Nachgedacht...


BIS NACH STUTTGART

Bergwacht: Vielen Dank!

Der Film des Jahres!


Tourismus anderswo

NICHT IN HERRENALB

Der Wolf und...


SEINE NAHRUNG

Diesel-Nachrüstung


GEHT DOCH!

Lobby-Register


DAS AUS MIT DER SPD?

Wolfgang Herles


EHRLICHE ANSAGE

Der Vertrag


70 PROZENT SPD

Spinat und...

CHIASAMEN

HERRENALB...

LIEBES LAND OHNE "LEUTE"  
Ist es die Burgunderpforte mit ihrer Mittelmeerluft, die wie im Oberrheintal und in allen Tälern des Schwarzwaldes, auch in Herrenalb noch ein verhältnismässig mildes Klima hervorbringt? Ist man auch in diesem kleinen Städtchen mit seinen sieben Tälern noch Profiteur dieser mediterranen Luft aus dem Rhone-Tal?

Gleich wie, man hat in Herrenalb allen Grund, klimatisch zufrieden den Tag zu gestalten, über Vorhandenes froh zu sein und trotzdem über Fortschritte und Erhaltenswertes nachzudenken. Beheimatet in einer Gross-Region zwischen Thermalbäder wie Baden-Baden und Badenweiler, städtischen Kulturzentren und Weinbergen auf Urgesteinsschichten und reinen Vulkanböden – eine wahrlich abwechslungsreiche Landschaft. Dazu noch stille Schwarzwaldtäler, "fernab vom Weltgewühle, umrauscht von Tannen ohne Zahl“.

Die Zisterzienser wussten von der geomantischen Bedeutung von Kraftorten, von dem Standortfaktor Wasser und damit ziemlich genau, wo man sich gut niederlässt.

Von dem ehemaligen Zisterzienser-Kloster zur Plotzsägmühle ist kein weiter Weg. Zumindest geschichtlich nicht. Das eine ist fast vollständig verschwunden, das andere Relikt aus dieser Zeit steht noch. Noch.

In einigen Jahren ist/wäre das 150jährige Jubiläum...
...der Plotzsägmühle...
Nicht der Mühle -- die steht schon einige Jahrhunderte länger -- sondern der Gastwirtschaft - in der 5.Generation. Geschichte und Familientradition geht ineinander über. Seit 1880 kann man sich dort bewirten lassen. Während viele andere Mühlen im Schwarzwald nach ihrer Stillegung so nach und nach „verschwanden“, ist der Plotzsäger der 4.Generation in seiner Periode immer mit der Zeit gegangen. Das lässt sich - aus verschiedenen Gründen - in der jetzt vermutlich letzten Generation nicht mehr erkennen. Dort scheint die Zeit nun gänzlich stehengeblieben.


„1 Meter Schinkenbrote! Das war meine erste Begegnung mit der Plotzsägmühl im Schwarzwald zwischen Bad Herrenalb und Loffenau. Schön garniert auf einer Holzplatte mit Zwiebeln, Gurken, Tomaten und den 70'er Jahre Salzstangen.“

„Wer gehobene Gastronomie, Topmanagement und feine Cappucinos erwartet, geht besser woanders hin. Neben Kaffee, Kuchen und allerlei Kaltgetränken gibt es an der Selbstbedienungstheke Käse- oder Schinkenbrote in verschiedenen Größen, Suppe, Würstchen, Kartoffelpuffer und Ähnliches zu durchaus fairen Preisen. Der Besitzer ist nicht mehr der jüngste. Der besondere Flair des Ortes verbindet sich mit dem in aufgehängten Wandzeitungen dokumentierten Eigen-Sinn des Besitzers.“

Gastkommentare nach einem Besuch in der Plotzsägmühle.

Der Plotzsäger und Gastwirt der vierten Generation, also der vormaligen, war der verstorbene Friedrich Kübler. Er erlebte noch das Vorwort, welches der erst jüngst vom Amte zurückgetretene Loffenauer Bürgermeister Erich Steigerwald ihm zu Ehren 1980 zu seinem Büchlein „Die Plotzsäge und die Mühlen um Herrenalb und Loffenau“ verfasste.

Man bemerkt in seinen Schriften oft seine erlebte Nähe zur Weltkriegszeit und stösst dabei auch auf kritische Betrachtungen. Seine Aufzählung in einem Kapitel „Wichtige Heimatereignisse“ endet mit dem beeindruckenden Schluss: „Die Bevölkerung musste unter den einmarschierenden Franzosen viel leiden. Gerade in den abgelegenen Weilern geschahen Dinge, von denen man heute besser nicht mehr spricht. Das Blutbad im Forsthaus Rombach… und in der sogenannten Wehrwolfzentrale Zieflesberg…, von der gerade die Herrenalber stark betroffen waren, müssen der vollständigen Wahrheit wegen erwähnt, sollten aber wie vieles andere um des Friedens und der Aussöhnung mit unseren Nachbarn Willen, vergessen werden“.

