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WANN WIRD´S DENN WIEDER ROSIG?

Wer etwas über Bad Herrenalb erfahren will, hat zwei Möglichkeiten. Zur Erkenntnis. Eine realistische und eine irrealistische. Wobei manche behaupten, die letztere sei die Wahrheit.

Das ist der Blütentraum und Traum von einer angeblich neuen rosigen Zukunft. Die andere ist die echte Wahrheit. Wie das Leben sie schrieb. Die Geschichte von einem guten Sein, zu dem viele Blumen immer schon Herrenalbs Weg säumten. Ohne Traum-Blüten, die wie falsche Banknoten umeinander flattern.

Die Un-Wahrheit.
Die Verkünder derselben nennt man gemeinhin Lügner. Sie verkünden ihre Un-Wahrheiten so oft, dass manche denken, es sei die Wahrheit. Nur oft genug - dann wird es schon "wahr" werden. Vorzeige-Landschaft, Bilderbuch-Täler? Nein, haben wir nicht. Die Lügner reduzieren Herrenalb auf die Therme. Ohne Therme sei Herrenalb undenkbar.

Die Wahrheit.
Herrenalb ist viel mehr und viel besser. Von Anfang bis Ende. Von Beginn an bis heute. Das ist die Wahrheit.

Zweifellos - da ist allerdings das Erbe aus der Traub-Zeit. Ein aus heutiger Sicht...

...unerfüllbares Erbe. Einst selig - jetzt unselig. Man setzte ein aus damaliger Sicht futuristisches Bauwerk mit Thermalwasser mitten in die Schweizer Wiese, überholte schnell noch das Kurhaus, liess politische Beziehungen spielen und schon war auch noch der Bad-Titel dabei und - ein neuer BADE-ORT geboren.

Denkste, würde hier der Berliner sagen. Geboren ja, aber nur aus der Retorte!


Wo war der Vergleich, die Expertise, dass es gut geht, dass es für alle Generationen später auch noch Sinn macht? Wer Verständnis für diese Zeit haben will, mag anführen: Damals absolut richtig. Aber muss man nicht auch mit der Zeit gehen, nachjustieren, manchmal sogar eine Kehrtwende hinlegen? Es geht doch nicht um ein historisch erhaltenswertes Bauwerk. Es handelt sich schlicht um ein wirtschaftliches Produkt, welches aus der Zeit gefallen ist und keiner mehr will.

Wie würde der Bürgermeister von damals, dieser Bürgermeister Traub, heute "seine" Therme sehen?

Zu "seiner" Zeit gab es die vielen Kurverschreibungen. Sonst hätte die Therme von Anfang an die jetzt schon lang andauernden bekannten roten Zahlen produziert. Die anderen, die Nicht-Kurverschreibungs-Gäste, die echten Kur-Gäste, welche man gemeinhin in Baden-Baden, in Bad Pyrmont, in Bad Kissingen, in Bad Wörishofen oder sogar im tschechischen Karlsbad oder in der italienischen Abano Terme erlebt, kamen auch in "seiner" Zeit nie nach Herrenalb.

Was macht einen Badeort zu einem Badeort? Oder einen Kurort zu einem echten? Wasser allein reicht nicht. Das Flair? Das muss erst entstehen. Dabei oder nachher. Nicht selten finden sich literarische oder künstlerische Anreize, welchen solche Orte adeln, mehr zu sein als nur die Aneinanderreihung von Häuser und Strassen. Herder nannte Bad Pyrmont einen „Arzneitiegel der Natur“, Goethe kurierte dort seine Atemwegs-Erkrankung und inspirierte sich durch das „Wundergeläuf“.

Hinzu kommen so gut wie immer architektonisch beeindruckende Wandelhallen und Arkaden, Kurpromenaden mit tatsächlichem Begegnungs-Anreiz, Prominenz, hervorragende Gastronomie, edle Geschäfte und integrierte Ausstellungen, Sammlungen. Ein Bade- oder Kur-Ort entwickelt sich. Über Jahrzehnte, Jahrhunderte.

Das alles, Kultur und Literatur, war und ist im Herrenalb der siebziger und achtziger Jahre nicht zu finden. War auch vorher nicht anwesend. Ein Ort mit Klostergeschichte zwar, aber völlig ohne Geschichtsbewusstsein. 1649 lief der letzte Zisterziensermönch übers Herrenalber Pflaster.

Was also prädestinierte Herrenalb zum Kurort? Zum Bade-Ort? An den einzigen innerörtlichen Vorzeige-Kostbarkeiten Herrenalbs, diesem sogenannten „Bäderstil“, legte man sogar noch die Axt, in dem viele dieser herrlich gestalteten Gebäude gedanken- und geschichtslos dem Erdboden gleichgemacht wurden. Viele davon sogar zeitgleich(!) in dieser selig-unseligen Traubzeit. (Der Begriff "Bäderstil" wurde in Herrenalb schon Anfang des vorigens Jahrhunderts von dem Stadtbaumeister Schnaitmann aufgenommen und findet sich in vielen Orten dieser Gegend, mit und ohne Bad-Titel.)

Mitten am Herrenalber Innen-Kreisel findet sich als lebendiger Beweis ein in Beton gegossener Zeitzeuge als "Nachfahre" eines wunderbaren Bäderstil-Hotels, welches kalt oder warm abbrannte - statt es stilecht zu sanieren oder zu renovieren.

