Nachgedacht...


BIS NACH STUTTGART

Bergwacht: Vielen Dank!

Der Film des Jahres!


Tourismus anderswo

NICHT IN HERRENALB

Der Wolf und...


SEINE NAHRUNG

Diesel-Nachrüstung


GEHT DOCH!

Lobby-Register


DAS AUS MIT DER SPD?

Wolfgang Herles


EHRLICHE ANSAGE

Der Vertrag


70 PROZENT SPD

Spinat und...

CHIASAMEN

IMMER DIE ANDEREN?

ODER: EMPÖRT EUCH!

Wir alle haben unterschiedliche Biografien, verschiedene Wertevorstellungen und nicht selten auch noch disparate Interessenlagen. In einem politischen Prozess geht es letztendlich um den Ausgleich unterschiedlicher Interessen. Erst dann kann aus der Verschiedenheit der Interessen ein politischer Erfolg werden bzw. eine gesamte Neuorientierung beginnen.


Voraussetzung dazu ist jedoch die Erkenntniszulassung. Eine gemeinsame und jedermann zugängige Informationslage.

Warum stellen sich dem so viele Hindernisse entgegen? Warum und wo gehen die Interessen auseinander? Warum wird Wissen so geheim gehalten? Weil dieses Auskennen schon berechtigt, auf die anderen, die sich weniger auskennen, ein bisschen herabzublicken?

Warum gibt es immer noch Verwaltungen und auch Gemeinderäte...
...........................

...welche – als Beispiel in dem Landesinformationsfreiheitsgesetz eine Einengung sehen, eine Flut an Mehrarbeit, ja sogar Machtverlust – anstatt dieses von Verwaltungsfachleuten, Juristen und Wissenschaftlern er-dachte Gesetz einmal vom Ende her zu denken – und damit die langfristigen Vorteile nicht nur zu erkennen, sondern auch zu geniessen? Zum Beispiel unproblematischere städtische Entwicklungen, weil schon im Vorfeld ein Interessenausgleich stattfindet.


Was steht einem solchen Ausgleich entgegen? Das Wort? Die Kommunikation? Die Unlust, dies überhaupt zu tun? Mit jemanden, der einem unsympathisch ist, dem man sowieso nicht kennt? Ist es der Verlust von Ansehen, welches man sich gerade mit dem Ansammeln von Informationen erarbeitete, im schlimmsten Falle sogar die Einbusse von Einzelwissen, Macht und Vermögen?

Befinden wir uns, wenn wir ehrlich sind, vielleicht schon unbewusst in einem Kreisel der Unlogik, einer fast schon unkontrollierbaren Zivilisation?

Wie kommt man da heraus? Wo nicht, wenn nicht dort, so könnte man an dieser Stelle die Stärke der meistens von aussen belächelten ländlichen Räume begreifen. Dort gehört die persönliche Begegnung, diese regelmässig wiederkehrende Chance, immer noch zum Alltag. Also ist Herrenalb hier ein Vorteil?

Zur Begegnung gehört das Wort, auch wenn manchmal schon ein wortloses Lächeln den Tag verbessert. Wenn wir uns begegnen, widerfährt uns der oben benannte Unterschied. Wenn wir beginnen das aushalten und wir einverstanden sind, dass wir uns gegenseitig der Verschiedenheit bewusst sind, ist der Weg offen zur ersten Ebene einer Kommunikation.

Es stände eine Gemeinsamkeit im Raum, die den Weg zum Austausch von Gedanken freimachen kann. Berührungspunkte könnten benannt werden. Zwar abgenutztes aber bekanntes Beispiel: Wir wollen alle, dass unser Dorf schöner wird. Danach wäre ein Tee, der Griff oder das Angebot zu einem Kaffee oder oder nicht die schlechteste Lösung. Wenn man so will eine weitere Kommunikations-Ebene: Man hält sich aus.

Man kann es allerdings auch so machen, wie kürzlich in einer Diskussions-Runde in der „Alten Abtei“ erlebt, als ein Herr Ulrich Schäfer von der UBV zum innerörtlich parteilosen Herrn Gerhard Geschwill sagte: "Mit Ihnen rede ich nicht!"

Unergiebig bis mutlos, kontraproduktiv, zweifach gescheiterte Wortwahl. Die Tür war noch gar nicht auf und ist schon doppelt zu.