Offene gute Worte nicht nur des Frieden, sondern der Weitsicht. Eine Eigenschaft, die nur mehr sehr selten in der Herrenalber Politik anzutreffen ist.

Ähnlich dem Waldteufel war Friedrich Kübler ein Stück Herrenalb. Ein Typ, mit Ecken und Kanten, dabei aber ziemlich beliebt. Beide kannten sich, ziemlich gut sogar, wie es scheint. Beide verband auf alle Fälle die Liebe zur Heimat, ein heute - aus bekannten Gründen - immer noch selten benutztes Wort.

In Küblers Zeit wurden in der Plotzsägmühle und in der Spechtschmiede für die Nachwelt eine Menge alter Geräte gesammelt und in einem Heimat-Freilichtmuseum zur Besichtigung ausgestellt. Heute fragt man sich, wo alles geblieben ist und warum im Gegensatz zu anderen Kommunen in Herrenalb so wenig Interesse an dem Vorzeigen historischer Vergangenheit, zumal mit klösterlichem Zauber, vorhanden ist. Wäre da nicht das Ziegel-Museum, aus reiner Eigeninitiative einer Bürgerin, wäre nichts...

Aus einem alten Fragment, so schreibt dieser Friedrich Kübler an anderer Stelle, gehe hervor, das Kloster Herrenalb wäre im Besitz eine Sägmühle „beim Ursprung der Alb, hinter der Thelwies“. In seiner Aufzählung tauchen als Eigentümer ab 1508 viele verschiedene heute noch lebendige Namen auf.

"In den Büchern der Murgschifferschaft wird sie noch im 15.Jahrhundert als `Mühle an der Alb` bezeichnet. Überall dort, wo die mächtigen Schwarzwaldtannen nicht an die Flosseinbindestellen`geriesst`werden konnten, entstanden Sägemühlen, die das Holz zu Schnittware verarbeiteten, das dann besser transportiert werden konnte und als Beiladung auf den Flössen verschifft wurde."

Talabwärts sei die „Albsägemühle“ die nächste Plotzsägmühle gewesen. Schon in den Zwanziger Jahren aufgegeben, fände heute nur der Ortskundige noch einen Stein von ihr. Die nächste Mühle dann weiter rechts der Alb, gleich hinter dem heutigen Waldschwimmbad. Im „Ölmühltal“ einst die Ölmühle, die von dem Gaisbach angetrieben wurde.

Der Sägwasen-Platz war zu der Zeit der Holzlagerplatz der damaligen Klostermühle, heute Altes Schulhaus. Und wer vor der „Alten Post“ (Postamt) steht und die Augen schliesst, dem ist womöglich so, als sehe er, wie Friedrich Kübler auf die Lauersägmühle mit ihrem oberschlechtigen Wasserrad hinüber zeige.

Den Sägebetrieb seiner Plotzsägmühle stellte Friedrich Kübler 1955 ein. Die Leistung der „technisch modernen Gatter war 20 mal grösser als das, was der alte Hochgang leisten konnte.“

Die Plotzsägmühle selbst steht noch. Die Gastwirtschaft war es, die Friedrich Kübler zum Erfolg für die Familie führte. Sie liegt nur wenige Meter hinter der Grenze zwischen Loffenau und Herrenalb auf der Loffenauer Seite. Alles Leben schien jedoch immer in Richtung Herrenalb zu gehen. Kaum zwei, drei Seiten in seinen Schriften, in denen Friedrich Kübler nicht Bezug zu Herrenalb nimmt.

Der inzwischen recht bekannte Herrenalber Quellenerlebnispfad (rd. 2, 5 km Länge) endet direkt vor der Mühle. Einkehrmöglichkeiten unterwegs keine. Nur zum Schluss die Plotzsägmühle. Seit ca. zwei Jahren wenigstens auch wieder die etwas höher gelegene gut bewirtschaftete Spechtschmiede .

Friedrich Kübler schrieb einmal, er sei „…der letzte Plotzsäger, der gesägt hat. Es bleibt zu hoffen, dass ich nicht der letzte Kübler der 300 Jahre zurückreichenden Familientradition bin, der das von den Vorfahren aufgebaute Anwesen betreut.“

In der langen Herrenalber Geschichte hatte es, ähnlich dem Friedrich Kübler, etliche Leute gegeben, die aus eigener Kraft und mit Begeisterung „Alleinstellungsmerkmale“ in und für Herrenalb schufen.

Das war alles vor der Bad-Titel-Verleihung.