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DIE FALLE ...
Zur sogenannten "Weiterentwicklung der Siebentäler Therme" und dem entsprechenden Beschluss des Gemeinderats fällt dem Beobachter auf, dass keiner der an der GR-Sitzung am 30.1.2019 teilnehmenden Gemeinderäte über gesicherte Erkenntnisse verfügt.

Trotzdem wurde - aufgrund der Sitzungsvorlage - von diesen der Beschluss gefasst: „Der Gemeinderat beauftragt mit einer Gegenstimme die Verwaltung, in enger Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Bad Herrenalb GmbH, unverzüglich auf Grundlage der vorliegenden Studien und Untersuchungen, eine Neukonzeption für die Siebentäler Therme zu entwickeln…“


Die Möglichkeit des Schliessens ist in die Ferne gerückt. Man macht einfach weiter so. Pro Tag verursacht die Therme 2.500 Euro Defizit...

Nach dem geplatzten Bädertraum mit flüchtigen Investoren und einem nichterkannten gefälschten Millionen-Bankauszug in den Jahren 2013/2014, dem gleichen Bürgermeister und noch einigen Gemeinderäten „von damals“ (vor fünf Jahren!) geht man nun in einem neuen Irrflug einen neuen Bäder-Traum an.

Den Motivationsschub liefert der „nichtbefangene“ Gemeinderat Christian Romoser in der gleichen Gemeinderatssitzung: „Stadtrat Romoser erklärt...
...dass von den vier vorgestellten Betreibermodellen für die Therme nur Modell Nr. 4* in Frage kommt. Der heutige Beschluss muss der Startschuss für eine dezidierte Planung sein, um mit belastbaren Zahlen in die Gespräche mit dem LK und dem Land zu gehen. Er fragt, warum denn ausgerechnet die Stadt selber nicht Vertrauen in ihre Fähigkeiten haben soll, wenn das Land mit den Investitionen zur Gartenschau sein Vertrauen bewiesen hat. Wir können uns selber nicht das Herz (= Therme) rausreissen, sondern müssen jetzt mutig sein und umgehend aktiv werden. Wenn der Beschluss heute Abend positiv ausfällt, muss die Verwaltung sofort loslegen. … Wenn wir das Schicksal in unsere eigene Hand nehmen, haben wir eine schöne Braut für die Investoren.“

Zum einen ist nicht vermerkt, dass der Gemeinderat Romoser sich bei der Beschlussfassung der Stimme enthalten hat und den Sitzungssaal verliess. Zum anderen fragt sich der Unbeteiligte, wieso Gemeinderat Romoser mit „Investoren“ schon wieder mehr weiss wie alle anderen…

Es purzeln in der Folge die abwegigsten Ideen: Weil die Stadt nicht über (O-Ton Verwaltung) „Sehenswürdigkeiten wie Türme oder Hängebrücken verfügt, ist es umso wichtiger, dass Bad Herrenalb in seine klassischen Einrichtungen investiert.“

Als Begründung attestiert man sich also einesteils selbst Unvermögen, glaubt aber andererseits mit diesem Manko eine veraltete Therme auf Erfolgsspur zur bringen: „Bad Herrenalb hat unbestritten hohen landschaftlichen Reiz und bildet mit dem Klosterareal, Kurpark mit Kurhaus, Freibad und Therme, den Wander- und Themenwege und den Veranstaltungen beinahe perfekt das Angebot einer klassischen Kurstadt ab. Die Endstation der S-Bahn, die Alb, die Nähe zum Stadtkern und das Doppelprädikat Heilbad und Heilklimatischer Kurort sind ein gutes Pfand. Trotzdem ist es uns in den vergangenen Jahrzehnten nicht gelungen, aus diesen Attributen dauerhaft einen wirtschaftlichen Erfolg zu schlagen.“

Gemeinderat Andreas Tockhorn weist mehrmals vergeblich darauf hin, dass „trotz Mehrinvestitionen ein gutes Ergebnis nicht möglich“ sein wird, er mahnt, dass „die Therme noch teurer wird, wenn jetzt ein Betreiber einsteigt“ und er glaubt, trotz Investitionen würde man „nur den Status Quo“ erreichen. Hinweisen, mahnen, glauben… - mitgehangen, mitgefangen?

Sogar das im vorigen Jahr in Auftrag gegebene Bestell-Gutachten „Sozioökonomischen Relevanzanalyse“ beschreibt den Stellenwert der Siebentäler Therme als sekundär, im Bewusstsein von potentiellen Gästen erst an fünfter Stelle rangierend, abgeschlagen hinter Natur, Schönheit, Ruhe, Kloster und Landschaft. Anstatt sich diesen genannten Dispositionen zu widmen und damit neue Ideen zu entwickeln „investiert“ man einfallslos in die einzige klassische Einrichtung „Therme“. Fazit: Wir sind nicht die Klügsten, machen wir das Beste draus!

Das ist unterstes Mittelmass - mit der Hoffnung auf Gelder „von oben“. Zum wiederholten Mal erzählt der Bürgermeister das verlockende Märchen von Zuschüssen und  „vergisst“ wiederum, was Zuschuss bedeutet, nämlich zu allererst selbst mit Millionen (neue Krediten) in Vorlage gehen zu müssen, um etwas dazu zu bekommen. Dieser Bürgermeister geht Ende des Jahres in Pension. In seinen 16 Jahren Amtszeit kletterte Herrenalb von 6 auf fast 40 Millionen Schulden.

