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mit Christian Romoser

(30.4.2016) Eine Interview-Reihe mit Bad Herrenalb im Fokus. Eine Stadt im Entwicklungsnotstand. Eine kleine Stadt mit Turbulenzen, die sie weit über die Region hinaus bekannt machten. Eine Stadt mit hohen Schulden. Eine Stadt, der ohne Vision und Konzept der finanzielle Kollaps droht.

Aber auch eine Stadt mit der Weltmarke „Schwarzwald“. Mit reichem Natur-Potenzial und einer liebenswerten Bürgerschaft. Mit vielen jungen und älteren Menschen. Mit Zuneigung von vielen Seiten. Bleibt also die Frage, wie geht es weiter?

Gemeinderat Christian Romoser war mit einem Gesprächsangebot auf das Herrenalbforum zugegangen. Es war sein Wunsch, auch aus seiner Sicht einiges dar- bzw. klarzustellen. Herr Romoser ist Gemeinderat, stellv. Bürgermeister und selbständiger Raumausstattermeister.

Hierzu stellten wir Herrn Romoser 30 Fragen:



1.    Herrenalb ist Deine Heimat?
Ja

2.    Was bedeutet diese Stadt und ihr Flair für Dich?
Ich beantworte das gerne so. Wenn man drei Wochen in Urlaub war und dann wieder zurück kommt, fühlt man sich einfach zuhause. Es ist die städtische Struktur, trotz weniger Einwohner, Herrenalb sieht nicht aus wie jede Stadt, es hat auch etwas mit dem Kurpark und der Klosterruine zu tun. Ich finde es auch sehr schön und angenehm, dass wir keine grössere Industrie haben.

3.    Wo bist Du zur Schule gegangen?
Hier auf der Grundschule, direkt gegenüber. Danach auf der Wilhelm-Lorenz-Realschule, dann Wirtschaftsgymnasium in Ettlingen mit Abschluss. Es folgte die Bundeswehr-Zeit und später erst meine Lehre. In diesem Raumausstatter-Geschäft bin ich in der vierten Generation.

4.    Hattest Du einen Lieblingslehrer und wer war das?
Ich hatte mehrere Lieblingslehrer. Einer war Wolfgang Lorch, der jetzt gerade gestorben ist. Ehrenbürger von Ettlingen und auch ehemaliger Stadtrat der SPD.


5.    Was hat Dir an der „grossen“ Kur-Zeit Herrenalbs besonders gefallen?
Es war mehr los in Herrenalb. Mehr Leute unterwegs. Mit allen Vor- und Nachteilen. Die Therme ist entstanden. Das war damals schon ein sehr moderner Bau. Ich bin immer noch der Meinung, wenn man sich um manche Dinge richtig kümmert, dann kann man diese so bewirtschaften, dass es erträglich ist. Das nur nebenbei. Es hatte in Herrenalb mehr Sachen gegeben, die es woanders nicht gegeben hat. Da war ein Kino, da waren Stars von Rang und Namen. Vico Torriani, Uwe Seeler und viele andere. Die waren gestern im Fernsehen und heute bei uns. Natürlich wäre es falsch, hier nun eine Käseglocke drüber zu stülpen.

6.    Wie beschreibst Du das gewisse Etwas von Herrenalb?
Die Zeiten gehen weiter, man muss nur die Sache, die man neu macht auch richtig machen. Wir hatten zum Beispiel einen Stadtbaumeister, dem waren u.a. ordentliche Ortsschilder wichtig und insgesamt das hervorragende Erscheinungsbild der Stadt.

Da sind wir leider ein Stück weit von abgekommen. Es darf alles nichts kosten, es muss billig sein. Diese Haltung teile ich nicht. Ich kann mir „Billig“ nicht leisten. Auch privat nicht. Denn so viel Geld habe ich gar nicht.


7.    Was bedeutete Natur in Deiner Kindheit?
Oje, da hat man sich wenig Gedanken gemacht. Die war einfach da. Wir sind als Kinder oft im Wald da oben gewesen. Ja, vieles ist nicht mehr so. Es tut mir in der Seele weh, wenn ich die Plotzsägmühle heute anschaue.


8.    Du hast Dich über das Herrenalbforum sehr geärgert?
Nein, geärgert nicht. Das wäre falsch. Ich fand manches nicht korrekt und manches auch amüsant.

9.    Fühlst Du Dich über die Veränderungen in Herrenalb ausreichend informiert?
Ja, klar.

10.  Was ändert die Gartenschau?
Den Bekanntheitsgrad von Herrenalb, also der steigt. Und schön wäre es, wenn die Besucher die da waren, nicht alle natürlich, aber viele auch 2018 oder 2019 wieder her kommen.

11.  Landkreis Calw oder Landkreis KA
Ich hänge weder an dem Landkreis Calw, noch renne ich mit wehenden Fahnen nach Karlsruhe. Ist mir eigentlich egal. Nur, wenn Herrenalb den Landkreis wechselt, dann muss es zur Verbesserung der Bürger sein. Und entscheiden müssten es meiner Ansicht nach die Bürger, sonst gar niemand. Die Bevölkerung müsste entscheiden, also nicht der Gemeinderat. Dass die Lebensader nach Karlsruhe geht, ist keine Frage.