Man kann laut werden, in einer Diskussion auch schon nervig, wie in der gleichen Runde die beiden Kontrahenten Herr Andreas Tockhorn (Bürgerforum e.V.) und der Autor dieser Zeilen (ebenfalls parteilos) mehr oder weniger auffällig darstellten aber man konnte dann doch auch miteinander reden.

Das war sie dann, diese eine notwendige Gemeinsamkeit, dieses Ahnen, es gäbe vielleicht doch Berührungspunkte. Und sei es auch nur die Einsicht, dass man unter normalen Menschen miteinander sprechen können muss. Wenn sich dazu noch die Neugier gesellt, zu erfahren, was der andere denkt, ist man schon beim weiteren guten Wort-Ergebnis. Natürlich kann man rustikale Elemente im Sprachgebrauch generell ablehnen. So lange diese integraler Bestandteil in einer Gesellschaft sind und damit Teil der Veränderungswünsche auf den Weg zu einem gemeinsamen Ziel hilft ein Abkehren aber nicht weiter.

Wem die Neugier auf die Vielfalt des Denkens fehlt und gute Worte zu finden, schon eine Belastung darstellt, der sei erinnert an den Ausspruch des Europäers Stéphane Hessel: „Die schlimmste Haltung ist die Gleichgültigkeit. Mit einem solchen Verhalten verliert man einen unverzichtbaren Bestandteil an Menschlichkeit: Die Empörung und das daraus resultierende Engagement.“

Ohne es zu bemerken, befinden wir uns schon in der Herrenalber Wirklichkeit. Man will nicht, man mag nicht. Man kann oder will nicht miteinander, weil man die Veränderung fürchtet. Das kann schon ein anderes "neues" Gesicht sein. Hinzu kommt die Angst vor dem Verlassen der Komfortzone, sei es die der Sprachlosigkeit oder die des Alltags mit hundert Meter Abstand zwischen Arbeitsplatz und Heim. Man fürchtet so vieles. Man fühlt sich sowieso bemindert oder glaubt zumindest, der andere sehe einen so.

Als meine Frau und ich vor zwanzig Jahren nach Herrenalb zogen, kam ein Handwerker aus dem Gaistal zu uns, um in unserer Wohnung etwas zu reparieren. Mit Erstaunen vernahmen wir dessen Schilderung eines Gefälle-Denkens in der Stadt. Er fühlte verschiedene Schichten. Die da oben, er da unten. Die da oben, die Städter (geografisch umgekehrt) seien hochnäsig, meinten immer etwas Besseres zu sein. Das hätte schon sein Vater so empfunden. Mit dieser Grenze im Kopf, mit diesem Gefälle beschrieb dieser die entgegengebrachte Arroganz, aber auch unbewusst sein eigenes Fehlen von Worten - das Werkzeug zur Kommunikation.

Wenn ich eine Veränderung nicht erfassen kann, mir diese – aus welchen Gründen auch immer – von aussen auch nicht beschrieben wird, mir selbst die Worte fehlen, ich mich nicht traue und und und… kann ich mich auch nicht beteiligen. Dann fühle ich mich ungefragt und oft sogar „überfahren“. Natürlich liegt und läge es auch an denen, die es besser können, Brücken zu bauen und nachzufragen, um eben genügende Erkenntnisse zum Verstehen zu erhalten und zu geben.

Das beginnt oft im engeren eigenen Umfeld. Eine gemeinsame Informationslage entsteht.

Natürlich ist jeder auch ein Stück selbst verantwortlich. Auch der Wortferne spürt, dass ihm etwas nicht gefällt. Insofern wäre zu hoffen, dass auch solche Mitbürger sich endlich einmal vernehmbar empören.

Nach all den vielen Jahren haben wir den Eindruck gewonnen, da hätte sich schon etwas geändert. Verändert hat sich die Anpassung zwischen Einheimischen und Zugezogenen. Immerhin. Das Oben und Unten ist mindestes geografisch nicht mehr so deutlich festzumachen. Die Prozentzahl der insgesamt Gleíchgültigen, der Schweigsamen und Wortlosen aber hat Bestand.

Aber vielleicht irre ich mich auch gewaltig und all diese Wortkargen sind die Klügeren. Wer nichts sagt, wer sich an nichts beteiligt, nicht empört - muss auch nichts verantworten. Fein raus.

Dann, in diesem Falle habe wenigstens ich meine Worte der Empörung gefunden.