Ähnliche Abriss-Schicksale widerfuhren dem Hotel Deutscher Hof, der Hummelsburg (auch Falkenburg genannt), dem Grünen Wald, dem Anwesen Charlottenruhe und vielen anderen. Das zieht sich wie ein Charakterzug durch Herrenalb. Einzig im Krieg zum Opfer gefallen war das Hotel Falkenstein.

Die anderen wurden Opfer des Hangs zur Vereinfachung, zur Anspruchslosigkeit, dem Mangel an Geschichtsbewusstsein, oft auch nur der Gier nach noch mehr Betten zum Vermieten in der Hoch-Zeit der verschreibbungspflichtigen Kuren. Hinzu kam ein kleinbürgerlicher Hochmut aus neuem Wohlstand, kalter Wurst und abgestandener Limonade. Dem Gast werden heute noch hier und da Fremden-Zimmer angeboten… Mit fliessend kalten und warmen Wasser… Gastfreundlichkeit ist nicht in Herrenalb erfunden.

Nicht weitab vom ehrwürdigen Mönchs Posthotel, schräg gegenüber vom Kurhaus, sticht immer noch eine barackenähnliche Ladenzeile ins Auge. Zum Schämen. Daneben lange Jahre auf dem ehemaligen Hotel Falkenstein-Gelände eine verwilderte Brache, die man eher in einer verkommenen Ecke einer nachindustriellen Ruhrpott-Lage verortet hätte.

Wie vermochte man jemals zu glauben, in einem echten Kur- oder Bade-Ort zu leben? Wie passen mehrhändige Klaviersonaten zu einer solchen Abstinenz von Lebensfreude und einem ersichtlichen Mangel an Weltoffenheit? Das unverschämte Traub-Erbe, die Therme, war - wenn auch gutgemeint - immer eine Nummer zu gross für Herrenalb.  Anderswo hätte man zudem zeitig und grosszügig investiert und sich nicht weiträumig auf abgenutztes Mobilar verlassen. Die Therme - eine zu schwere Bürde. Für jeden Bürgermeister danach. Egal ob für Renz oder für Mai.

Nur – wo bleibt der Lern-Erfolg? Wenn ein Bürgermeister dem gierigen Abriss des einst ehrwürdigen Bechtle-Brosius-Café-Hauses vom Rathaus aus schulterzuckend zuschaut? Wenn neuen Mönchs Posthotel-Eigentümern Auflagen über Auflagen erteilt werden, bis diese genervt aufgeben? Der hochseriösen Evangelischen Heimstiftung Stuttgart wird eine schlichte Nutzungsänderung für das Kurparkhotel nicht nur abgelehnt, sondern auch noch mit hochmütiger Besserwisserei und unhöflichem Absschied garniert, auf dass diese die nie mehr den Fuss nach Herrenalb setzen...

Nichts dazu gelernt? Wenn man sich als Bürgermeister nicht einmischt, wenn einem wahrhaft historischem Klosterbräu-Gebäude die Abriss-Birne droht und keinerlei Versuch unternommen wird, dieses zu erhalten und neuen Markt-Ideen zuzuführen? Nein, nichts gelernt.

Wo bleibt der Verlass auf Gemeinwohl-Verantwortung, wenn der jetzige Gemeinderat dem Celenus-Unternehmen ein mit Hässlichkeit und fürchterlicher Länge strotzenden Plattenbau im Entree-Bereich, am Herzen des Ortes, mitten auf einer öffentlichen Strasse genehmigt? Wo bleibt die Verpflichtung zum Gemeinwohl, wenn man die Bebaung auf ein vor Gefahren schützendes notwendiges Überschwemmungsgebiet zulässt? Siehe Starkregen. Siehe Braunsbach 2016?

Man "kämpft" um die Therme und will jetzt die einzigste Zufahrtstrasse vernichten? Man bangt um eine Therme, in dem man ihr einen fürchterlichen Betonklotz vor die Nase setzt? Das alles nennt man Synergie-Effekt?

Man verliert sich.
Ist der Lage nicht gewachsen. Fühlt sich getrieben. Die Hochverschuldung und die Angst sitzt im Nacken. Ganz gleich ob nun selbst verursacht oder auch nicht. 500 Euro für den Celenus-Quadratmeter. Das alleine zählt.

Die Spirale einer lebensfeindlichen Stadt-Entwicklung. Das Ergebnis? Ein Flickenteppich untauglicher städtebaulicher Ansätze. Ein Kurhaus - demnächst mit Souvenir-Lädle und orientalischem Basar.

Ein Ort, zu dem hin zu fahren, sich immer weniger lohnt. In dem zu leben, nur die umgebende Natur noch Trost spendet. Es fehlt die Konzentration auf eine Kernkompetenz. Bade-Ort? Nie und nimmer.

Es gab einmal ein normales, wunderschönes Herrenalb, zu dem die Menschen aus nah und fern gern kamen. Ein Ort, umgeben von Naturschätzen. Eine Kleinstadt mittendrin, welche nie einer Gartenschau geschweige denn einer Therme bedürfte, weil die Schau ringsherum nicht nur dauerhafter sondern von ganz allein auch voller Träume ist (s.Bad Wildbad). Man muss sie nur zeigen. Man muss dafür nur etwas tun. Kernkompetenz Natur.