt in Herrenalb erwiesenermassen gesünder.

Wir werben nicht nur im wahrsten Sinnen des Wortes mit "heiler Luft", keinen Lärm, dafür Sauerstoff- und Wasserreichtum, mit hervorragender Landschaft und etlichen neuen Bürger-Begegnungsprojekten, sondern auch mit bekannten und prominenten Bürgern, die schon länger in Herrenalb wohnen – und eben genau wissen warum.

HF: Wie sieht das Freizeitangebot aus?

BM
: Um diese Wohnsitz-Modelle hat sich ein regelrecht „neuer Markt“ angesiedelt. Geschäfte mit entsprechenden altersmässigen Angeboten. Das fängt mit relativ kurzen Einkaufswegen an, hört aber noch längst nicht bei medizinischen und ambulanten Pflegeangeboten auf. Unter anderem ist sogar ein zweiter Mehrgenerationenspielplatz im Bau, zwei kleine Cafés und ein Bistro sind neu eröffnet worden.

HF: Sie sprachen von Wandern, Spazierengehen. Was ist da geschehen? Was ist übrigens aus dieser Gartenschau geworden?

BM: Wir leben nun mal im Schwarzwald. Da geht es weiterhin auch auf und ab. Wir legten jedoch Wert darauf, alles barrierefrei, alle Wege und Strassen komplett ohne Stufen auszubilden. Sogar unser Rathaus ist auf allen Etagen barrierefrei. Das Angebot mit E-Bikes hat enorm zugenommen. Es fahren inzwischen zwei kleinere Rufbusse mit Elektroantrieb durch die ganze Stadt, einschliesslich der Höhenortsteile. Dafür entwickelten wir mit dem Betreiber eine Ager- und eine Kid-Card ähnlich der KVV-Karte ab 65.

Sie meinen mit Gartenschau dieses Grünprojekt vor einigen Jahren? Da redet niemand mehr davon. Mir ist da jedenfalls nichts bekannt.

HF: Wie nehmen die einheimischen Bürger, vor allen Dingen junge Familien diese neue Entwicklung mit WohnenPlus und anderen ähnlichen Projekten auf?

BM
: Schauen Sie, diese Menschen, die jetzt hier bei uns ihr drittes Leben bzw. ihren Lebensabend verbringen, füllen doch nur die Lücken, von denen man vormals immer dachte, das würden Urlauber, also Touristen, tun. Das war eine langandauernde Fehleinschätzung, welche unsere Stadt fast in den Abgrund getrieben hatte.

Zu lange verwechselte man Kurgäste mit Touristen. Kurgäste waren im Prinzip doch nur Patienten, denen der Arzt den jeweiligen Kurort vorschrieb. Touristen sind Menschen, die sich freiwillig ihren Urlaubsort aussuchen – und der ist und bleibt überwiegend doch da, wo die Sonne dauerhaft scheint. Deswegen klinkten wir uns – zumal aus zwingender Sparsamkeit – auch aus allen Tourismusgemeinschaften aus.

Jetzt haben wir einen echten Bevölkerungszuwachs, den man auch werktags auf vollen Strassen und Plätzen erkennt. Ich glaube, da fühlen sich alle viel wohler, wenn man z.B. nicht mehr abends allein durch den Park läuft.

HF: Noch ein Wort zur Freizeitgestaltung. Welche Projekte sind zusätzlich entstanden?

BM: Inzwischen finden sich zwei dauerhaft bewirtschaftete Wanderhütten, eine am Rennberg und die andere sogar oben auf dem Mayenberg, die beide eine sehr gute Auslastung haben. Die Mayenberg-Hütte wird sogar von dem Deponieparkplatz aus mit Kutschen – ähnlich diesen von der Lichtentaler Allee in Baden-Baden, nur etwas robuster – angefahren.





Ausserdem finden Sie im Bereich der Alb ausreichend Sitz- und sogar Liege- und Vespermöglichkeiten, Kletter-Wasserplätze, einen grossen Abenteuer-Park und sogar einen imposanten Baumbrücken-Turmgarten für die Jüngeren und Mutigeren, dazu einen Albwasser-Trek. Achja, nicht zu vergessen unseren Mountainbike-Marathon und im Winter unser grosses Winter-Schlitter-Eis auf der Schweizer Wiese - zu dem uns die Freiwillige Feuerwehr bei Frost einfach die grossen SchweizerWiesen-Senke mit Wasser füllt. Dafür sind wir sehr dankbar.