Gemeinderat Theis stellt die Behauptung auf, jeder Bewohner und jedes Geschäft profitiere von der Therme? Die von ihm offenbar nicht lesbare Machbarkeitsstudie trifft genau die gegenteilige Aussage. Die Studie ist darin sogar eindeutig: Nach Umfrage und Aussage der Herrenalber Unternehmen machen Touristen nur 15% ihres Umsatzes aus, und im Hinblick auf die Relevanz der Therme für das eigene Geschäftsmodell sieht die überwiegende Mehrheit sogar keinen unmittelbaren Einfluss.

Die Geschäftsführerin der Therme, Frau Herrmann, betont „nebenbei“: „70 Prozent der Mitarbeiter wohnen im Ort und wenn immer möglich, werden regionale Dienstleister beschäftigt.“

Genau darin stecken die eigentlichen Gründe für den Erhalt der Siebentäler Therme. Hinter all den vorgeschobenen Argumenten (siehe Sitzungsvorlage) verstecken sich pure Einzelinteressen. Einige wenige Herrenalber leben sehr gut von und mit der Therme, weil sie dort ihren nahen, komfortablen Arbeitsplatz haben - und der eine oder andere Handwerksbetrieb profitiert von Daueraufträgen.

Gemeinderat Romoser fischt genau deshalb wieder im Ungefähren mit unbelegbaren Aussagen. Er benutzt beim Vorrechnen das Wort „konservativ“, als wenn dadurch falsches Rechnen richtig wird und schmeisst derart unsauber mit einigen Millionen an erdachten Gästen um sich, dass sogar im Kreis des Gemeinderats Unmut aufkommt und Gemeinderat Tockhorn dies schlichtweg als unseriös tadelt.

Gemeinderat Lienen hält die Umfrageanalyse nicht für repräsentativ und verrät noch am Rande, dass der verstorbene Lenkungskreis offenbar sogar Ergebnisse geboren hatte. Wie immer hatte man wohl darüber „nur“ gesprochen, und es gibt offenbar noch nicht einmal eine Aktennotiz. Er fasst zusammen: „Und jetzt wird wieder ohne vernünftige Berechnungen über Schliessung oder Weiterbetrieb diskutiert.“

Sogar Gemeinderat Domke spürt plötzlich beim Verhältnis der Umfrage mit nur 77 Befragten zu der daraus hochgerechneten Wertschöpfung von 8,6 Millionen eine gewisse Unzuverlässigkeit.

Gemeinderat Senk glaubt an Gerechtigkeit und möchte „im Umkehrschluss eine Beteiligung der Region an den Defiziten“.

Gemeinderat K.-H.Pfeifer behauptet weiterhin, mit Schliessung der Therme würde man „den Stecker ziehen“ und das Licht in Herrenalb ginge für immer aus. Er sollte sich einmal fragen, wie die Herrenalber die Zeit zwischen dem 12.Jahrhundert und 1971 überlebten.

Dem Gemeinderat Rappold ist der Beschlussantrag schlichtweg zu unmoralisch. „Der Lenkungskreis hat bereits alle Möglichkeiten durch gearbeitet, sowohl Konzepte als auch Ausstiegsszenarien. Das ist aber immer alles rausgeschoben worden. Er möchte heute ein klares Ja oder Nein hören, um den Nachfolgern nichts Schlechtes zu hinterlassen. Die Verwaltung hat vier Jahre geschlafen, obwohl die Stadt mit der Therme jedes Jahr Verluste macht. Selbst wenn LK und Land die Stadt mit 50 Prozent bezuschussen, bleibt die Frage, woher der Rest kommen soll.“

Bürgermeister Mai plaudert zwischendurch weiter von Investoren, die nur er in seiner Dauerfantasie-Welt, aber offenbar noch kein einziger Gemeinderat in der Realität gesehen hat. Aus seinen (erfundenen?) Gesprächen mit Investoren habe er das Wissen gewonnen, dass „nach Investitionen in die Optik und Technik der Therme schon eine schwarze Null möglich sei.“ Herzerfrischend einleuchtend…

Wenn man dieses Ungefähre alles zusammen nimmt, obendrauf nun noch einen Architekten beauftragt, dann wird daraus in Herrenalb schon ein (wieder einmal teures) Konzept.

Es wird keinen Architekten geben, der sich nicht selbst und einem einträglichen Auftrag zuliebe ins Zeug wirft und beweisen wird, was man alles aus dieser Therme entwickeln kann.

Die Falle von Mai & Romoser schnappt  also zu, die Entscheidung zum Erhalt der Therme ist damit gefallen, die Spirale mit weiteren Schulden dreht sich. Im Prinzip ganz unbemerkt. Hauptsache, die Einzelinteressen werden bedient.


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Die Machbarkeitsstudie beschreibt vier unterschiedliche Szenarien:
1 Verkauf der Therme an einen privaten Investor
2 Fortführung des Eigenbetriebs mit verbundenen Investitionen (Sanierung oder Neubau)
3 Schliessung der Therme
4 Externer Betreiber ohne Besitzerwechsel