12.  Warum hat die CDU keine öffentlichen Stammtisch-Treffen in Herrenalb?
Wir haben es nie gehabt. Immer aber auch Wahlveranstaltungen, die wiederum andere Parteien nicht haben. Ja, zugegeben, da sind wir hintendran. Aber ich bin auch kein grosser Freund davon. Es kommen oft nur die Bruddler

13.  Freust Du Dich über Grün-Schwarz?
Ich finde die Konstellation gar nicht mal so schlecht, weil sie sich in vielen Teilen ergänzen. Es gibt aber auch Teile, wo es nicht stimmt. Bei der Schulpolitik haben wir Riesen-Probleme. Über die Wirtschaft brauchen wir nicht reden, über Natur auch nicht. Meine Freude hält sich in Grenzen. Sagen wir mal so: Mit der FDP war es immer einfacher. Aber die sollen sich zusammenraufen und es wird funktionieren, da bin ich sicher.

14.  Wie gut bist Du mit dem vielleicht neuen Innenminister Blenke bekannt?
Ist ein Freund von mir.


15.  Bewirtschaftete Hütte so wie in Baiersbronn, kein Thema für Dich?
Das war immer mal angedacht. Uns fehlt aber dafür leider die professionelle Betreuung.

16.  Warum haben wir keinen Baumwipfelpfad wie in Bad Wildbad oder eine ähnliche dauerhafte Natur-Attraktion?
Ich sag mal so. Wenn man das mit Wildbad vergleicht. Ich kenne den Klaus Mack auch sehr gut. Und das der ein Macher ist, das hat man gewusst. Leider hat der sich damals für Wildbad entschieden. Er ist rührig, er ist umtriebig, hat Connection, ist super gut vernetzt. Auch über alle Parteigrenzen hinweg. Und hat auch manchmal Standpunkte, ob die richtig sind oder nicht, die er aber vertritt.

17.  Siehst Du auch die örtliche Unzufriedenheit vieler Wähler? CDU unter Blenke und Dir nur noch 25,7 statt 41 Prozent. Die AfD in Herrenalb drittstärkste Kraft.
Kann ich mir nicht vorstellen. Zumindest auf die CDU bezogen nicht. Wenn jemand örtlich unzufrieden mit der CDU ist, wäre er nicht ganz fair, denn die CDU ist ausser den Grünen, die einzigste Partei in Herrenalb, die wahlmässig zur Disposition stand.

18.  Wolf oder Strobl?
Also, ich habe den Wolf damals gewählt, als er parteiintern zur Debatte stand. Strobl war mir zu weit weg in Berlin. Ich finde ihn grundsätzlich nicht so schlecht. Nach der Wahl hat er (Wolf. Die Red.) sich jetzt nicht gut verkauft.

19.  Fühlst Du Dich als Anlieger der Kurpromenade und dem Klostergarten im Gemeinderat nicht befangen?
Natürlich, klar. Dann melde ich das auch an und gehe auch raus. Beim Klostergarten gar nicht, warum sollte ich da auch befangen sein? Da habe ich weder Vorteil, noch Nachteil. Bei der Kurpromenade bin ich Anwohner. Da wurde zum Beispiel diskutiert, was man den Grundstückseigentümern anbietet, wenn die Stadt dort Flächen kaufen möchte – da verliess ich dann den Raum. Einmal ging es auch um Entschädigungen, die man auf die Vermieter ausweitet, da bin ich dann – weil es in einer öffentlichen Sitzung war – vom Tisch zurück getreten.
Grundsätzlich muss jeder Gemeinderat selbst wissen, ob er befangen ist und sich ggf. als befangen erklären. Das kann der Bürgermeister im Einzelfall nicht immer wissen.


20.  Warum kein Fussweg über Theurer -Areal zur Schule, Kindergarten, Dobeltal?
Man hat mal darüber gesprochen, aber nie darüber abgestimmt. Die zuständigen Planer sagten damals, Leute lasst die Finger davon. Das Gefahrenpotenzial, dass die Kinder über den langen Parkplatz laufen, ist grösser als eben aussen an der Strasse entlang. Hinzu kam die Geländefrage. Der Eigentümer Theurer machte es nicht von sich aus. Ausserdem gibt es für eine kurze Strecke noch einen anderen Eigentümer, über dessen Grundstück man hätte drüber müssen.

21.  Wieviel Herrenalber arbeiten im Tourismus?
Weiss ich nicht. Es ist mir auch zu vordergründig. Es hängen ja auch Zweit- und Dritt-Arbeitsplätze daran. Herrenalb war für mich immer etwas Besonderes, es wäre für mich keine reine Wohnstadt. Das fände ich schade. Langfristig würde viel Flair verloren gehen.