Bitte auch unseren neuangelegten Wohnmobilplatz mit Wiesenteil und Kioskbedarf direkt neben dem Bahnhof nicht vergessen. Auch diese Menschen bevölkern gerne unsere neue kleine Bistro-Szene bis zum Rathausplatz, besonders abends.

Sie sehen also, wir machen genau nur das, was zu uns passt und was unsere Bürger und deren Gäste von uns erwarten.

HF: Was ist mit den Pensionen, Ferienwohnungen, Hotels?

BM: Da hat sich einiges geändert. Dazu waren auch Gespräche und Beratungen nötig. Es wird von uns kategorisch nichts mehr anerkannt bzw. zertifiziert was nicht eindeutig modernem Wohnstandard entspricht. Allerdings haben wir dazu auch einen weiteren Bonbon gereicht.

HF: Das wäre? Wer kommt noch nach Herrenalb ausser den immer vorhandenen „Sommerfrischlern“ aus Karlsruhe und den vielen Besuchern der jetzt neuzugezogenen älteren Mitbürger?

BM: Wir sind sehr stolz auf unseren KlosterWald, für den wir ziemlich deutlich Werbung betreiben, denn das lohnt sich dauerhaft. Allerdings haben wir da nichts Neues erfunden, sondern uns nur das Erfolgsmodell Hümmel in der Eifel ausgesucht. Wir, der Gemeinderat und ich, waren gleich nach meinem Amtsantritt das erste Mal dort. Schliesslich war klar, es musste einiges geschehen, was wenig Investitionskosten bedarf und sich landschaftlich einfügt. Wald ist nun mal unser Ding, wir "können" Wald, tausendmal besser als andere!

Dieser Besuch war, so glaube ich, auch für alle sehr beeindruckend. Inzwischen haben die in Hümmel, auch anderswo, zigtausend Urnen-Bestattungen in ihrem jeweiligen Ruheforst. Das ist inzwischen auch bei uns ein wahres, aber auch sehr ehrliches Erfolgsmodell. Hinzu kommt die Aufwertung des Waldes allgemein. Das nützt der Umwelt und bringt Gewinn. Bei aller Pietät muss ich als Bürgermeister eben auch mit Finanzen umgehen. Inzwischen kommen Besucher aus nah und fern. Wir hätten aber auch nicht mehr lange zuwarten sollen. Jedenfalls profitieren von diesen vielen Besuchern -- die ihre Verstorbenen im KlosterWald bestatten, regelmässig besuchen oder auch nur mal einfach so dieses naturbelassene weitläufige KlosterWaldBiotop anschauen wollen --, unsere Beherbungs- und Gastronomiebetriebe deutlich.

HF: Wie läuft es mit dem Verkauf dieser Urnenplätze in Herrenalb?

  

BM: In Anlehnung an Hümmel fanden wir gottseidank auch einen Förster, der ähnlich denkt wie dort dieser Förster Wohlleben und voller Stolz für unseren KlosterWald in dieser Aufgabe aufgeht. Wir bieten inzwischen ebenfalls virtuelle und echte Rundgänge durch unseren KlosterWald, also regelmässige Führungen durch intakten harmonischen Buchenwald. An manchen Tagen steht das Telefon nicht mehr still. Inzwischen verkauften wir über 1000 Plätze. Die Reservierungen liegen in etwa gleich. Das entwickelt sich also hervorragend. Übrigens stellt ein solcher Grabkauf auch einen direkten Beitrag zum Umweltschutz dar.

HF: Was kostet solch ein Platz?


BM: Es staffelt sich etwas und liegt zwischen zwei und dreitausend Euro für eine bestimmte Anzahl an Jahren. Da reichen die erworbenen Rechte bis zu 99 Jahre. Man kann auf jeden Fall davon ausgehen, dass alle Plätze durch die kompostierbaren Urnen wieder frei werden. Es gibt sogar schon ganze Familien- und Freundeskreis-Reservierungen. Wissen Sie, der Tod gehört zum Leben. Und alte Baumriesen halten dann weiter ihre Hand über jeden. Wer weiss...

HF: Stimmt es, dass man in Herrenalb älter wird als irgendwo?

BM: Das wird wohl so sein, wenn man sich unsere vielen Bürger weit über Neunzig anschaut. Das haben die alle auch ohne Baum-Umarmungs-Seminare geschafft - oder haben es heimlich getan. Jedenfalls wiesen Forscher nach, dass bei einem Waldspaziergang der Blutdruck allgemein sinkt – und wir sind umgeben von herrlichen Wäldern. Weite Täler und viel Wald, auch Mischwald, Buchenwald, ein reiner kostbarer Naturwahnsinn. Das ist Herrenalb. In Japan verschreiben Ärzte gestressten Menschen schon „Waldbäder“!