22.  Gibt es Einwände gegen den Verkauf der Klosterscheuer?
Ja. Von meiner Seite aus auf jeden Fall. Ich bin kein Freund vom vielen Verkaufen. Da hatte ich bei Euch auch gelesen, ich sei derjenige, der die Schweizer Wiese verkaufen will. Gerade das Gegenteil ist der Fall.

Verkaufen kann man etwas nur einmal. Beispiel, wo der Gemeinderat mehrheitlich zugestimmte hatte: Campingplatz, 30.000qm unbefleckte Wiese, die man gebrauchen hätte können als Ausgleichsmassnahme bis in alle Ewigkeit hinaus oder sogar in 2. oder 3.Generation als Baugebiet. Warum hat man verkauft? Weil man gesagt hat, „man“ braucht einen Campingplatz und die Stadt könne ihn nicht bewirtschaften. Das wäre zu teuer. Da sagte ich, dann macht ihn zu. Darauf hiess es, man hätte aber einen Betreiber. Meine Antwort war, okay, dann verpachtet ihn auf zwanzig Jahre für einen Euro jährlich. Der wolle aber kaufen, war die Entgegnung.

Ich hätte den nie und nimmer verkauft. Verkaufen tut man nur einmal, dann ist es für alle Ewigkeit weg.


23.  Tagt der Gemeinderat auch Deiner Meinung nach zu oft nichtöffentlich?
Nein, nicht unbedingt. Da wird zuviel hinein interpretiert. Es war früher noch viel öfters.

24.  Wann wird die Therme geschlossen?
Montags ist der Saunabereich zu. (Chr.Romoser lächelt, auf Vorhalt, doch genau zu wissen, wie die Frage gemeint ist, geht er dann doch darauf ein). Es gibt keinen Termin. Von mir wirst Du auf jeden Fall keinen Termin hören.

25.  Willst Du Bürgermeister werden?
Nee. Da müsste schon viel passieren.

26.  War die nachträgliche Legalisierung des Falkenwiesenkaufs dem Wähler zu vermitteln?
Man kann Fehler machen. Wenn man ihn dann gleich zugibt, ist alles in Ordnung. Wie man dann in der Verwaltung damit umgegangen ist, das war nicht in Ordnung. Rechtsstreitigkeiten gab es da auch noch. Ich hatte ihm (dem Bürgermeister. Die Red.) unter vier Augen gesagt, dass er da einen grossen Fehler gemacht hat und zusehen muss, wie er aus dieser Nummer wieder herauskommt. Irgendwann kam dann das Landratsamt und sagte, wir hätten nur zwei Möglichkeiten. Der Vorschlag mit dem Heilen kam aber nicht von mir, sondern vom Landratsamt. Normalerweise hätte man das rückabwickeln müssen.

27.  Was gefällt Dir an dem Konzept WohnenPlus für Bad Herrenalb?
Da habe ich gar nichts dagegen. Grundsätzlich ist es so, dass man hierfür aufgrund eines Bedarfs Flächen zur Verfügung stellen muss.

28.  Macht die Gemeinderats-Entscheidung zum Kurparkhotel nachdenklich?
Nein, macht es nicht, weil das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. Die Kommune hat sich da nun mal festgelegt, dass wir da ein Hotel haben wollen. Das ist noch nicht so lange her. Die Paulinenpflege hatte viele Fehler gemacht, sie hatte das falsche Konzept, die falschen Leute am Standort. Das ging dann so weiter: Der Geschäftsführer der Heimstiftung sitzt im Aufsichtsrat der Paulinenpflege. Da liegt doch irgendwas nahe. Wir haben aber nun mal noch Tourismus und da fehlen dann auf einmal 100 Betten. Ich sehe im Augenblick jedenfalls keinen Anlass, meine Meinung zu ändern.

29.  Was könnte an dem vorhandenen Bürgermeister besser sein?
Ja, jeder Mensch hat gute und schlechte Seiten.

30.  Wie kommen wir jemals von den hohen Schulden herunter?
Wenn ich eine Investition mache, kümmert mich bei der Investitionshöhe nur der Kapitaldienst. Muss man danach noch weiter zubuttern, dann muss man sich kümmern. Das Freibad zum Beispiel „leisten“ wir uns für die Bevölkerung. Ja, und die Therme? Als Mai kam, hat er die Therme ziemlich schnell den Stadtwerken zugeschlagen und ja, somit die Miesen dort versteckt. Da hatte er vielleicht gedacht, die Stadtwerke machen da was für uns. Dabei steht in dem Vertrag drin, egal was passiert, den Abmangel trägt die Stadt.

Dem Schliessen der Therme stehe ich schon deswegen ablehnend gegenüber, weil eine Schliessung auch Geld kostet. Was mich aufregt ist, dass man sich die ganzen 10 Jahre von der Verwaltungsseite aus nicht ausreichend gekümmert hat.


Christian, ich bedanke mich für das Gespräch.

Die Befragung führte Dieter Schäfer. Die Duz-Form rührt aus der Bekanntschaft beim damaligen Teufelslauf.
Alle Fragen sind unvorbereitet im Interview gestellt.

Der neue Ruppert...