HF: Das hört sich wahrlich zukunftsfreudig an. Was aber ist mit der seit Jahren jetzt stillgelegten Therme?

BM: Die wollte niemand haben. Wie auch. Der Renovierungs- und Modernisierungsstau war schon vor meiner Amtsübernahme gewaltig. Es kümmert sich ein Mitarbeiter der Stadt um die Grunderhaltung, weil wir die Hoffnung haben, mit den neuen Altersstrukturmodellen wieder etwas draus machen zu können. So sind wir im Gespräch mit einigen grossen Krankenkassenträgern aber auch hiesigen Ärzten, aber auch einigen anderen gemeinnützigen Einrichtungen, ein einfaches Zahl-Gesundheitsmodell mit verschreibungspflichtigen Anwendungen etc. zu entwickeln, so eine Art grosses Medizin-Zentrum.

Sollte das nicht aufgehen, gehen die weiteren Gedanken in Richtung Bürgerhalle, einschliesslich für Vereine, insbesondere auch Sportvereine, Musikfestivals etc. So wird die Schweizer Wiese im Gegensatz zu früher auch schon öfters für Sommer-Open-Air-Konzerte genutzt.

Das mit der Bürgerhalle ginge aber erst in einigen Jahren, wenn wir uns einigermassen konsolidiert haben. Das dauert also noch. Auch solche Umbauarbeiten gehen ins Geld. Wir knabbern gewaltig an dem Schuldendienst wegen der immensen Verschuldung früherer Jahre.

HF: Sie sind jetzt fast vier Jahre im Amt. Sie sind kein Herrenalber. War es sehr mutig, sich in Herrenalb als Bürgermeister zu bewerben?

BM: Ich bin Verwaltungsfachmann mit langjähriger Erfahrung. Dennoch - viele hatten mir abgeraten. Diese Kleinstadt Herrenalberre, ohne Zukunftsvisionen, Schulden bis zum Anschlag, teilweise sehr marode Infrastruktur, gespaltene Einwohnerschaft. Eigentlich keine guten Vorzeichen.

Gesellschaftliche Visionen waren mir jedoch nie fremd. Vielleicht war es dieser Förster Wohlleben von Hümmel, der mit seiner Wald-Denkweise auch einen völlig neuen Weg ging und inzwischen von der Wirtschaft und sogar von der Bundesregierung mit Auszeichnungen bedacht wurde und immer noch wird. Vielleicht muss man neue Wege suchen und dann auch zu gehen bereit sein. Einiges an Denken hatte ich ja sozusagen in der Tasche.

HF: Was ist mit dem Titel „Bad“? Wie wir sehen, ist der geblieben, trotz Schliessung der Siebentäler Therme.

BM: Das Thermalwasser steht weiterhin als Trinkkur in jedermann zugänglichen kleinen Pavillons zur Verfügung. Zudem wird auch das Hallenbad im Schwarzwaldpanorama-Hotel damit gespeist. Die gute Heil-Luft und das gute Heil-Wasser sind doch geblieben. Also kann jeder weiterhin auf sein „Bad“ Herrenalb stolz bleiben.

HF: Vorletzte Frage, Herr Bürgermeister, wie nennen Sie jetzt das alte Kurhaus?

BM: Ganz einfach, Bürgerzentrum. Die vorhandenen Gaststätte ist verpachtet, ein Café kam dazu. Und ansonsten ist es ein Angebot an alle Vereine, Gruppen etc., man muss nur Strom und Wasser etc. zahlen, aber selbst aufräumen und reinigen. Das wird allerdings auch nachkontrolliert.

HF: Letzte Frage, Herr Bürgermeister. Was ist aus Ihrem Vorgänger geworden?

BM: Der erfreut sich meines Wissens guter Gesundheit, trotz aller allgemeinen Rückschläge, die dieser noch nach seiner Pensionierung und dieser Gartenschau zu verkraften hatte. Er lebt inzwischen, wie auch einige Ex-Gemeinderäte, hier in einem der sehr schönen WohnenPlus-Domizile.

HF: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Bürgermeister.

HF = Herrenalbforum, BM = Bürgermeister
(Das Interview wurde im September 2022 geführt.)

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